Ex-bwin-Marketingchef Florian Mott mit neuem ...
 

Ex-bwin-Marketingchef Florian Mott mit neuem Start-up

Wolfgang Wolak
Florian Mott, Mything, Modelshop Vienna, 1100 Wien
Florian Mott, Mything, Modelshop Vienna, 1100 Wien

Das Wiener Startup mything.com will alle Produkte vom 3D-Druck-Anbieter nebenan produzieren lassen.

Mit dem 3D-Druck-Marktplatz mything.com startet diese Woche eines der ungewöhnlichsten österreichischen Startups der letzten Jahre. Angefangen schon bei der Gründungsgeschichte: So wurden bereits vor dem Launch mehr als zwei Millionen Euro investiert. Der CEO, Co-Founder und ehemalige bwin-Marketingchef Florian Mott, sowie die Investoren und Co-Founder Gerhard Pail und Frank Kappe (KaPa Ventures) treten nun mit hohen Zielen an: mything soll zur zentralen, internationalen Plattform rund um 3D-Druck mit lokaler Produktion werden. Nach ersten Schritten in Österreich ist noch dieses Jahr die Expansion nach Deutschland möglich.

Was ist mything genau und wie funktioniert es? CEO Florian Mott meint: „Mit mything.com profitiert jetzt jeder von den Vorteilen des 3D-Drucks. Wir werden in naher Zukunft der internationale Marktplatz für lokalen 3D-Druck sein. Auf unserer zentralen Plattform finden Produktdesigner, lokale Hersteller und Kunden unkompliziert zusammen. Geld verdient mything durch eine Vermittlungsprovision. Kern der Plattform ist neben diesem dreiseitigen Marktplatz die lokale Produktion in 3D-Druckshops. Einige davon gibt es schon, Tendenz stark steigend. In Zukunft werden sie genauso häufig zu finden sein wie Copyshops, Postpartner oder andere lokale Nahversorger.“

Was nicht jeder auf den ersten Blick erkennt ist das große disruptive Potential von mything als Plattform. Florian Mott klärt auf: „Der klassische Produktions- und Distributionsprozess vom Entwurf eines Produktdesigners bis zum Eintreffen eines Produktes beim Kunden umfasst mit Transport und Lagerung sehr viele Schritte und geht über Wochen bzw. Monate. Wir schaffen es diesen Ablauf auf wenige Schritte und Tage, in Zukunft sogar Stunden zu reduzieren.“ Die Vorteile davon liegen für ihn auf der Hand: „Das führt, neben zahlreichen anderen positiven Effekten, langfristig zu geringeren Kosten durch lokale on demand-Produktion, kürzeren Lieferzeiten, weniger Umweltverschmutzung, sowie lokaler Wertschöpfung.“

Dass der 3D-Druck bereits in den kommenden Jahren den Massenmarkt erobert, steht für Mott außer Zweifel: „Laut einer Studie von Oxford Economics werden 2050 genau aus diesen Gründen bereits die Hälfte aller Konsumgüter lokal produziert. mything ist dafür von Beginn weg die passende Schnittstelle. Bereits jetzt werden auch Schuhe oder andere Kleidungsstücke wie Pullover mittels 3D-Druck hergestellt.“

Ein Punkt der dabei für Investor und Co-Founder Gerhard Pail ganz zentral ist: „Mit dem Zeitgewinn geht eine Risikominimierung einher. Ob ein Produkt physisch 30 Tage oder einen einzigen Tag unterwegs ist, macht einen riesigen Unterschied, weil an jedem dieser 30 Tages etwas passieren kann. Unfälle, Verzögerungen, Zollprobleme und vieles mehr. Das heißt schneller und näher bedeutet gleichzeitig risikoärmer und damit billiger.“

