Emsige Aktivität am Zeitungsmarkt
 

Emsige Aktivität am Zeitungsmarkt

HORIZONT hat sich aktuelle Entwicklungen und Bewegungen im Tageszeitungsmarkt angesehen und Österreichs Medienhäuser befragt. Von national bis regional, von haptisch bis digital, von Kauf bis gratis

Sie bleibt das Flaggschiff in weiten Teilen des Landes und national auf ­jeden Fall: die Kronen Zeitung. So herausfordernd das Jahr 2015 erscheint, Gerhard Riedler ist guter Dinge in Anbetracht des in Kürze endenden Geschäftsjahres 2014/15: „Wir sind mit den Ergebnissen durchaus zufrieden.

Die Buchungslage ist – trotz der hochkompetitiven Konkurrenzsituation – positiv. Für das zweite Halbjahr 2015 ­erwarten wir eine ähnliche Entwicklung.“ Natürlich war auch die Krone im letzten Jahrzehnt mit Rückgängen der Reichweite konfrontiert – von 43,7 im Jahr 2004 auf 31,6 Prozent im Vorjahr sank diese und insbesondere die ­Gratistageszeitungen bleiben vor allem in Wien fordernd, wo Heute die Krone an Auflage bereits überholt hat.

Doch, so Riedler: „Kronen Zeitung, Krone bunt und Krone TV sind starke Marken und wir bauen unser Produktportfolio im Printbereich kon­tinuierlich aus“. Aktuell werden ­Special-Interest-Magazine wie das Krone-Formel-1-Magazin und das Magazin Iss dich jung publiziert.

Im Beilagen-Segment blieben die Lifestyle-Journale im Fokus und parallel dazu entwickle das Haus neue Corporate-Publishing-Produkte. Werblich punkte die Krone mit den Sonderwerbeformen der Ummantelungen, die ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr brachten, so Riedler.

Im Digital-Segment übertraf Mobil mit plus 73 Prozent die Erwartungen. „Innovative Digitalprojekte machen uns Freude“, meint Riedler – allen voran das im Mai gelaunchte Krone-Sportportal. „Mit unserem neuen mobilen Angebot mit Fokus auf Bewegtbild erzielen wir sowohl im Reichweiten- als auch im Erlös-Segment erfreuliche Zuwächse. Ebenfalls sehr positiv entwickelt sich das seit Jänner neue E-Paper-Angebot“, berichtet Riedler.

Das Thema Paid Content beschäftigt ebenso, „dass wir krone.at hinter eine harte Paywall stellen, schließen wir derzeit aber aus“, so Riedler.

‚Kurier‘ auf Kurs

Der Kurier, ebenso im Hause Mediaprint beheimatet, scheint auf Kurs zu sein. „Unser Geschäftsjahr endet mit Juni und wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden, da wir die gesetzten Ziele tatsächlich erreichen konnten. Dieses Ergebnis bestätigt die konsequente Produkt- und Innovationsstrategie der letzten Jahre: Es steht immer der Mehrwert für den Anzeigenkunden im absoluten Fokus.

Dafür ­besteht auch weiter Potenzial – ungeachtet des sehr kompetitiven Werbemarkts“, kommentiert Mediaprint- und Kurier-Geschäftsführer Thomas Kralinger die Entwicklungen. Eine Ausnahme stellen die Personalanzeigen dar. Außerdem spricht Kralinger das Thema Preisdruck an, das die Branche belastet.

Ebenso kritisch äußert sich der VÖZ-Präsident zur digitalen Welt: „Das Wachstum des digitalen Angebots mag zu einer nominellen Erlössteigerung führen, davon landet allerdings nur wenig bei österreichischen Häusern, der Großteil geht zu den Big Five.“

Das Haus profitiere vom Relaunch von Kurier, Freizeit und film.at, runderneuerten Classified-Portalen, App-Angeboten sowie dem Einstieg in Programmatic Buying. Sehr positiv sei die Reichweitenentwicklung, insbesondere am Sonntag, „PS – die wir umsatzseitig auf den Boden bringen“. Kralinger verweist generell auf die Innovationsstrategie des Hauses, ­wonach vieles ausprobiert, weiterentwickelt und weniger Erfolgreiches „emotionslos aussortiert“ werde.

‚Standard‘ als Pacemaker

Wolfgang Bergmann, Geschäftsführer von der Standard, berichtet über wirtschaftliche Entwicklungen bei der lachsrosa Qualitätszeitung: „Bei uns läuft Print besser als im Vorjahr, die crossmedialen Rabatte werden sehr gut angenommen. Digital wächst stärker als Print, aber noch immer auf niedrigerem Niveau – wir sind oftmals ausverkauft.

