Flimmit führt Gespräche mit Netflix
 

Flimmit führt Gespräche mit Netflix

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Der Wiener Video-Streaming-Dienst könnte seinen österreichischen Content schon bald an große Video-on-Demand-Portale wie Netflix, Maxdome oder Snap by Sky lizensieren - außerdem laufen Verhandlungen mit A1, UPC und anderen Internet-Providern - auch Switch von Einzelzahlungen zu Abo-Modell in Planung

Über den Österreich-Start des US-Streaming-Portals Netflix spekuliert die TV-Branche schon seit längerem. Bezahlsender Sky, die ProSiebenSat.1-Gruppe und selbst der ORF wollen mit eigenen Video-on-Demand-Diensten gegen den US-Konkurrenten halten, und nicht wenige Konsumenten freuen sich aufs „Binge Watching“ von US-Serien auf Smartphone, Tablet oder Smart-TV gegen eine Monatsgebühr von etwa acht Euro. Dass Netflix Bewegung in den Markt bringt, merkt man auch beim Wiener Videostreaming-Dienst Flimmit.

Online-Filme für große Player

 
„Wir sind ein Misch-Modell: Aggregation von Inhalten für große Player, unser eigener Video-on-Demand-Vertrieb und über kurz oder lang die Partnerschaft mit anderen Plattformen, mit denen man Content-Sharing betreibt“,  sagt Flimmit-Chef Ulrich Müller–Uri über. Gestartet 2009, bietet Flimmit seinen etwa 13.000 Nutzern via Webseite und Smart-TV-Apps heute etwa 2000 Filme, Dokus und Serien mit Fokus auf nationalem Content an. Werbung gibt es keine, stattdessen zahlen die Nutzer für geborgte bzw. gekaufte Filme (meist vier bzw. elf Euro). Kooperationen mit dem ORF, dem Filmvertrieb Hoanzl sowie europäischen Partnern bringen zusätzlichen Content auf das Portal. Förderungen aus Österreich (departure, aws, FFG, BMVIT) und der EU (Media) ermöglichen neben den eigenen Einnahmen den Betrieb.

Partnerschaften und Abo-Modell in Planung

2014 nun dürfte ein wichtiges Jahr für Flimmit werden. Denn zum einen wird Flimmit sein eigenes Content-Angebot in den nächsten Wochen um neue europäische Filme ausbauen, zum anderen laufen derzeit wichtige Verhandlungen, wie Müller–Uri HORIZONT bestätigte. Die Gespräche betreffen die Provider wie A1, UPC, SalzburgAG, KabelPlus und LiWest. Denn diese bieten ihren Kunden zusätzlich zu TV und Internet eigene On-Demand-Videotheken, die künftig um die Flimmit-Bibliothek erweitert werden könnten und für die kleine Wiener Firma Zugang zu Millionen neuen Kunden bedeuten würden.

Außerdem überlegt man bei Flimmit, ob man neben der Einzelbezahlung (so genanntes TVOD, Transaction Video On Demand, Anm.) auch ein Abonnement anbieten wird. „Subscription macht nur Sinn, wenn man genug User hat und in Folge genug an die Rechteinhaber ausschütten kann“, sagt Flimmit-CEO Müller–Uri. Außerdem sei es eine Herausforderung, den Abokunden immer neue Inhalte zu liefern, damit der Dienst attraktiv bleibt.


ORF-Portal als weitere Chance
 
Zusätzliche Reichweite versprechen Apps auf Smart-TVs wie jenen von Samsung, wo Flimmit sein Angebot ebenfalls vertreiben kann, sich aber die Einnahmen mit den TV-Herstellern teilen muss. „Die große Hürde ist immer noch, dass der Konsument den Fernseher ans Internet hängt“, sagt Flimmit-CTO Walter Huber. Neben dem B2C-Geschäft tun sich für Flimmit mit dem Netflix-Start aber auch Chancen in Sachen B2B auf. Apples iTunes und Google Play beliefert man bereits mit den eigenen aggregierten Videoinhalten. „Alle diese großen Player setzen sich mit Bewegtbild auseinander“, sagt Müller-Uri. „Wir können unseren bereits aufbereiteten Content in diversen Netzwerken platzieren, da gibt es Gespräche sowohl mit Sky, Maxdome und auch mit Netflix.“

Wenn die großen Player dem österreichischen Publikum neben US-Inhalten auch lokalen Content (z.B. die österreichische TV-Serie „Braunschlag“) zeigen wollen, können sie diesen gebündelt bei Flimmit erwerben. Somit sieht die kleine Wiener Firma den anstehenden Netflix-Start in Österreich eher als Chance denn als Bedrohung. Auch die Bestrebungen des ORF, ein eigenes Kauf-Portal für Video-Streams, das sich vor allem aus dem eigenen Archiv nährt, ist für Flimmit eine spannende Sache - weil ein „ORFflix“ ebenfalls die Chance böte, den eigenen Content zu platzieren und einem größeren Publikum zugänglich zu machen.

"Fernsehen geht nicht verloren"

 
Dass sich der boomende Streaming-Markt negativ auf herkömmliche TV-Sender auswirkt, glaubt Flimmit-Chef Müller-Uri nicht. „Es kann natürlich sein, dass sich Video-On-Demand-Dienste einmal Richtung Pay-TV-Sender wandeln. Im deutschsprachigen Raum ist man allerdings mit einem sehr guten Free-TV-Programm versorgt“, sagt er. Live-TV hätte außerdem immer noch Kompetenzen bei Live-Übertragungen etwa im Sport oder Informationssendungen. Der Trend in den USA, dass Konsumenten vermehrt auf ihren Kabelanschluss zugunsten von Netflix verzichten, würde sich vor allem in Mitteleuropa eher nicht fortsetzen.

Müller-Uri: „Ich glaube nicht, dass uns das Fernsehen verloren geht. Da stehen immer noch die großen Medienkonzerne dahinter, die uns mit Unterhaltung und Information bestrahlen werden.“ Ein Trend würde aber definitiv nach Europa schwappen: das stundenlange „Binge Wachting“ von Serien.
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