,Gewinn‘ ist 30 Jahre jung
 

,Gewinn‘ ist 30 Jahre jung

Das Verlagshaus Wailand & Waldstein, Herausgeber des Wirtschaftsmagazins Gewinn, des TOP-Gewinn, Gewinn-Messe-Veranstalter, Anleger-Seminaranbieter, wird im April 30 Jahre jung: Eine Reflexion mit Georg Waldstein, Georg Wailand und Raimund Jacoba.

Langfassung des Interviews in HORIZONT 12-2012 vom 23. März 2012. 

Am 17. April erscheint in einer Auflage von 100.000 Stück die Gewinn-Jubiläumsausgabe zum 30jährigen Geburtstag. 30 Jahre Wirtschaftsmagazin Gewinn ist nicht nur ein Stück österreichische (Print-) Mediengeschichte, sondern auch, in ganz eigener Sache, die Geschichte eines verlegerischen Projekts mit mehr als nur publizistischer Haltung: Die Gründer der Wailand & Waldstein GmbH, Georg Wailand und Georg Waldstein, fungieren seit 30 Jahren als Eigentümer, Herausgeber beziehungsweise Chefredakteure im unabhängigen Verlagshaus und zeichnen für die publizistische Linie verantwortlich; Geschäftsführer Raimund Jacoba, der schon drei Monate vor dem Ersterscheinen im März 1982 zum Magazin als Verkaufsleiter stiess, ist einer der anerkanntesten Medienmanager Österreichs. 

HORIZONT ersuchte das Trio zum Geburtstag um Ausblick und Rückblick, Standortbestimmung und Reminiszenzen - sozusagen zum "Selbstporträt in Zitaten und Anmerkungen". 

HORIZONT: Im April wird der "Gewinn" 30 Jahre, eine Jubiläumsausgabe erscheint - Wie feiert Ihr im Verlag eigentlich Geburtstag...? 

Georg Wailand:
 Wir gehen aufs Wasser. 

Raimund Jacoba:
 Wir gehen über das Wasser! Weil wir können das, wir können alles. 

Wailand:
 Spass beiseite: Wir haben ein tolles Team, das der Garant für unseren Erfolg ist und im Lauf der Jahre, Jahrzehnte, natürlich größer geworden ist (der Gewinn-Verlag hat derzeit 40 feste Mitarbeiter und wenigstens so viele frei zuarbeitende, Anm. sl/hs) und wir werden mit unseren Mitarbeitern mit dem Boot nach Pressburg fahren und uns vergnügen, wie wir das immer wieder gerne machen. Beim 25jährigen Jubiläum sind wir mit dem Riesenrad gefahren und haben den Prater besucht und eine Hetz gehabt 

Jacoba:
 Tja, im Unterschied zu anderen Verlagshäusern, die zu solchen Anlässen nach New York oder sonstwohin fahren fahren, gehen wir in den Prater oder fahren auf der Donau... 

HORIZONT: Was soll uns das jetzt sagen?
 

Jacoba: Dass wir schön sparsam sind, bodenständig, dass wir uns um jeden Euro schneller bücken als andere... 

Wailand: Das spiegelt nach wie vor das Selbstverständnis, aber auch das Klima unserer Anfänge vor 30 Jahren wieder, da konnten wir gar nicht groß aufdrehen... Wir haben damals im Palais Schönborn begonnen, prestigeträchtig, aber im Hinterhof. Was haben wir gebraucht: Zentrale Lage, ein paar Zimmer und Telefone - und vor allem gute Leute! Nach zweieinhalb Jahren ist es in die Seilerstätte gegangen und schließlich 1991 hierher in die Stiftgasse, weil wir einfach größer geworden sind... 