So startet mything in Österreich: Attraktive Nischenmärkte Schmuck, Home & Office Accessoires Und wie und in welchem Umfang startet mything nun in Österreich? Zu Beginn kann man aus 800 Produkten im Bereich Schmuck sowie Home & Office Accessoires (Gegenstände zur Organisation, Dekoration etc.) auswählen. Dabei stehen 40 verschiedenen Materialen und Farben zur Verfügung. Produziert wird mit 3D-Druck und Lasercut. Zum Launch sind bereits 50 verschiedene Designer und rund 20 lokale 3D-Druckanbieter an Bord. Der Prozess für den Kunden bei mything kurz zusammengefasst: Produkte durchstöbern, Wunschprodukt personalisieren, lokalen Hersteller auswählen und nach der Produktion das Produkt dort abholen oder zuschicken lassen. Wie man bei mything einkauft ist auch im nachfolgenden Video gut erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=zl5xiyIpqqY&feature=youtu.be Automatisierte Datenüberprüfung und Preisberechnung waren die größten Herausforderungen „So einfach die Nutzung der Plattform für den Kunden sein soll, umso komplizierter war es die vielen komplexen Prozesse im Hintergrund zu lösen“, erinnert sich CEO Florian Mott. „Technischer Natur war besonders die automatisierte 3D-Daten-Überprüfung eine Herausforderung und auch die Preisberechnung in Echtzeit war aufgrund der vielen Variablen nicht leicht zu lösen. Geholfen hat an vielen Ecken der intensive Austausch mit unseren lokalen 3D-Druckpartnern und Produktdesignern. Gerade in Hinblick auf die automatische Registrierung dieser Partner bekamen wir sehr wertvolles Feedback.“ „Insgesamt haben wir schon viele Probleme gelöst. Eine ähnlich umfassende Plattform dieser Art gibt es bisher weltweit nicht. Diesen „First Mover“-Vorteil wollen wir auch konsequent beibehalten und ausbauen.“ Internationale Ausrichtung von Saudi-Arabia Vision 2030 bis „Go-Silicon-Valley“ für US-Markteintritt Die internationale Orientierung von mything und der baldige Skalierungswunsch zeigt sich auch an einigen anderen Aspekten. Erst vor wenigen Wochen war Co-Founder Florian Mott beim Forum for Entrepreneurship zum Thema Vision 2030 im saudi-arabischen Riad. Ziel der Veranstaltung war es bis 2030 in etlichen Zukunftstechnologien weltweit eine Führungsrolle einzunehmen und so die Abhängigkeit von Öl und Gas massiv zu reduzieren. „3D-Druck war dabei ein sehr spannendes Thema. Besonders interessant war es für mich, dass einige Gesprächspartner nicht nur über reine Investitionen, sondern auch über diversifizierte Umsatzchancen nachdenken. Sprich beispielsweise parallel zu einem Investment eines der weltweit ersten flächendeckenden 3D-Druck-Facility-Netzwerke aufzubauen und sich so als weltweite Model- und Innovationsregion auf diesem Gebiet einen Namen zu machen.“ Deutlich früher als 2030 wird sich mything im ersten Quartal 2019 in die USA aufmachen. Dort wird man im Rahmen der WKO-Initiative „Go Silicon Valley“ drei Monate Kontakte knüpfen und die ersten Vorbereitungen für den Markteintritt in die USA treffen. Die nächsten Schritte: Deutschland, mehr Produktkategorien, Designer und lokale Produzenten sowie neue Finanzierungsrunde Bis dahin wird mything Schritt für Schritt sein Netzwerk an lokalen Produzenten und Produktdesignern vergrößern und neue Produkte und Produktkategorien hinzufügen. Prinzipiell sind bei den möglichen Produktkategorien kaum Grenzen gesetzt. Ein großes Thema dürften hier oft dringend benötigte Ersatzteile aller Art für Firmen- und Privatkunden sein. Drei kleine, einfache Beispiele für E sind der Knopf einer Fernbedienung, die Taste eine Laptops oder der fehlende Stift für das Regal. Auch im Bereich Mode, wo 3D-gedruckte Bekleidung für Kunden nach Maß lokal 3D-gedruckt wird (Stichwort: mass-personalization) liegt sehr großes Potential. Finanziell ist noch dieses Jahr bereits die nächste Finanzierungsrunde im einstelligen Millionenbereich angepeilt. Primärer Verwendungszweck: Die Internationalisierung Richtung Deutschland, gefolgt von weiteren europäischen Ländern.

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