FMP-Talk: Social TV im Fokus
 

FMP-Talk: Social TV im Fokus

"Saturday Night Fever", "The Voice of Germany" und "Berlin - Tag & Nacht" - Erfolgsformate des Social TV

"Fernsehen ist auch nicht mehr das, was es einmal war" - mit diesem Statement, allerdings mit Fragezeichen und Rufzeichen versehen, startete das Vorstandsmitglied des Vereins Forum Media Planung und Carat-Geschäftsführer Georg Gartlgruber in den Talk-Abend.

Auf der Bühne erklärte zunächst Barbara Klinser, Geschäftsführerin Fastbridge, warum Social TV angekommen sei. "Es gibt in Europa 53 Prozent Media-Multitasker, die TV und Digital parallel nutzen, 46 Prozent sind es in Österreich", stellt sie fest.

Die Konversationen laufen über vielfältige Wege - von Apple bis Smart TV, über Second Screens und TV-Sender-eigene Apps wie ProSieben Connect, Facebook, Twitter auf Mobile, Tablet & Co. bis zu Diensten wie Miso, zeebox oder Viggle.

Die Themen, über die gesprochen würden, seien international divers - in China sind News im Fokus, in Argentinien Sport, in den USA und UK liegen Realityshows im Trend. "Eine ganze Industrie ist am Werk", resümiert Klinser, und hierbei reiche die Bandbreite von Posten über Weiterempfehlen bis zum Kaufen - das Ergebnis für die Medienwelt: Big Data. Und die Zukunft wartet nicht, denn "bereits ein Fünftel aller Europäer nutzt nicht nur zwei, sondern bereits drei Screens regelmäßig parallel".

USA in den 50ern als Vorreiter


Es folgten drei Cases aus Österreich und Deutschland mit gelungenen Beispielen von Social TV. Ina Bauer, Head of Diversification bei ATV, präsentierte das Erfolgsformat "Saturday Night Fever", startete allerdings mit einer entzückenden Idee aus dem Amerika der 50er-Jahre - "Winky Dink and You", eine Comicsendung, die für Bauer erstmals die Interaktion von Zuseher und Sender suchte: An Kinder wurden reale magische Zeichenbildschirme verteilt, die am Fernsehgerät angebracht und bemalt werden konnten - so halfen die Kids Dink seine Abenteuer zu überstehen, indem sie Brücken oder Ähnliches skizzierten.

Doch zu "Saturday Night Fever", der Sendung, die Jugendliche seit sieben Staffeln bei ihren nächtlichen Eskapaden begleitet und bereits nach Polen und in die Schweiz verkauft wurde: "Wir haben 1,9 Millionen Video Views und 240.000 Fans über alle dazugehörigen Facebook-Profile gerechnet. Unser Vorteil ist, dass wir die kommunikationsinteressierte Zielgruppe der Zwölf- bis 29-Jährigen ansprechen." Als Erfolgsfaktoren erwähnt Bauer, dass "Social TV in der Redaktion entstehen und engagieren muss", was über Identifikation und die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, passiere. "Die Protagonisten müssen als echte Menschen präsent sein. Aber Social TV ist Trial and Error", schließt Bauer.

Vertraglich zum Posten verpflichtet


Christina Patzl, Strategy Officer Pro7 bei ProSiebenSat.1 Deutschland und lange auch hierzulande tätig, bestätigt die Notwendigkeit, sich an das geänderte Nutzungsverhalten anzupassen und das "Lean-back-Medium TV und das Lean-forward-Medium Online gemeinsam zu denken".

Für das Format "The Voice of Germany" wurde eine eigene Online-Redaktion zur Backstage-Berichterstattung beauftragt, ein Social Media Corner in den Live-Shows installiert und mit Vorabvideos, der Suche nach dem Superfan und redaktionsgesteuterten Inhalten 730.000 Facebook-Fans nur für dieses Format generiert. Auch Twitter wird von der ProSieben-Gruppe genutzt, wenn es auch mit 78.000 Followern, ähnlich wie in Österreich, noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Darüber hinaus wurden die Kandidaten vertraglich verpflichtet, sozial aktiv zu sein, und ab und zu profitierte man von einem Posting von Jurymitglied ­Xavier Naidoo, der selbst 900.000 Facebook-Fans hat. Um hier Vorreiter zu bleiben, betreibt die Gruppe weltweites Trend­scouting, startet mit "Etage 7", die die Prime Time online nach vorne verlegt, und zeigte auch schon Serien wie "Spartacus" vorab im Internet. "Nein, es gibt keine Kannibalisierung durch das Web", ist Patzl überzeugt.

Mittendrin im Leben

Schließlich war das RTL-II-Erfolgsformat "Berlin - Tag & Nacht" ein Beispiel, wie Facebook fixer Bestandteil einer Geschichte wird, "das Gegenteil einer Verlängerung ins Netz", wie Markus Pietsch, Leiter Online, findet. 2,6 Millionen Facebook-Fans, die inzwischen auch als Fotomosaik des Brandenburger Tors in der Berliner WG hängen und für die Bewohner Pizza ­bestellen, zeigen eine echte Verschmelzung von TV und Online. Fernsehen ist mitten im Leben des Zusehers angekommen.
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