Georg Waldstein:
 Raimund Jacoba hat mir gestern (das Interview fand am 15.03.2012, Anm.sl/hs) den Auftrag gegeben, mir für dieses Interview einen Sager auszudenken zum Magazintitel Gewinn, sozusagen zur Begründung. Heraus kam: Zweimal G & G, also das erste Mal Georg (Wailand) und Georg (Waldstein) - und daraus hat sich dann das zweite G & G ergeben: Grundkonzept und Glück. Denn Glück ist auch wichtig. 
Das Grundkonzept, das wir miteinander erarbeitet haben, konnten wir bis heute beibehalten, und daraus hat sich zum Glück ergeben, dass wir uns im Lauf der Jahre interne Richtungsdiskussionen immer ersparen konnten. Ein weiteres Glück war - siehe Raimund Jacoba - dass wir von Anfang an gute Mitarbeiter gewinnen konnten, die uns zum Großteil auch erhalten geblieben sind, die Fluktuation bei uns ist sehr gering. 
Ein wichtiges Glück war auch, dass wir beim Start in einer wirtschaftlichen Krisenzeit begonnen haben, der Markt war nicht gerade der beste. Das hat wiederum dazu geführt, dass wir von Beginn an extrem sparsam gewirtschaftet haben. Da hat sich auch die Kurt-Falk-Schule, die ja der Georg Wailand durchgemacht hat, extrem bewährt, weil Kurt Falk ja bekanntermassen jeden, der an einem Bleistift gekaut hat, zur Rede gestellt hat, dass er nicht sein Eigentum aufessen soll. Das hat von vornherein für eine extrem schlanke Struktur gesorgt, die wir trotz der folgenden Übersiedlungen beibehalten haben. 
Diese Struktur und die Grundphilosophie war ganz am Anfang in der Renngasse (Palais Schönborn, Anm. sl/hs) bereits vorhanden. Deswegen spreche ich von Grundkonzept - und Glück. Es hätte auch anders kommen können, es gibt eine Menge von guten Grundkonzepten, die ungerechter Weise gescheitert sind - es hätte also auch in unserem Fall ganz anders kommen können... . 

HORIZONT: Was war nun die Idee, der Nukleus zum Konzept für den "Gewinn"? 

Wailand:
 Georg Waldstein und ich waren in den Jahren davor immer Konkurrenten - und wir waren immer befreundet. Er war beim ,trend', ich war bei der ,Krone', er war beim ,Kurier', ich war bei der ,Krone' und wir haben uns immer, wie wohl Widersacher, immer gut verstanden - so gut, dass wir gesagt haben: Wenn es interessant ist, machen wir was gemeinsam. 
Wir haben uns damals im Café des Auge-Gottes Kino getroffen, das erschien uns ein schöner symbolträchtigen Ort, und nicht so öffentlich wie das Café Landtmann. Danach beim Spaziergehen im Park des Palais Schwarzenberg sind wir auf einer Bank gesessen und haben bereits Markennamen ausgemustert, samt Logos. Da ist der ,Gewinn' herausgekommen, der heute ein bekannter Name und eine starke Marke ist. 
Damals, 1982, zum Ende der Ära Kreisky, war das eine Provokation. Das Verständnis von Wirtschaft war durch die Verstaatlichte Industrie geprägt, Umsatzzahlen oder gar Gewinne wurden kaum publiziert oder gar besprochen. 

Jacoba:
 Man muss auch in Erinnerung rufen, dass es damals ausser dem ,trend' so gut wie keine Wirtschaftspublikation am Markt gegeben hat. ,Die Presse' hatte eine Seite Börsekurse, aber nicht kommentiert, Wirtschaftsberichterstattung hat eigentlich nur in der ,Kronen Zeitung' stattgefunden. 

Wailand: Was die ,Krone' damals geleistet hat, trug zu einem Aha-Faktor in Sachen Wirtschaftsberichterstattung bei, erstmals Wirtschaft für eine breite Leserschaft aufzubereiten - auch eine Innovation. Wir haben den Namen ,Gewinn' ganz bewusst gewählt, weil er uns auch wandlungsfähig erschien - siehe ,TOP-Gewinn', siehe ,Gewinn-Messe' und so fort. Bis zum heutigen Tag ist mit ,Gewinn' unser Magazin klar etikettiert, wofür wir stehen. 

HORIZONT: Zusatz: Der persönliche Vorteil... 


Wailand: Ja. Und das haben wir auch kompromisslos eingehalten. Bis zu unserem Start hatte der ,trend' 12 Jahre eine Alleinstellung gehabt und eine erfolgreiche Kurve genommen - aber war für uns nie eine Feindbild. Der ,trend' ist etwas anderes: Feuilletonartig, nett illustriert, schön zum Lesen. Wir haben eher die harten Bretter gebohrt, wir wollten den Nutzen für den Leser herausarbeiten. Es ist eleganter, über die Familie X 16 Seiten zu schreiben ... als eine Übersicht zu machen: Wie schaut es aus bei Factoring, bei Gehaltskonten, bei Versicherungsprodukten im Fünfjahres-, im Zehnjahresvergleich aus, und so weiter. Das war immer Teil unserer Philosophie: Wenn der Empfänger glücklich ist, sind wir auch glücklich. 

