Fake News: Mit journalistischer Sorgfalt zur ...
 

Fake News: Mit journalistischer Sorgfalt zur Wahrheit

lev dolgachov
business, people, stress and technology concept - close up of businessman with smartphone
business, people, stress and technology concept - close up of businessman with smartphone

Falschnachrichten sind präsenter denn je – und auch Thema am Werbeplanung.at-Summit am 5. Juli. Welche Lösungen es gibt und wo man ansetzen muss.

Der Begriff "Fake News" ist aktuell allgegenwärtig und ebenso breit wie heftig diskutiert - zumeist im politischen und medialen Kontext. Doch skandalisierende, real klingende Geschichten, die aber frei erfunden sind, gibt es nicht erst seit Donald Trumps US-Präsidentschaft. "Sogenannte Falschmeldungen gab es schon immer, nur noch nie wurden sie so rasant verbreitet wie jetzt. Soziale Netzwerke machen es möglich. Gefakte Profile, gekaufte Follower - je mehr Klicks umso profitabler", erklärt etwa Lisa Trompisch, Ressortleitung Society beim Kurier. Doch solange der Konsument die Informationen unreflektiert übernimmt, liked oder teilt, wird das nur schwer zu unterbinden sein. Eine detailliertere und weitreichendere Medienkompetenz sei notwendig, um "das Übel an der Wurzel zu packen". Eine Problematik reiht sich aber davor: die Definition.

Für Niko Alm sollte die erste Übung sein, den Sammelbegriff zu definieren sowie einzugrenzen. Es gebe aktuell zu viele unscharfe Verwendungen, "die die beiden möglichen Herangehensweisen dem entgegenzutreten, nämlich juristisch und aufklärend, verwischen". Eine Lösung des Grundproblems kann jedoch durch eine gesteigerte Fertigkeit im Umgang mit Medieninhalten und durch journalistische Sorgfalt geschaffen werden. Es braucht aber auch mehr als reine Medienkompetenz und deren Bildung seitens der Rezipienten. Die Zunahme der Geschwindigkeit in der Verbreitung von sogenannten Fake News spielt ebenso eine entscheidende Rolle.

Das Publikum erreichen

Für Katharina Schell, Mitglied der Chefredaktion der APA, ist insbesondere das Erreichen des Publikum essenziell. "Eine große Herausforderung ist sicher, das Publikum mit dem selben Impact zu erreichen wie es die Verbreiter von Desinformation tun. Das heißt: Fake News, Halbwahrheiten oder Ähnliches verbreiten sich in den entsprechenden Netzwerken oft viral", so Schell und verweist darauf, dass auch wenn ein Medium Nachrichtenfälschungen aufdeckt, es oftmals nichts nützt, wenn die Richtigstellung nicht ebenfalls viral geht. Für Schell funktioniere das Rückspielen richtiggestellter Nachrichten in die Verbreitungskanäle noch nicht gut genug. Um dieser Problematik Folge zu Leisten, kamen in der Vergangenheit aber auch immer mehr Portale und Onlinemedien, wie beispielsweise Mimikama oder Kobuk, auf, die sich dem Thema annehmen und versuchen, Falschmeldungen gezielt aufzudecken sowie zu entkräften - und die Menschen auch darüber informieren. Trompisch glaubt, dass ein Trend besteht, mit Meldungen sensibler und bewusster umzugehen. Dies ist sicherlich auch durch die medialen Präsenz des Themas bedingt.

Für Niko Alm ist ein Lösungsansatz der Problematik nicht ganz so leicht zu erkennen. "Die Verschiedenheit der Motivation - von beispielsweise Unterstellung, Verschwörungstheorie oder Satire - macht es aber unmöglich dem Phänomen mit einem Lösungsansatz zu begegnen. Genau das wird aber versucht und wird scheitern", so Alm. Als eines der größten Problemfelder wird von Schell die mediendemokratische Entwicklung genannt. Denn: Was heißt es für eine Demokratie, wenn die Bevölkerung nicht weiß, wo sie sich informieren kann? "Hier müssen die Medien ein glaubwürdiges Angebot machen", so Schell.

Und dies heißt journalistische Rechercheprozesse transparent zu machen und begründbare Entscheidungen zu treffen. Andernfalls können, wie es Lisa Trompisch gegenüber HORIZONT erwähnt, Wahlen manipuliert, Aktienkurse beeinflusst oder Hass beziehungsweise Gewalt geschürt werden. Journalistische Sorgfalt kann am Weg zur Wahrheit auf jeden Fall behilflich sein.

Noch kein Ticket? Mehr Informationen hier.
stats