Facebook Home mit Werbung an Bord
 

Facebook Home mit Werbung an Bord

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Mit einem so genannten "Launcher" will Mark Zuckerberg Googles Smartphones erobern und Werbung auf den Startscreen bringen

Kein eigenes Handy und auch kein mobiles Betriebssystem - trotzdem will sich Facebook am Smartphone in den Vordergrund drängen. Mit Facebook Home hat Gründer Mark Zuckerberg einen so genannten "Launcher" vorgestellt, den sich Nutzer kostenlos laden und auf Android-Smartphones installieren können. Damit legt sich eine Art Facebook-Oberfläche über das Interface und rückt Facebook-Funktionen zur mobilen Kommunikation nach vorne.

Die Software ist in Googles Play Store ab 12. April verfügbar - allerdings vorerst nur für US-Nutzer, die die Geräte HTC One X(+), Samsung Galaxy SIII oder Samsung Galaxy Note II haben beziehungsweise sich beim US-Mobilfunker das neue HTC First kaufen. Einen Starttermin für Österreich gibt es noch nicht, unwahrscheinlich ist auch, dass es "Home" jemals auf die sehr kontrollierten iPhones von Apple schafft.

"Cover Feed" als Startseite

Zentral bei Facebook Home ist "Cover Feed". Dreht man das Handy auf, werden Bilder, Statusmeldungen, Check-ins etc. der Freunde angezeigt. Interaktion mit diesen ist einfach: Kommentare und Likes lassen sich mit wenigen Berührungen des Touchscreens erledigen. Mit "Chat Heads" haben außerdem Facebook-Freunde einen Fixplatz auf dem Homescreen des Smartphones: Kontakte, mit denen man gerade SMS beziehungsweise Facebook Messages schreibt, werden als kleines rundes Symbol dargestellt, das auch eingeblendet wird, wenn man etwa im mobilen Web surft oder eine andere App öffnet.

Für Facebook soll sich der Cover Feed auch wirtschaftlich rechnen. Denn wie Facebook-Produktmanager Adam Mosseri im Rahmen der Präsentation in Kalifornien sagte, soll sich künftig auch Werbung unter den angezeigten Content mischen - ab wann genau, ist offen. Sollte Facebook Home von den rund 680 Millionen mobilen Usern angenommen werden, würde das einen schlauen Weg darstellen, mobile Ads an vorderster Stelle auf die Displays der Nutzer zu bringen.

Daten-Sauger

Damit ist auch klar, warum Facebook in der jüngeren Vergangenheit seinen News Feed, aus dem sich Cover Feed künftig nährt, umgebaut hat. Bilder haben dort Vorrang, und Marken müssen stärker visuell kommunizieren, um nicht in der Meldungsflut unterzugehen. Auf mobilen Geräten gibt es keine rechte Spalte für Anzeigen, weswegen Facebook seine Nutzer daran gewöhnen muss, werbliche Inhalte im zentralen Nachrichtenstrom zu akzeptieren. Ob die Mitglieder Werbung, die am Startscreen auf ihren persönlichen Smartphones angezeigt wird, akzeptieren werden, ist fraglich.

Facebook Home kann dem Online-Netzwerk zudem interessante Nutzerdaten liefern - etwa zum Aufenthaltsort des Nutzers oder der Nutzung von anderen Apps. Die Software läuft auch bei abgedrehten Display ständig im Hintergrund, welche Daten dabei genau an die Facebook-Server geschickt und welche geladen werden, ist derzeit noch unklar. Facebook-CEO Mark Zuckerberg sagte vage, dass Nutzungsstatistiken gesammelt und nach einiger Zeit anonymisiert werden würden. Buttons zum Veröffentlichen von Statusmeldungen, Fotos und Positionsdaten sind bei "Home" jedenfalls sehr präsent, was Nutzer dazu animieren könnte, unterwegs viel zu sharen.

Aktienkurs steigt

Andere Funktionen des Android-Smartphones drängt "Facebook Home" in den Hintergrund. Um zu anderen Apps zu gelangen, E-Mails aufzurufen oder einen Anruf zu tätigen, muss man in den App Launcher navigieren, die bei Android-Handys zentrale Suchfunktion verschwindet ebenfalls nach hinten. Den Börsianern jedenfalls gefällt Facebook Home: Der Kurs der Aktie ist Donnerstag Nacht um drei Prozent gestiegen.
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