Waldstein: 
In dem Zusammenhang ist auch wichtig anzumerken, dass wir zu Beginn noch nicht die Ältesten, aber auch nicht mehr die Jüngsten waren. Wir haben schon einige Arbeitsplätze und Arbeitseinsätze hinter uns gehabt. Wir haben es, auf Deutsch gesagt, nicht mehr notwendig gehabt, zu künsteln, also Artikel künstlich aufzumascherln. Ich selbst habe jahrelang beim trend gelernt, wie das geht. Wir beide - Georg Wailand und ich - waren selbstbewusst genug zu sagen: Das brauchen wir nicht. Wir schreiben einfach, was Sache ist, auch wenn der eine oder andere sagt, das sei ein bisschen trocken oder fad. Das war uns wurscht. Das Ergebnis war, dass vor allem Unternehmer gesagt haben ,Die sprechen unsere Sprache'. Heisst die Distanz zwischen den Autoren und den Lesern war minimal, die Übereinstimmung im Denken, im Zur-Sache-kommen, hat sich sehr bewährt. 

HORIZONT: Die Fokussierung auf Sachlichkeit, auf Fakten, war von Anfang an bereits festgelegt?
 

Wailand: Das Grundkonzept war von Anfang an da, das Schwierige war allerdings, das auch konsequent durchzuhalten. Es gibt immer die Versuchung, etwas aufzublasen. 

Waldstein:
 Wir haben als Autoren nie Selbstverwirklicher im Haus gehabt (Wailand lacht kurz auf). Sondern wir haben von vornherein als Autoren Fachleute gesucht und hatten die Aufgabe, den Fachmann zu popularisieren, ihn verständlicher zu machen. 

Wailand:
 Einen großen Schub haben wir bei Erwecken der Wiener Börse erlebt - und auch, glaube ich, unseren Beitrag dazu geleistet - beim Thema Geldanlage in Aktien haben wir Maßstäbe gesetzt und das hat auch das Vertrauen zwischen dem Leser und dem Gewinn intensiviert. 
Unsere Idee war immer, dass die Information mehr wert sein muss als der Kaufpreis für das Heft: Als die Wiener Börse sozusagen aufgeweckt wurde, haben wir das sehr intensiv begleitet - und unseren Lesern hat das über die Jahre auch einiges an Geld gebracht. Das war neu, dass man in Aktien investieren kann, unter Kreisky in den 70er Jahren war das geradezu verpönt. 
Seit 1985 veranstalten wir regelmässig Anlegerseminare mit Teilnehmerzahlen zwischen 25 und 400 - aber wir machen das mit 25 Teilnehmern genauso leidenschaftlich und seriös und gut und professionell vorbereitet und nutzwertorientiert wie mit 400. 
Erst unlängst hat mir ein Unternehmer erzählt, dass ein Steuerhinweis im ,Gewinn' ihm über die Jahre schönes Geld erspart hat - fein, so soll es sein! 
Daraus erklärt sich auch der hohe Abonnenten-Anteil des Gewinn, neben den sehr professionellen Marketingmassnahmen: Ein hohes Mass an Vertrauen und positiver Erfahrungen der Leser mit den Informationen, die im ,Gewinnn' stehen. Wir haben nicht immer Recht mit unseren Einschätzungen der Börse, aber wir stehen dazu und bringen unsere langjährige Erfahrung und unser Wissen ein - und machen dieses Know-how für unseren Leser transparent. 

HORIZONT: Wie hält es der "Gewinn" mit Information für den Leser und dem internen Kodex? 

Wailand:
 Was wir sicher nicht machen, wie es Tickerdienste tun, irgendeinen Nebenwert, den man selber vorher gekauft hat, hochzujubeln. Wir hatten in den 30 Jahren im Haus nie einen Fall von Interessenkonflikt oder gar Manipulation. Was wir in der Boomzeit von Optionsscheinen erlebt haben war aber, dass es Leute gab, die in die Druckerei gegangen sind, um sich einen Informationsvorsprung zu verschaffen. Sie können das nachlesen: Bei Optionsscheinen, bei Derivaten haben wir immer dazugeschrieben "Aufpassen, Totalverlust möglich oder sogar ein über das Investment hinausgehender Nachschussbedarf". Interessant ist aber dabei, dass in einer sogenannten "geilen Phase" die Leute das gar nicht lesen wollen... . 

