Experten-Tipps für gutes Ranking von mehrspra...
 

Experten-Tipps für gutes Ranking von mehrsprachigen und internationalen Websites

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„Third Man“ Thomas Kloos im Interview

Viele Unternehmen bieten ihre Inhalte im Web in verschiedenen Sprachen, sowie für verschiedene Länder und Regionen an. Egal, ob es sich dabei um Webshops, Corporate Sites oder Produktseiten handelt, das Ranking in den Suchmaschinen ist immer zentrales Thema. Um die Voraussetzungen für ein entsprechend gutes Ranking zu schaffen, gibt es einiges zu beachten. Ich habe für euch mit Thomas Kloos, SEO-Experte der Wiener Onlineagentur THIRD MAN genau darüber gesprochen, und wertvolle Tipps erhalten:

 

Michael Weberberger: Thomas, lass uns mal an der Basis beginnen. Worauf kommt es an, wenn mehrsprachige, internationale Seiten gut ranken sollen?

Thomas Kloos: Das hängt von vielen Aspekten ab. Der wichtigste ist, dass Google auf alle Inhalte frei zugreifen und die Inhalte den Regionen und Sprachen richtig zuordnen kann. Diese Arbeit sollte man Google so einfach wie möglich machen, indem man die verschiedenen Sprach- und Länderversionen gut strukturiert und klar trennt.

Zusätzlich gibt es weitere Mittel, die Google bei der Zuordnung helfen, wie zum Beispiel das „hreflang“-Attribut, durch das im HTML-Head auf andere Sprachversionen verwiesen wird, oder eine XML-Sitemap, die jeweils alle Versionen einer Seite auflistet und deren Sprache und Region definiert.

M.W.: Wo fange ich am besten an, wenn ich meine Seite optimieren möchte? Welche strategischen Fragen sind zu klären?

T.K.: Die erste wichtige Frage ist, ob man die Website auf Sprachen, oder auf Länder und Regionen ausrichtet. Von dieser Entscheidung hängt es ab, welche Struktur die Website bekommt und wie die weitere SEO-Strategie aussieht. Bei Online-Shops ist es beispielsweise oft sinnvoll, sie auf Länder auszurichten, da Preise, Steuern, Versand und Währung von Land zu Land unterschiedlich sind, auch wenn es sich um denselben Sprachkreis handelt. In anderen Fällen, wie bei vielen Organisationen, internationalen Firmen oder Info-Sites, haben Ländergrenzen keine große Relevanz und es geht darum, grenzunabhängige Sprachgruppen anzusprechen.

Eine weitere grundsätzliche Frage ist: wie organisiere ich den Einstieg? Welche Sprache stelle ich zuerst dar? Auch hier gibt es mehrere Möglichkeiten, von einer Auswahlseite – wie man sie beispielsweise von Fluglinien kennt – bis zur serverseitigen Spracherkennung und automatischen Weiterleitung. Jedenfalls sollten alle Versionen untereinander gut verlinkt sein, damit der User immer die Kontrolle hat und leicht wechseln kann, sollte er auf einer falschen Version gelandet sein.

Diese beiden Punkte haben für SEO große Implikationen und man sollte auf jeden Fall einen Experten zu Rate ziehen, um das richtige Setup zu wählen und die technische Umsetzung zu kontrollieren.

Bei unseren Projekten berücksichtigen wir SEO immer bereits in der Konzeptionsphase, da hier weitreichende Entscheidungen getroffen werden, die im Nachhinein nur schwer und mit großem finanziellen Aufwand wieder geändert werden können.

M.W.: Welche Möglichkeiten gibt es, die Sprach- bzw. Länderversionen zu organisieren?

T.K.: Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten – eine eigene Domain je Land, Subdomains oder eine Verzeichnisstruktur. Jede dieser Strukturvarianten hat ihre Stärken, jede ihre Herausforderungen.

