Finanz-App Number26 tritt Flucht nach vorne a...
 

Finanz-App Number26 tritt Flucht nach vorne an

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Nicht mehr unlimitiert Geld-Abheben: Das Bank-start-up Number26 verändert sich.
Nicht mehr unlimitiert Geld-Abheben: Das Bank-start-up Number26 verändert sich.

Das gefeierte Startup ändert die Marschrichtung und führt Gebühren ein. Wird das smarte Projekt nun zur ganz normalen Bank – mit eigener Lizenz?

Sie sind angetreten, um die Finanzbranche aufzumischen. Mit einem Gratis-Girokonto am Smartphone und Extradiensten in einer App. Nun scheint es, als würde die junge Finanztech-Firma Number26, die zwei Österreicher in Berlin gegründet haben, von der Realität eingeholt. Nach der Kündigung von rund 500 Kunden, die zu oft Geld an Bankomaten abgehoben hatten, werden in Deutschland Gebühren dafür eingeführt. Und seit geraumer Zeit wird auch die Bonität von Neukunden geprüft. Ist das eine Abkehr vom Geschäftsmodell, für das Investoren zuletzt 40 Millionen Dollar locker gemacht haben?

Neue Kosten und Bonitätskontrolle

Number26 hat mehr als 160.000 Kunden, den Großteil davon in Deutschland. Wer dort Number26 als Hauptkonto nutzt, kann nur noch fünf Mal kostenlos Geld am Bankomaten abheben. Danach kostet es jedes Mal zwei Euro – da die Firma selbst mindestens 1,50 Euro dafür zahlen muss. Das decke das durchschnittliche Verhalten der Kunden aber voll und ganz ab, sagt einer der zwei Gründer, Valentin Stalf. Außerdem könnten die Nutzer weiterhin kostenlos und unbegrenzt Bargeld bei mehr als 6000 Einzelhändlern wie Rewe, Penny und Real abheben. Und für Österreich oder die restlichen Kunden in Irland, Italien, Spanien, Frankreich, Schweden und Griechenland, ändere sich nichts.

Für Neukunden ändert sich jedoch viel. Seit ein paar Monaten überprüft Number26 deren Kreditwürdigkeit anhand von acht bis 10 Faktoren, wie dem Alter oder einer extern eingeholten Bonitätsauskunft. „Die anderen Faktoren für das Kredit-Scoring können wir nicht offenlegen“, sagt Stalf. Wer bei der Prüfung durchfällt, kann ein FlexKonto abschließen. Das kostet stolze sechs Euro pro Monat und jede Bargeldabhebung zwei Euro. Number26 will das als Zusatzservice verstanden wissen. Man könnte es auch so interpretieren, dass weniger kaufkräftige Personen nicht mehr erwünscht sind.

Geschäft soll nachhaltiger werden

Natürlich spielen bei den Änderungen Kosten eine Rolle. Es gehe darum das Geschäft nachhaltiger zu machen, sagt Stalf. Abkehr vom Geschäftsmodell sei der „Shift“ aber nicht. Die einfache Bedienbarkeit, zahlreiche Services auf Knopfdruck, an denen man mitverdient, die Kundenbeziehung in den Vordergrund zu stellen und nicht wie herkömmliche Banken riskante Kreditgeschäfte mit viel Eigenkapital absichern zu müssen – darum gehe es. „Kunden sind frustriert mit dem ganzen Bankenerlebnis, dabei geht es nicht um die Kosten. Wir bieten eine ganz neue Banking Experience und das ist entscheidend.“

Die Veränderungen passieren in einem Moment, der zeigt, auf welch schwierigem Terrain sich Fintechs bewegen. Bei den Konten, die ohne Vorwarnung gekündigt worden waren, hatte es sich um User gehandelt, die alle zwei Tage und öfter Geld abgehoben hatten, ohne die anderen Services zu nutzen. Einige wenige Fälle von Verdacht auf Geldwäsche waren auch dabei, bestätigt Stalf. Und weil die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin seit kurzem strengere Regeln für Anmeldeverfahren per Video aufgestellt hat – mit deren Hilfe Number26 bis jetzt alle seine User registriert hat – wird alles komplizierter. Der Markt ist stark reguliert.

Angebote wie traditionelle Bank

Number26 ist selbst keine Bank, die Produkte anbietet, sondern vertreibt diese nur und schneidet daran mit. Das Startup ist der Makler, eine Banklizenz hat nur der Partner Wirecard. Hinter den Kulissen – offiziell gibt es dazu keine Auskunft – soll sich Number26 angeblich um eine eigene Banklizenz bemühen. Das könnte verschiedene Gründe haben. Entweder die deutsche Aufsichtsbehörde bafin findet, dass diese für die Tätigkeiten des Startups nötig ist. Oder die großen Kapitalgeber wollen mehr Sicherheit – beziehungsweise die Möglichkeit, gewisse Dinge selbst zu machen.

In jedem Fall soll das Angebot erweitert werden, wofür Bewilligungen nötig sind, die durch die Banklizenz von Wirecard nicht abgedeckt sind. Versicherungen sind darin zum Beispiel nicht vorgesehen. Genau solche will Number26 in Zukunft aber anbieten – obwohl es dafür auch reichen würde, einen geeigneten Partner an Bord zu holen.

Man werde künftig alle Bereiche einer traditionellen Bank wie Finanzierung, Sparen, Investieren und Versicherungen anbieten, sagt Stalf. „Ob wir auf dem Weg zu einer normalen Bank sind, soll jeder selbst beurteilen. Unser Produkt hebt sich auf jeden Fall stark vom Wettbewerb ab.“ Noch schreibt das Start-up Verluste, aber das soll sich bald ändern. Mit einem Geschäftsmodell, das Finanz-Services zwar neu inszeniert, aber in der Sache Anleihen bei etablierten Banken nimmt. So gesehen will der smarte Neuling die alten Dinosaurier mit ihren eigenen Waffen schlagen. Der Plan klang schon einmal anders.

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