Der größte Gewinner des Jahres aber ist Mobil.“ Im zweiten Halbjahr soll das crossmediale Angebot des Standard insbesondere unter Einbeziehung von User-generated-Content verstärkt werden. Inhaltlich werden neben dem Hauptmedium Standardkompakt und das E-Paper weiter forciert.

„Ein weiterer inhaltlicher wie auch wirtschaftlicher Fokus liegt auf der Rondo-Magazinwelt mit Rondo Exklusiv, Rondomobil und Rondo Feinkost“, so Bergmann. „Auch haben wir im Herbst einen neuerlichen crossmedialen Durchgang von Greenlife Drive, wo Leser grüne Fahrzeuge testen, geplant.“

Einen weiteren Erfolg kann sich der Standard auf die Fahnen heften: „Die Sichtbarkeitsgarantie, die wir als Erste eingeführt haben, wird nun zum Standard in der Branche.“ Außerdem sei ein neuer Adserver geplant, wie auch der Start mit programmatischem Handel.

‚Kleine‘ überzeugt von der Zeitung

Die Kleine Zeitung hat unter Österreichs Kauftageszeitungen die zweithöchste Reichweite, ist das bewährte Medium in der Steiermark und in Kärnten und liegt dort mit Reichweiten über 50 Prozent deutlich vor der Kronen Zeitung.

Für die geballte Kraft wurde nun der mit 3.000 Quadrat­metern größte Newsroom Österreichs im neuen Styria Media Tower in Graz gestaltet – ein beeindruckender offener Raum mit Rückzugsmöglichkeiten, der die Gesprächsbereitschaft fördert und die vielen Medien des Hauses, so auch die Radio­macher der Antenne, die ebenso im Newsroom sitzen, näher zueinander bringt.

„Die Mitarbeiter von fünf Standorten sind jetzt hier im Haus“, freut sich Styria-Vorstandsvorsitzender Markus Mair über die gelungene Übersiedelung, die Innovation fördere und neue Abläufe ins Rollen bringe, kürzlich im HORIZONT-Interview.

„Bildlich gesprochen gibt es für mich die Basis, wo die redaktionelle Arbeit stattfindet, hier im Newsroom. Ohne diesen Sockel gäbe es den Büroturm darüber nicht, der ein wenig aussieht wie ein Segel. Hier oben sind die Styria-Büros, die den Kurs im Großen vorgeben“, detailliert Mair.

Nach einem umfassenden internen Strategieprozess werde das Kerngeschäft „in eine neue Dimension geführt“, Innovation gefördert – etwa durch einen internen Innovations-Call, der erste Früchte trage – und der Kulturwandel im Haus unterstützt. Besonders positiv wertet Mair die Entwicklungen bei den Tageszeitungen.

Kleine Zeitung, Presse und Presse am Sonntag. In der Kombi mit der Presse funktioniere auch das WirtschaftsBlatt derzeit gut, so Mair. „Wir sind überzeugt vom Tageszeitungsgeschäft“, meint er, „ich habe dieses Jahr jedenfalls keine Veränderung mehr vor, aber ich kann nicht sagen, wie es nächstes Jahr aussieht.“ Auch eine Kooperation mit Google schließt Mair nicht aus, „aber nur, wenn wir ein konkretes Projekt haben, denn wir wollen auf Augenhöhe kommunizieren“.

Zum Thema Medienpolitik hält sich Mair eher bedeckt. „Wenn ich ein Fenster sehe, wo sich in der Medienpolitik etwas bewegt, und sich die Politik ernsthaft mit ­Medien beschäftigt, dann beteilige ich mich gerne. Aber ich bin kein ­politischer Typ“, lacht er, „eher ein pragmatischer“. Jeder muss seine ­eigene Story entwickeln, hält er abschließend fest.

‚OÖN‘: Print ist dominant


Wie bei der Kleinen tut sich auch einiges bei vielen regional fokussierten Tageszeitungen. So kommentiert ­Peter Affenzeller, Marketingleiter der Oberösterreichischen Nachrichten, die aktuellen Entwicklungen in ­Oberösterreich folgendermaßen: „Print ist immer noch sehr dominant, auch wenn wir mit der neuen ­OÖN-App und neuen Vermarktungsideen für nachrichten.at Erfolge erzielen. Für Paid Content haben wir mit einer nachrichten.at-Premium-Schiene einige Vorarbeit geleistet, hängen 

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aber in der Warteschleife wie alle anderen Verlage auch: Keiner will sich mit einer Paywall als Erster aus der Deckung wagen“, spricht er die ­Dominanz des ORF an, dessen Newsseite immer gratis zugänglich sein wird. Rein werblich erklärt Affenzeller: „Der Start 2015 hat besser ausgesehen, seither entwickelt sich das Geschäft, sagen wir einmal, volatil.“

Die OÖN haben schöne Erfolge wie aktuell mit einem Sonderprodukt zu „150 Jahre OÖNachrichten“ (vormals Tagespost) und liegen gut in den Bereichen Reise oder mit dem neuen quartalsweise erscheinenden Magazin ­Hoamatland.

