Facebook arbeitet an Tablet-Zeitung
 

Facebook arbeitet an Tablet-Zeitung

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Wie das "Wall Street Journal" erfahren haben will, baut das Online-Netzwerk an einem digitalen, personalisierten Magazin

Einem Bericht des stets gut informierten Wall Street Journal zufolge soll Facebook an einem Reader für mobile Endgeräte arbeiten. Das bestätigt Berichte anderer US-Medien, denen zufolge Facebook schon seit mehr als einem Jahr an dem Projekt arbeite und einige statt der Präsentation der Instagram-Videos (HORIZONT berichtete) vergangene Woche die Vorstellung des Facebook-Readers erwarteten.

Wie oftmals spekuliert dürfte der Facebook-Reader aber nicht mit als Ersatz für den RSS-Dienst Google Reader, der Ende Juni abgedreht wird, konzipiert sein, sondern eher als Klon der immer populäreren Flipboard-App gedacht sein. Das macht durchaus Sinn: Bei Flipboard kann man sich per Facebook-Login anmelden und dann die Updates seines eigenen News Feeds automatisch zu einem digitalen Magazin umrechnen lassen. Bilder, Videos und Texte werden dabei so angeordnet, dass der Eindruck einer blätterbaren Zeitschrift entsteht.

Konkurrenz schläft nicht

Dass Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in den News-Bereich vordringen will, ist kein Geheimnis. Bei der Präsentation des neuen News Feeds im März sagte er, dass er Facebook zu einer personalisierten Zeitung machen wolle. Das würde seiner Firma natürlich auch die Möglichkeit geben, großflächige Werbe-Sujets unter die maßgeschneiderten Nachrichten zu mischen und so eine neue Einnahmequelle aufmachen.

Ob der Markt ein solches Produkt annimmt und sich entsprechend monetarisieren lässt, ist kaum abzusehen. Zum einen hat die News Corporation ihre iPad-Zeitung The Daily wieder eingestellt, zum anderen gibt es mit The Magazine eine iPad-App, die sich bereits trägt.

Leicht ist der Markt aber nicht. Neben Flipboard mit etwa 50 Millionen Nutzern hat auch das Business-Netzwerk LinkedIn mit dem Kauf von Pulse Reader um 90 Millionen Dollar Ambitionen in dem Bereich hübsch aufbereiteter, mobiler und personalisierte Nachrichten. Auch CNN hat mit der Übernahme des digitalen Magazins Zite entsprechende Pläne, in das Geschäftsfeld vorzustoßen.

Leistungsschutzrecht als Hürde

Wann und wie genau der Facebook Reader starten wird, bleibt abzuwarten, fix ist jedenfalls eines: In Deutschland wird ein solches Produkt auf erhebliche Probleme stoßen. Ab dem ersten August tritt dort das Leistungsschutzrecht in Kraft, das vorsieht, dass Internet-Firmen, die Inhalte von Verlagen digital verarbeiten, diese dafür entlohnen müssen. Da bei einer Facebook-Tablet-Zeitung auch Snippets von Verlags-Webseiten vorkommen könnten (Facebook-Nutzer posten Millionen davon), könnte das für Probleme sorgen.

Auch in Österreich drängt der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) auf ein Leistungsschutzrecht, das Facebooks Plänen und vielen anderen Anbietern solcher Apps in die Quere kommen könnte.


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