Erfolgskriterien für gelungenes Storytelling ...
 

Erfolgskriterien für gelungenes Storytelling im Marketing

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Chief Storyteller Ali Mahlodji im Interview

Ali Mahlodji, bekannt als Gründer und das Gesicht von Whatchado, hat nicht umsonst Chief Storyteller als Titel auf seiner Visitenkarte stehen. Er hat seine Company mit Storytelling weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt gemacht und wird auf der ganzen Welt zu Vorträgen eingeladen. Bevor er am Content Day am 24. April in Salzburg dazu aus dem Nähkästchen plaudert, habe ich Ali zum Interview gebeten:

Michael Weberberger: Storytelling, Content Marketing, Content Advertising, Native Advertising - im Moment kursieren so viele Begriffe in der neuen Marketingwelt - was ist Storytelling für dich? Was macht Storytelling aus und als Marketinginstrument geeignet?

Ali Mahlodji: Auch wenn wir noch so viele Anglizismen erfinden – der Markt ändert sich nicht. Wir nennen es halt heute Storytelling, aber in Wahrheit praktizieren wir es seit Jahrtausenden. Geschichten sind in unserer Natur verankert. Schau dir nur mal an, wie ein Kind lernt. Das funktioniert primär über Geschichten. Sie sind eine Einladung, unser Gehirn einzusetzen. Sie wecken unsere Neugierde und machen uns dadurch offen für Neues. Einfach ausgedrückt geht es letztendlich darum, Informationen verständlich zu präsentieren und dabei das „Warum“ dahinter erlebbar zu machen.

Michael Weberberger: Was sind für dich die Erfolgskriterien für gelungenes Storytelling. Wann ist eine Story für dich richtig gut?

Mahlodji: Authentizität. Menschen merken sofort, wenn man nicht dahintersteht oder lügt. Sich hineinversetzen zu können. Ich frage bei meinen Vorträgen zu Whatchado das Publikum immer „Erinnern sie sich: wie war es für sie persönlich als Kind?“ Emotion. Das Publikum muss Teil der Geschichte werden. Und jede gute Geschichte, hat einen Helden, mit dem man sich identifizieren kann. Zum Weiterdenken anregen. Das Publikum sollte immer mit einer Frage aus der Geschichte entlassen werden, die zum Nachdenken anregt. Das größte Kompliment für mich ist, wenn Leute Tage nach meinen Vorträgen auf mich zukommen und sagen: „Ali, du hast mich zum Nachdenken gebracht.“

Michael Weberberger: Eine spannende Geschichte zu erzählen ist das eine. Mit der Geschichte aber auch zu Marketingzwecken etwas zu bewegen, ist nochmal eine ganz andere Liga. Was ist für dich ein Beispiel für grandioses Storytelling im Marketing?

Mahlodji: Denk mal an ein Kind, das unbedingt etwas haben will. Das lässt sich die genialsten Geschichten einfallen, warum es das Ding unbedingt braucht. Wie der Lehrer es super wichtig für die Fortbildung hält. Und es alle Freunde auch schon haben, weil es deren Eltern toll finden. Sie nutzen Geschichten besser als es jeder Marketer könnten, um die Eltern um den Finger zu wickeln.

Erinnerst du dich an den Superbowl Spot mit Eminem? Er zeigt Detroit, das am Boden liegt. Und wie es wieder zurückkommen kann. Mit Eminem, der ja aus Detroit kommt, als Repräsentanten und Helden der Geschichte, die vor Emotion strotzt. Dass der Spot von Chrysler ist, erfährt man erst ganz zum Schluss. Aber was bleibt ist, dass Chrysler dafür sorgt, dass Detroit wieder auflebt. Ein Spot, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Michael Weberberger: Dein Unternehmen, Whatchado, erscheint wie eine einzige, riesige, großartige Story. Und deine Jobbeschreibung ist ja neben CEO und Co-Founder auch Chief Storyteller. Was ist dein Erfolgsgeheimnis? Was macht dein Storytelling für Whatchado so mitreissend?

Mahlodji: [lacht] Mein Titel Chief Storyteller kommt aus den Medien und aus den Anfängen von Whatchado. Ich glaube es war jemand von ORF Wien heute, der ihn mir gegeben hat. Früher hatte ich viele Jobs, in denen es nicht schick war authentisch zu sein. Wenn es Stories gab, kamen sie von der PR Agentur. Whatchado funktioniert anders. Whatchado bin ich! Wir haben immer absolut ehrlich gesagt, warum wir das machen, was wir machen. Wenn wir mal etwas nicht wussten, oder einfach nur Glück hatten, haben wir das auch ganz ehrlich gesagt. Und wir haben uns nie zu ernst genommen. Das „Warum“ stand immer im Mittelpunkt. Wir haben die Leute immer wissen lassen, aus welchem Need heraus Whatchado entstanden ist. Und jeder konnte es nachvollziehen und verstehen. Egal was passiert, wir bleiben ehrlich. Vielleicht bin ich irgendwann der Falsche für den Job. Ich weiß, dass 50% meiner Entscheidungen falsch sind, und stehe dazu. Nichts von dem was wir erzählen ist gekünstelt.

Und eines würde ich noch gerne mitgeben. Gutes Storytelling funktioniert unabhängig von einer Plattform. Und es ist auch kein Video, oder irgendein anderes Creative. Gutes Storytelling lebt davon, dass man selbst weiß, wer man ist und warum man tut, was man tut. Das kann man nur selbst – da kann einem kein Externer helfen.

Wie seht ihr das Thema Storytelling? Wann findet ihr eine Story im Marketing gelungen? Was geht gar nicht? Lasst mich eure Meinungen in den Kommentaren wissen.

[Michael Weberberger]
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