Die klarste Trennung erreicht man durch eine eigene länderspezifische Domain für jedes Land, also domain.at für Österreich, domain.de für Deutschland etc. Diese ccTLDs werden von Google in der Regel den jeweiligen Ländern zugeteilt und es gibt kaum Raum für Verwirrung. Eine Herausforderung ist hier das Problem des „duplicate content“, da sich die Versionen für Österreich und Deutschland oft nur minimal voneinander unterscheiden. Daher lohnt es sich, eine lokale Adresse anzuführen und die Inhalte so gut wie möglich auf das jeweilige Land abzustimmen.

Ein Vor- und gleichzeitig auch Nachteil dieses Setups ist die Tatsache, dass man mit einer eigenen Domain im jeweiligen Land besseres Marketing betreiben kann und der Linkaufbau leichter fällt. Der Nachteil liegt im Aufwand. Denn ich muss nicht nur eine Domain stärken, sondern viele. Ein guter Link zu meiner .at-Domain kommt nicht direkt auch der spanischen Website zugute.

Wenn man mit einer überregionalen Domain arbeiten möchte – also mit .com, .org oder ähnlichem – hat man die Wahl zwischen Subdomains (at.domain.com, de.domain.com etc.) oder einer Verzeichnisstruktur (domain.com/de, domain.com/en etc.). Subdomains werden ähnlich behandelt wie eigenständige Domains und bringen auch ähnliche Vor- und Nachteile. Die Lösung über eine Verzeichnisstruktur ist vom Aufwand her oft die einfachste. Man hat den Vorteil, dass alle Versionen direkt vom Backlink-Profil und der Autorität der Hauptdomain profitieren, muss aber Abschläge bei den PR-Möglichkeiten in den einzelnen Ländern in Kauf nehmen.

Absolut zu vermeiden ist eine unsaubere Trennung der Versionen durch Darstellung verschiedener Sprachversionen auf ein und derselben URL. Nicht empfohlen ist auch die Verwendung von Sprachparametern am Ende der URL.

M.W.: Klingt, als gäbe es eine Menge Entscheidungen zu fällen. Kann man eine Aussage treffen, mit welchem Aufwand insgesamt zu rechnen ist?

T.K.: Der Aufwand hängt natürlich immer vom jeweiligen Projekt ab. Eine etablierte Website mit starkem Backlink-Profil, die um mehrere Sprachversionen in einer Verzeichnisstruktur erweitert werden soll, bedarf eines wesentlich geringeren Aufwands, als die Optimierung eines neuen Webshops auf vielen ccTLDs, dessen Reputation in jedem einzelnen Land erst aufgebaut werden muss.

Grundsätzlich ist der Aufwand für SEO immer geringer, wenn man die wichtigsten Punkte schon früh in der Konzeptionsphase berücksichtigt. Hier können mit minimalem Aufwand bereits die Voraussetzungen für gute Rankings geschaffen werden.

M.W.: Auch in SEO kommt immer mehr Fokus auf das Thema Content. Welche Rolle spielen die Inhalte? Welche die Technik?

T.K.: Man sagt: „content is king“. Aber gerade bei internationalen Websites bringt mir der beste Content nichts, wenn die Technik bzw. die Struktur nicht passt. Technische Probleme können dazu führen, dass der Content entweder überhaupt nicht rankt, oder die falsche Version im falschen Land gefunden wird. Das ist vor allem für Shops katastrophal, wenn der User falsche Preise, Währungen und Rücksendeadressen sieht.

Aber natürlich ist der Content enorm wichtig und längerfristig sicher einer der Faktoren, durch die man sich am stärksten von der Konkurrenz abheben kann. Die Inhalte sollen jedenfalls regionalen Bezug haben und die lokalen User ansprechen.

Wichtig sind auch gute Übersetzungen. KFCs „Finger-lickin’ good“, das im chinesischen Markt zu einem „You’ll eat your fingers off“ wurde, ist nicht der einzige peinliche Übersetzungsfehler in der Geschichte. Die Häme darüber kann ein SEO-Experte zwar auch positiv für Social-Signals und Linkaufbau nutzen, aber ob das den Imageschaden ausgleicht, ist fraglich.

 

Stimmt ihr mit Thomas überein? Seht ihr die optimalen Voraussetzungen für internationales SEO anders? Und habt ihr bereits eure eigenen Erfahrungen mit dem Thema gemacht? Lasst mich eure Meinungen in den Kommentaren wissen. 

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