Fast eine Million Euro für Whatchado
 

Fast eine Million Euro für Whatchado

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Das Wiener Start-up, das Lebensläufe von Menschen in Videoform sammelt, bekommt mit Brigitte Ederer (Ex-Siemens), Peter Püspök (OikoCredit) und Claus Raidl (ÖNB) prominente Investoren - Expansion nach Deutschland steht an

Nach Start-ups wie Runtastic oder Shpock ist die Video-Plattform Whatchado die nächste österreichische Jungfirma, die sich eine beträchtliche Summe Kapital für die weitere Expansion ihres Geschäfts sichern konnte. Am Donnerstagabend gaben die Gründer Ali Mahlodji (32) und Jubin Honarfar (31) im neuen Whatchado-Büro im 4. Wiener Bezirk bekannt, folgende Investoren an Bord geholt zu haben: Brigitte Ederer (ehemals Mitglied des Vorstands der Siemens AG), Peter Püspök (Vorsitzender der OikoCredit) und Claus Raidl (Präsident der Österreichischen Nationalbank). Die Webseite des Start-ups, die demnächst neu unter der Adresse Whatchado.com gelauncht wird, verzeichnet derzeit etwa 100.000 Besucher pro Monat.

Expansion nach Deutschland im Fokus


Zusammen haben die neuen Investoren knapp eine Million Euro - "ein hoher sechsstelliger Betrag" - in Whatchado gesteckt. Sie erhielten dafür jeweils Beteiligungen im kleineren einstelligen Bereich und werden nicht nur mit Geld, sondern auch mit ihren Netzwerken und Know-how unterstützen. Das kann die Firma, die 2012 gegründet wurde und heute auf 30 Mitarbeiter angewachsen ist, auch gut brauchen. Denn 2014 will man vor allem nach Deutschland expandieren. Ab 2015 sollen im 6-Monats-Rhythmus, so der ebenfalls in Whatchado investierte Business Angel Johann Hansmann, weitere neue Märkte erschlossen werden - etwa Großbritannien und Spanien. 2013 verbuchte die Firma ein Auftragsvolumen von etwa einer Million Euro, 2014 will man das verdoppeln.

Trend "Employer Branding"


„Durch neue Medien hat sich das Rekrutieren von Talenten komplett verändert“, sagt Ederer über die Video-Plattform, die aktuell etwa 2000 Clips bietet. In diesen schildern vom Busfahrer bis zum Bundespräsidenten Heinz Fischer verschiedenste Menschen ihre Berufe und Werdegänge. Whatchado hilft seinen Nutzern dann dabei, über ein Interessens-Matching die richtigen Videos zu finden und versucht, dann Jobsuchende mit Unternehmen zu vernetzen. „Die Jüngeren wollen sich mit Werten und Emotionen im Job wiederfinden. Die traditionelle Stellenausschreibung wird es in fünf Jahren nicht mehr geben", so Ederer, und Whatchado biete Firmen eine neue Form des Recruitings. Das große Trendwort heißt in dem Zusammenhang "Employer Branding".

Unterstützung für Internet-Branche


ÖNB-Präsident Raidl sagte über sein Whatchado-Investment: „Die Internet-Branche ist in Österreich schwach besetzt, und deshalb muss man sie unterstützen. Ein Start-up braucht keinen Kredit, wo die Zinsuhr tickt.“ Sein Co-Investor Püspök fügte über den Wert, den das Wiener Start-up biete, an: „Die falschen Leute im Betrieb zu haben, kostet viel Geld und Emotionen. Die richtigen Leute auszusuchen, ist ein ganz wichtiges Thema.“ Und: „Wir müssen von einem Österreich der Angestellten zu einem Österreich der Unternehmer werden.“ Als große Herausforderung sieht Ederer schließlich, dass Whatchado schnell kopiert werden könnte. „Die Gefahr besteht, das die Idee abgekupfert wird.“ Deswegen müsse man die Plattform jetzt schnell vorantreiben.
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