Frischer Wind auf der Cebit 2014
 

Frischer Wind auf der Cebit 2014

Gastbeitrag von Stefan Schwaha (Head of Innovation & New Business, ambuzzador)

Stefan Schwaha war für ambuzzador auf einer fordernden Entdeckungsreise nach tatsächlich Neuem. Während die "Old Economy" versucht, sich mit dieser Cebit lautstark und in schillernden PowerPoint Farben einmal mehr für Innovationen wachzurütteln, zeigen Start-ups wohin die Reise geht, wenn man anwendet, was die schöne, neue Medien- und Technologiewelt zu bieten hat.

Hinter Kabeln, Currywurstbuden und Serverschränken verbergen sich die Start-ups des CODE_n Wettbewerbs, der dieses Jahr unter dem Motto "Driving the data revolution" stand. Dort trifft man statt auf Vertrieb in Anzügen auf Menschen, die ihre Begeisterung für eine Idee zur Realität gemacht haben oder gerade dabei sind, andere dafür zu begeistern. Dort lässt sich heuer das Potenzial des Themas Big Data begreifen, weil es konkret umgesetzt und angewendet wird. Schließlich geht es nicht um nackte Daten, sondern darum, daraus Erkenntnisse und neue Business Modelle ableiten zu können.
Selbst die Halle (16) ist ein Erlebnis: Clemens Weisshaar und Reed Kram zeigten gigantische Visualisierungen von Datensätzen menschlicher Gehirne und den dynamischen Kräfte der Ozeane.
Noch nie war Statistik so beeindruckend schön.

Neben den internationalen CODE_n Ständen sind vor allem auch die Start-up Projekte rund um den Coworking Space Edelstall in Halle 6 eine Bereicherung.
Eines der Highlights auf meiner Entdeckungsreise war sicherlich das Start-up um Semfox. „Semantische Suche“ heißt das Zauberwort, das es ermöglicht, sehr „menschliche Suchbegriffe“ zu verstehen. Zum Beispiel kann ein Webshop dank ontologischer Verknüpfungen für „leichte Brille“ oder „schnelles Handy“ zuverlässige Such-Resultate liefern.

Es zeigte sich auch, dass es nicht mehr ausreicht die eigene Datenflut in mehr oder weniger ansprechenden Dashboards zu pressen. Die eigentliche Schönheit liegt in der Integration vieler Datenquellen. Elastic.io nutzt genau das als Geschäftsmodell und setzt die Macht der API als Waffe gegen „Nicht noch ein Tool“-Muffel ein. Es bietet die Kombination von Web-Diensten für Softwareentwickler an, um etwa dem Kunden die Möglichkeit zu geben, die Rechnungen in der eigenen Dropbox abzulegen.

Wer sich noch zu schade ist, sich selbst mit Papier-Rechnungen herumzuschlagen, findet bei Dropscan die Erlösung. Dort erhält man eine echte Postadresse, wo die eigene Post empfangen, eingescannt und elektronisch weitergeschickt wird. Noch nie war das papierlose Büro so greifbar!

Bemerkenswert war tatsächlich, dass sich viele Lösungsansätze rund um effizientere Arbeitsformen, kurz Collaboration, in Teams drehen. Spacedeck, ein junges Start-up aus Berlin, zeigte als eine neue Arbeitsform ein interaktives, browserbasiertes Whiteboard mit dem Teams Moodboards, Wireframes oder Konzepte in Echtzeit gemeinsam erstellen können. Einen noch umfassenderen Beitrag zu neuen Arbeitsformen präsentierte coyo, das Team hat auch schon vier Jahre Vorsprung und arbeitet unter anderem für Airbus. Das Enterprise Social Network bietet mit internem Newsfeed, Wiki, individuellen Teams mit ihren Tasks und einer Dokumentenverwaltung in einer Webplattform wird eine echte Alternative zu Old School E-Mails geboten. Das Ziel ist tatsächlich eine Revolution der internen Kommunikation im Unternehmen.

Strenge Datenschutzrichtlinien verbunden mit ethischen Auflagen bei der Erhebung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten sind für manche Unternehmungen ein Dorn im Auge. Andere bauen wiederum ihr Business darauf auf. Aircloak aus Kaiserslautern anonymisiert personenbezogene Daten, um sie für Unternehmen „pflegeleichter“ zu gestalten. Anonymisierte Daten können länger gespeichert werden und unterliegen geringeren Auflagen. Durch Open Source Software und einen einsehbaren Prozess wird sichergestellt, dass die Anonymisierung korrekt durchgeführt wird.

Das Naturgesetz, dass e-cars Strom brauchen, versucht ubitricity aus Berlin mit einem cleveren Ansatz zu entschärfen. Öffentliche Straßenlaternen werden zu Tankstellen umfunktioniert. Das Ladegerät mitsamt Vertragskonditionen des gewünschten Anbieters nimmt dabei der/die Fahrer/in mit. Durch die Trennung von Stromversorgung (Straßenlaterne) und Abrechnungseinheit entsteht so ein neuartiges Angebot.

Alles in allem waren also einige Highlights und neue Impulse dabei, die jedoch nicht darüber hinwegtäuschen konnten, dass auf der Cebit der Schulterschluss der traditionellen Business Modelle mit der transformierten Welt nicht gelingt.
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