Jacoba: 
Ich möchte etwas in Erinnerung rufen: Es ist erst ein paar Jahre her, dass auf den diversen Medientagen hochkarätige Manager von Gruner + Jahr und anderen Häusern im Zuge der angeblichen Krise von Print die Devise ausgegeben haben, Service und Nutzen für den Leser in den Mittelpunkt zu stellen. Wir machen das seit 30 Jahren, und es geht bei uns nicht nur um Anlage, sondern natürlich auch um Steuer, Recht, Abschreibungen, konkretem Rat bis hin zur Gesundheitsvorsorge... 

Waldstein:
 Wobei ich, um der Wahrheit die Ehre zu geben, sagen muss, dass ganz am Anfang in den 70er Jahren auch der ,trend' auf Service gesetzt hat. Weniger auf Aktienberichterstattung, sondern Jens Tschebull hat beispielsweise bei der Mehrwertsteuereinführung den ,trend' enorm in die Höhe gebracht. Dann aber hat die Redaktion begonnen, sich selbst zu verwirklichen, und aus dem Servicemagazin ist ein Wirtschaftsjournal geworden. Wir haben also den Typ des Servicemagazins nicht erfunden - aber wir haben das Konzept konsequent aufgesetzt und entwickelt. 

Wailand:
 Service, oder wie ich sagen würde Rat: So sind wir zum Freund unserer Leser geworden, der uns begleitet. Wann immer er eine Frage zu Finanzen hat, soll er von uns eine relevante Antwort bekommen. Ob das Aktien sind, Sparkonditionen, Versicherungsfragen bei Auto oder Reisen, oder Währungen und so weiter... da der Rhythmus eines Monatsmagazins in der heutigen Zeit sehr großzügig ist, haben wir unser Angebot mit dem ,TOP-Gewinn' ausgeweitet und schließlich mit unserem Online-Auftritt gewinn.com ergänzt - und heuer veranstalten wir zum 22. Mal die ,Gewinn'-Messe, die im kleinen Österreich eine der größten Fachmessen in Europa geworden ist. Und obwohl sich in dieser langen Zeit die Wirtschaft so sehr verändert hat, viele Unternehmen - ich erwähne nur Creditanstalt, Länderbank oder Bundesländer-Versicherung - nicht mehr existieren, ist es uns gelungen, langfristig haltendes Vertrauen aufzubauen. 

Jacoba:
 Das zeigt sich auch bei unseren Abonnenten. Zum 25-Jahr-Jubiläum haben wir mit Zwei-Jahres-Abos begonnen, die wir mittlerweile auf Vierjährige Abos ausgedehnt haben, die im Voraus verkauft sind. Darauf sind wir schon stolz - welcher Verlag hat schon einen Abo-Anteil an der verkauften Auflage von 70 Prozent und Abonnenten, die sich bis zu vier Jahre im Voraus binden? Ich kenne keinen. Und, in aller Bescheidenheit: Unsere Abo-Preise sind nicht gerade billig... 

Wailand: Qualitätsjournalismus kostet etwas, und dazu bekennen wir uns auch. Wir verlangen für ein Heft 4,50 Euro und für ein Abo einen angemessenen Preis. Wir sind überzeugt, dass es Magazine auch weiterhin geben wird - mit einer wertigen, vorteilsbezogenen Information mit hoher Glaubwürdigkeit. Mein Freund ist mir das wert. Oder ich habe eben eine Schnellzugbekanntschaft für zwei Stationen... . Wir sind halt ein anderer Typ. 

Jacoba:
 Das ist ein ganz wichtiger Punkt: Wir sind eines der wenigen Verlagshäuser, das Eigentümer- und Herausgebergeführt ist. Das bedeutet: Inhalt vor Geld. Deswegen widerstehen wir auch vielen Anfragen in Bezug auf redaktionelle Commitments mit Anzeigenaufträgen. Ich muss mich nicht auf die Strasse werfen, weil ich weiss, dass meine Inhaber dafür stehen, sich nicht verwinden zu lassen. Konzerngeführte Verlagshäuser sehen das sicher anders. Wir hingegen haben ein ordentliches Preisniveau, wir haben eine ordentliche Erlössituation im Vertrieb und auch im Anzeigengeschäft selbstverständlich. 

