Fragerunde: "Soziale Medien"
 

Fragerunde: "Soziale Medien"

Am Tag des Qualitätsjournalismus wurde der Wert sozialer Medien hinterfragt

Das zweite Panel am Tag des Qualitätsjournalismus beschäftigte sich mit dem Thema „Soziale Netzwerke“ und der Frage „Zeit-Verplemperung oder journalistische Bereicherung?“. Am Podium fanden sich Social-Media-Aficionados wie Voyeure und mancher mit eigenständig agierenden Avataren ein.

Inhalt der Diskussion waren vorwiegend Twitter - das in Österreich laut Anna Maria Wallner, Medienredakteurin "Die Presse", von 45.000 aktiven, davon ein Großteil Journalisten, genutzt wird - und Facebook, das hierzulande das deutlich verbreitetere Phänomen ist.

Armin Thurnher, "Falter"-Herausgeber und –Chefredakteur, sprach von Bereicherung, die aber auch Ich-AGs zu Erfüllungsgehilfen großer Konzerne mache. Alle waren sich einig, dass Social Media journalistische Recherche nicht ersetzen könne, aber mitunter Anstoß zu Geschichten gebe. Manfred Perterer, Chefredakteur "Salzburger Nachrichten", machte klar: „Ich bevorzuge Journalisten die Kontakte zu lebenden Menschen pflegen.“ Thematisiert wurde ebenso „vorauseilender Gehorsam“ aus Angst vor Shitstorms, die freie Meinungsäußerung mitunter behinderten.

Thurnher hinterfragte auch kritisch, ob Inhalte via Facebook „verschenkt“ werden sollten. „Ich denke, man sollte auch hier nur dosiert verschenken oder gar nicht. Der Fehler wurde schon im Internet gemacht.“ Perterer wie auch Herrmann Petz, Vorstandsvorsitzender Moser Holding, widersprachen: „Erstens werde eine junge Altersgruppe bedient und man stärkt so die Marke. Ist diese etabliert, wird sich auch ein Businessmodell finden“, so Petz. „Noch geht es auch um traffic-gesteuerte Werbeeinnahmen. 20 Prozent unserer Zugriffe auf die Homepage kommen via FB, das lässt sich nicht über Nacht wegdenken“, so Perterer. „Wenn das Publikum es gratis gewöhnt ist, wie will man das dann ändern?“, legte Thurnher nach. „Das sehen wir in fünf Jahren“, antwortete Petz.  Wallner merkte an, dass man wie die „Süddeutsche Zeitung“, gewisse Inhalte online nicht hergeben sollte.

Und Susanne Gengler, Institut für Journalismus TU Dortmund, meinte, dass außerdem die Themen Privatsphäre, Pressekodex und Verhaltenskodex für soziale Medien noch breiter diskutiert werden sollten.

Kritik kam schließlich aus dem Publikum, so merkte George Nimeh, Chief Digital Officer "Kurier", an, „immer noch hat man nichts gefunden, um die Jungen zu erreichen und zu begeistern, die sich gar nicht mehr auf Facebook und noch weniger auf Twitter bewegten“. Eine junge Studentin bestätigte, dass Facebook schon lange nicht mehr interessant für die Jungen sei. So heißt es denn weiter schnell auf journalistischer Seite zu lernen, um in Zukunft auch nah an den Trends zu sein.

Wie es beim ersten Panel zum Thema "Europa - Ein Projekt von und für Eliten?" zuging und was Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der Chefredaktion des deutschen Magazins "stern", in seiner Keynote sagte, lesen Sie hier - inklusive Bildergalerie zum Tag des Qualitätsjournalismus.
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