Georg Pölzl: "Wir wollen nicht Amazon schlage...
 

Georg Pölzl: "Wir wollen nicht Amazon schlagen"

Katharina Schiffl
IAA BusinessCommunicationLunch
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Beim IAA Business Communication Lunch gab der Post-Chef unter anderem einen Überblick über die Entwicklung der Einkaufsplattform shöpping.at.

Im April 2017 wurde shöpping.at, der Online-Marktplatz der Österreichischen Post, aus der Taufe gehoben. Groß war das mediale Echo und groß waren auch die Erwartungen. Seither ist es um shöpping.at aber deutlich ruhiger geworden. Warum das so ist und welche Absicht dahinter steckt, das erklärte Post-Chef Georg Pölzl beim IAA Business Communication Lunch im Wiener Hotel Bristol. Moderatorin und Ex-ÖBB-Managerin Kristin Hanusch-Linser kündigte Pölzl als Vorreiter der Digitalisierung an - einen, der es schon auf den Boden gebracht hätte und nicht nur darüber rede. Zudem attestierte sie Pölzl Mut zum Risiko – schließlich habe man hier die klassische Wertschöpfungskette verlassen - oder vom Ende her aus Kundensicht gedacht.

So riskant sei es nicht, meinte Pölzl, weil es eine begrenzte Investition und ein begrenztes Risiko sei. "Die Digitalisierung verändert unser Leben gewaltig", führte der Vorstandsvorsitzende und Generaldirektor der Österreichischen Post aus. Auch die Entwicklungen bei Brief und Paket seien Digitalisierungsaspekte: Der Brief werde durch E-Mail und Co. substituiert und das Paket wachse indes durch e-commerce. "Für uns ist die Digitalisierung Herausforderung und Chance", so Pölzl. Für die Post hätte es in drei Kategorien Veränderungen gegeben: Erstens seien die gesamten Geschäftsmodelle auf digital umgestellt worden - jeder Briefzusteller arbeite heute etwa mit einem Handheld, jedes Paket habe einen elektronischen Parallelprozess und sei ständig verfolgbar. Zweitens durch neue Produkte wie etwa den e-Brief und drittens durch neue Geschäftsmodelle - und hier komme shöpping.at ins Spiel.

Haupttreiber für die Entscheidung zu einer elektronischen Einkaufsplattform sei die derzeitige Charakteristik des e-commerce-Business gewesen: Der Umsatz beträgt derzeit 3,5 Milliarden Euro, wächst extrem stark (17 Prozent pro Jahr) und 60 Prozent der Pakete kommen aus dem Ausland – "meiner Meinung nach mit steigender Tendenz", sagte Pölzl. Der österreichische Handel und die heimischen Produzenten würden ins Hintertreffen geraten. Nach dem Gesetz "the winner takes it all" sichere sich Amazon derzeit mit 600 Millionen Euro gut 20 Prozent des e-Commerce-Kuchens, der nächstgereihte Händer, Zalando, habe nur noch fünf Prozent.

"Wollen österreichischen Produkten einen fairen Anteil geben"
"Wir wollen nicht Amazon schlagen, sondern wir wollen österreichischen Produkten und Leistungen einen fairen Anteil geben", umriss Pölzl die Zielsetzung für shöpping.at. Hauptproblem sei gewesen: Österreich ist zu klein. "Wenns wer bündeln kann, dann die Post", war der Gedankengang. Im Paketgeschäft habe man ohnehin großes Interesse, zudem kenne jeder die Post und vertraue jeder der Post. "Wir glauben daran, dass wir als österreichischer Marktplatz eine Chance haben als Ergänzung zum internationalen Angebot", meinte Pölzl. Dazu brauche man aber die Unterstützung der Händler - "gemeinsam werden wir es schaffen." Man werde aber niemals besser sein als Amazon im Amazon-Segment. Es sei etwa nicht geplant, einen Schwerpunkt bei Elektronik zu setzen. Pölzl denkt eher an kleine Weinhändler - diese würden sich einen eigenen Shop sparen, zudem sei man günstiger als Amazon und hätte eine nicht von Amazon besetzte Marktlücke. Zudem erhalten Kunden ihre Pakete fix von der Post - bei Amazon könnte man auch, "wenn Sie Pech haben", von DHL beliefert werden.

Technisch funktioniere der Marktplatz bereits sehr gut - das zu testen sei auch der Grund für den Launch im April gewesen. Beim Umsatz sei man "noch nicht dort, wo wir sein wollen". Man habe sich jetzt eine sehr ruhige Phase verordnet, in der man vorrangig neue Händler gewinnen wolle - 2000 österreichische Händler sollen es im Frühling 2018 sein. Bis dahin gebe es auch keine Werbung und auch das Weihnachtsgeschäft 2017 sei "uninteressant". Dann aber soll es einen Relaunch geben und man werde auch "auf sich aufmerksam machen", dann kämen die Besucher schon wieder, zeigte sich Pölzl optimistisch. Man habe jedenfalls finanziell einen langen Atem.
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