Wailand:
 Damit sprechen wir einen ganz besonderen Typ Leser an: Den Entscheider. Das ist einer, der sich informieren will und der entscheidet, für sich und im Unternehmen. Unser Leser ist nicht der passive Voyeur, sondern ein handlungsbereiter, aktiver Typ, der etwas machen will, der die Zukunft bewältigen will - das zeigen uns zumindest alle einschlägigen Leserbefragungen. 

Jacoba:
 ,Gewinn' durchlesen bedeutet Arbeit, das ist überhaupt keine Frage. (Aber es soll sich lohnen, wirft Wailand ein). Wer diese Hürde nimmt, sich diese Arbeit antut, ist ein ganz besonderer Typ: Daher ist auch die Nutzungsintensität des ,Gewinn' ganz woanders als im Durchschnitt bei Magazinen - der ;Gewinn' wird nach unseren Analysen fünf- bis sechsmal zur Hand genommen und in Summe bis zu einer Stunde gelesen. 
Mir wäre es ja am liebsten, wenn es bei Medien eine neue Gattung gäbe: Nämlich die Qualität. Printmediengattungen auf das Druckverfahren zu beschränken ist zu wenig. Entscheidend ist die Qualität, gleich in welcher Mediengattung. 

HORIZONT: Wie hält es der "Gewinn" mit der Online-Welt?
 

Jacoba:
 Ich glaube, dass wir da äußerst clever agieren: Wir wissen alle, dass im Online-Bereich mit aktuellen Meldungen nichts zu verdienen ist. Wir haben eine sehr ordentliche Plattform www.gewinn.com, die absolut in Ordnung ist mit sehr vielen serviceorientierten Inhalten. 
Zu 80 Prozent betreffen die Zugriffe Geld-Themen, wir haben ordentliche Zugriffe, aber keine Millionenzugriffe. Das streben wir auch gar nicht an. 
Was wir wollen, ist den gedruckten Gewinn verkaufen mit unseren wertvollen Informationen, die wir keinesfalls gratis zur Verfügung stellen wollen. Im Bereich Online werden wir immer dranbleiben und uns ordentlich präsentieren - aber wir machen keine Fleissaufgaben! 

HORIZONT: Gab es je eine Krise in der Entwicklung des "Gewinn"?
 

Wailand:
 Das erscheint ungewöhnlich, aber es ist so: Wir haben in den 30 Jahren nicht nur ,Gewinn' geheissen, sondern auch Gewinn gemacht und unsere Steuern gezahlt. Nein, Krisen hatten wir nicht, aber natürlich unterschiedliche Jahre, wir sind in einem zyklischen Geschäft. Wir haben es immer mit Information an unsere Mitarbeiter gehalten, die ja auch am Erfolg in Form von Genusscheinen beteiligt sind und daher wissen, wie gut das Jahr war. Auch das ist uns wichtig: Wir wollen unseren Erfolg mit unseren Mitarbeitern auch teilen. 

Waldstein:
 Nicht zu vergessen unser Engagement in Ungarn, wo wir seit zehn Jahren eine Beteiligung - ,Haszon', übersetzt in etwa "Reibach" - halten, die seit drei Jahren auch Gewinne abwirft. 

HORIZONT: Zum Jubiläum: Ein Ausblick? 

Wailand, Waldstein, Jacoba:
 Eigentlich zuversichtlich, ja sehr gut. Gerade weil das Wirtschaftsleben so unübersichtlich geworden ist, so kurzlebig, wird unser Informationsansatz immer wichtiger. Schönes Beispiel ist der aktuelle Gewinn-Titel zum Thema ,Die Zeitbomben im Sparpaket'. 
Ja, das ist in allen Tageszeitungen mehr oder weniger abgehandelt worden - aber nur bei uns steht drin, von den besten Steuerberatern analysiert, was das konkret bedeutet, worauf sich Arbeitnehmer und Unternehmer einstellen müssen, was sie tun können - deshalb der Zusatz ,und wie man sie entschärft'. 
Das ist unser Aufgabe und Funktion - steht ja auch unter dem Logo groß am Cover: ,Das Wirtschaftsmagazin für den persönlichen Vorteil'. Dazu geben wir die Expertise, für jeden, der sich interessiert, mit den besten Experten. 
Im heutigen Wirtschaftsleben könnte man den Eindruck gewinnen ,Alles hat eine Zahl, aber keinen Wert'. Wir glauben, dass die Zahl nach dem Wert kommt. 
Dafür steht der ,Gewinn'. 

