Erster "Digitalreport" zeigt Parteienwettstre...
 

Erster "Digitalreport" zeigt Parteienwettstreit auf Facebook

APA/AFP
Symbolfoto
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Heinz-Christian Strache vor Sebastian Kurz vor Christian Kern: So sieht das Ranking der Parteichefs von FPÖ, ÖVP und SPÖ aus, misst man sie an der Zahl der Facebook-Interaktionen für ihre Postings.

Laut am Dienstag präsentiertem "Digitalreport" haben Kurz und Kern aufgeholt. "Lange Zeit dominierte die FPÖ die politische Debatte auf Facebook im Alleingang", erklärte Initiatorin Ingrid Brodnig. Brodnig ist "Digital Champion" Österreichs in der EU-Kommission und will mit dem Report zur Aufklärung über digitale Themen beitragen. Neben der Datenauswertung finden sich im Bericht auch Expertenstatements sowie Unterrichtsmaterialien.

Der Datenanalyst und Programmierer Luca Hammer sammelte und analysierte für den Report über die Facebook-API zugängliche Daten: Drei Millionen Likes, 600.000 Shares, 500.000 Kommentare im Zeitraum von 1. Jänner bis 1. Juni 2018. Einige personenbezogene Daten sind nicht mehr abrufbar. Um sich die Verteilung der Aktivität auf die Gesamtnutzer anzuschauen, griff man daher auf einen Datensatz von 2017 zurück.

Ein zentrales Ergebnis des Digitalberichts: Die FPÖ war auf Facebook sehr lange Zeit der Platzhirsch, was das Engagement der User betrifft, doch seit zwei bis drei Jahren holen ÖVP und SPÖ auf. Zugpferde sind bei allen drei die Parteichefs, besonders stark gilt das für die ÖVP. Straches Facebook-Seite (34 Prozent) und die FPÖ-Seite erzielen gemeinsam 42 Prozent der Interaktionen der analysierten Parteien. Die ÖVP dagegen nur ein Prozent, Kurz dafür 31 Prozent. "Die digitale Strategie der Volkspartei konzentriert sich auf den Parteichef", konstatierte Brodnig: Kurz sei auf Facebook der "Riese", die ÖVP der "Zwerg". Kern erntete 14 Prozent der Likes, Kommentare, etc., die SPÖ-Seite fünf Prozent.

Und die anderen Parteien? NEOS, Liste Pilz und Grüne seien sicher nicht weniger "fleißig", sagte Brodnig. Dennoch sind ihnen weniger Interaktionen vergönnt. "Die politische Debatte auf Facebook ist ein Dreikampf", ist Brodnigs Fazit. Die emotionalen Reaktionen - ausgedrückt mit "Love/Haha/Wow/Traurig/Wütend"-Emojis - sind je nach Partei unterschiedlich verteilt. FPÖ, SPÖ und Grüne rufen mehrheitlich Zorn hervor, bei der ÖVP sind die "Loves" am stärksten, ebenso wie bei der Liste Pilz. Die NEOS wiederum brachten ihre Follower dazu, am häufigsten zu lachen.

Wenig überraschend ist die Erkenntnis, dass vor Wahlen "Höhephasen der Aufmerksamkeit" stattfinden. Aber auch 2018 sei ein "weiterhin extrem heiß diskutiertes Jahr". Wobei: Nicht jeder Shitstorm oder Flowerrain bewegt die Massen, auch das bestätigt der Digitalreport. Denn: "Hyperaktive Nutzer", nämlich die aktivsten 20 Prozent, zeichnen für 73 Prozent der erfassten politischen Kommentare verantwortlich. "Was wir online lesen, ist nicht die Meinung des 'Volkes'", erklärte Brodnig, "sondern eine lautstarke Minderheit."

Wenn Parteien oder ihre Chefs zu externen Webseiten verlinken, hat die "Kronen Zeitung" (krone.at) ganz deutlich die Nase vorn. Das aber nahezu ausschließlich dank Strache und FPÖ: "In fünf Monaten hat Straches Account 139 Mal die 'Kronen Zeitung' gepostet", berichtete Brodnig. Auch oe24.at werde von freiheitlichen Facebook-Seiten gerne verlinkt. Sebastian Kurz schickt seine Follower aber ebenfalls gerne zur "Krone". Im übrigen verweisen Parteien häufig auf ihre eigenen Homepages, etwa die Liste Pilz, aber auch die FPÖ oder die SPÖ. Häufig verlinkte Medien sind auch orf.at, derstandard.at, kurier.at und diepresse.com.

Das Script, mit dem die Daten aufbereitet wurden, stellen Brodnig und Hammer online und open source zur Verfügung: (https://github.com/digitalreport). Detailergebnisse und weitere Infos zum Report sind unter https://www.digitalreport.at zu finden.

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