HORIZONT: Was wünschen sich die "Gewinn"-Macher zum Dreissiger? 

Raimund Jacoba:
 Von den Kollegen in der Medien-Branche wünsche ich mir eine differenzierte Betrachtung von ,Print-ist-nicht-gleich-Print' und das nötige Beachten von Qualität und den Hausverstand, dass Kaufmedien eine andere Bedeutung für den Leser haben als Gratistitel - Glaubwürdigkeit, Kompetenz und so weiter. Ich würde mir wünschen, dass das Kriterium Qualität in der Mediaplanung stärker gilt. Es wird zwar immer die Qualität von Zielgruppen angeführt, heraus kommt aber letztendlich nur Reichweite und Tausenderpreis. Was allein aber nichts bringt, wenn die Qualität nicht passt - das sollte erkannt werden. (Nachsatz: ...und ich wünsche mir mehr Anständigkeit!). 

Georg Wailand: 
Ich würde mir wünschen, dass das Bewusstsein bei den Entscheidungsträgern noch stärker wird, dass der ,Gewinn' einen wesentlichen Beitrag für eine funktionierende Wirtschaft leistet und damit auch für ihr Fortkommen, ihren Erfolg ein positive Atmosphäre schafft. Unternehmer brauchen auch gut informierte Mitarbeiter - ein Gewinn-Abo leistet das! 

Georg Waldstein:
 Ich wünsche mir für den ,Gewinn' von der Werbewirtschaft viele kreative Ideen für tolle Printkampagnen. 
In der aktuellen Situation würde ich mir wünschen, dass wir aus diesem unerträglich erscheinenden Klima von Korruptionsvorwürfen, die aufgeklärt gehören, keine Frage, wieder herauskommen und sowohl in der Politik als auch in den Medien nicht vergessen, das der überwiegende Teil der Wirtschaft, von der wir leben, funktioniert und wir im öffentlichen Leben bald wieder auch positive Nachrichten im Vordergrund haben. 

HORIZONT: Toitoitoi und alles Gute zum Dreissiger! 

Das "Wirtschaftsmagazin für den persönlichen Vorteil", Gewinn, wurde 1982 gegründet und erscheint monatlich (elfmal pro Jahr mit einer Doppelausgabe Juli/August). Das Wirtschaftsmagazin Gewinn wird von der Wailand & Waldstein GmbH publiziert, einem unabhängigen österreichischen Privatunternehmen, hinter dem die beiden Gründer und Herausgeber Dr. Georg Wailand und Georg Waldstein stehen. Im Verlag erscheinen außerdem TOP-Gewinn exklusiv für Gewinn-Abonnenten und mehrere Fachbücher pro Jahr. Gewinn ist auch Veranstalter mehrerer Seminarreihen und Mitorganisator der seit 1991 stattfindenden Gewinn-Messe in Wien. 

Als der Gewinn im März 1982 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde, war die Größe der Zielgruppe noch schwer abzuschätzen. Die vorsichtigste Schätzung ging von 8.000 bis 10.000 verkauften Magazinen aus. Bereits nach einem Jahr wurde der Break-even-point erreicht, zu den Verkaufszahlen stiegen seit damals auch die Heftumfänge (ursprünglich 68 Seiten, heute bis zu 300 Seiten). 

Seit 1990 gibt der Gewinn-Verlag zusätzlich das Abonnentenmagazin TOP-Gewinn heraus (von 30.000 Exemplaren 1990 auf rund 50.000). Weitere "Markenprodukte" sind die ebenfalls 1990 eingeführte Gewinn-Messe jeden Oktober, sowie eine ganze Reihe von Büchern, die in den zu verschiedenen Kernthemen des Gewinn erschienen sind. 

Seit 1997 ist Gewinn die Nr. 1 unter Österreichs Wirtschaftmagazinen und baut diese Position kontinuierlich aus. Heute kann der Gewinn auf 275.000 Leser (MA 2010/2011) verweisen, was eine Reichweite von 3,8 Prozent bedeutet - "Damit ist der Gewinn auch quantitativ Österreichs führendes Wirtschaftsmagazin", formuliert Verlagsleiter Raimund Jacoba. Siehe auch www.gewinn.com
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