„Zugleich müssen wir uns sehr im Hauptmedium anstrengen, um bei Rubrikenmärkten wie Motor und Immobilien oder bei den Karriere-Nachrichten mit neuen Konzepten die Pläne zu erfüllen“, meint er offen. Neu ist ein Magazin zur ebenso neuen OÖN-Card, das die Vorteile für Abonnenten darstellt.

Mit Partnern wurden weitere Ideen umgesetzt wie das Medium „Wertvolle Lebensmittel“ oder eine Bier-Beilage, die im „Brau-Land OÖ“ auf Anhieb hervorragend eingeschlagen habe – bei Lesern wie Werbern.

70 Jahre ‚Salzburger Nachrichten‘

Die Salzburger Nachrichten haben im großen Jubiläumsjahr 2015 vor allem publizistisch einiges zu bieten. Im „Best-of aus 70 Jahren SN“ werden für jedes Jahr seit 1945 spannende Ereignisse aus der Welt, Österreich und Salzburg und journalistische Highlights der SN rekapituliert.

„Aufgrund positiver Rückmeldungen der Leser werden wir ein Sammelwerk erstellen. Highlight ist die am 6. Juni erscheinende Jubiläumsausgabe, in der wir auf die Fragen, woher wir ­kommen, wer wir sind und wohin wir gehen, eingehen werden“, erzählt ­Maximilian Dasch, seit Herbst 2013 Mitglied der Geschäftsführung.

„Im Vergleich zur letztjährigen Werbemarktentwicklung sehen wir heuer eine leichte Stabilisierung auf niedrigem Niveau“, meint Dasch vorsichtig, ergänzt aber, „Prognosen sind aufgrund der großen Schwankungen schwierig geworden.“

Das Medienhaus arbeite an Lösungskonzepten für Leser wie Werbepartner, Beispiele sind: die SN-App für Tablet, Smartphone und PC und SN-Aktivitäten auf Social-Media-Plattformen, die regionale Vermarktung durch Salzburg Digital und die nationale Vermarktung durch Alpe Nord, die Vermarktungsgemeinschaft von SN und OÖN.

Die SN stellen digital originäre Zeitungsinhalte für Abonnenten zur Verfügung. „Aktuelles, also die schnelle Nachricht, bleibt aber kostenlos“, so Dasch. Auch auf andere Geschäftsfelder wird gesetzt: So bietet das Medienhaus vom Druck bis zum digitalen Publishing seine Dienstleistungen Dritten an.

Eine besondere Entwicklung ist die digitale regionale Einkaufsstraße salzburgshop.at gemeinsam mit Coolshop Salzburg. Das Online-Angebot sämtlicher Partner von Coolshop Salzburg wird dabei zusätzlich auf einer Über-Plattform ausgespielt, um auf einen Blick die Vielfalt der regionalen Handelskultur zu präsentieren und eine Alternative zu internationalen Marktplätzen zu bieten – also regionale Konkurrenz für Amazon und Co. Eine Idee, die übrigens auch die Tiroler Tageszeitung Mitte Juni mit dem „shop.tirol“ startet.

‚TT‘ stärkt die regionale Wirtschaft


Wie auch die SN feiert die TT ihr 70-jähriges Bestehen am 20. Juni mit einer Sonderbeilage. Mit den Ergebnissen des laufenden Geschäftsjahres zeigt sich Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender der Moser Holding, sehr zufrieden, „insbesondere, weil die TT am regionalen Markt in Tirol mit innovativen Produkten für die Tiroler Wirtschaft hervorragende Umsätze erzielt.

Die Entscheidung, mit unserem TKP in Print und auch online nicht in die Knie zu gehen, bewährt sich täglich aufs Neue“, bleibt Petz kampfbereit. Die Umsatzwachstumsraten für tt.com liegen bei 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und der digitale Bereich trage rund zehn Prozent zum gesamten Anzeigenumsatz bei, führt Petz weiter aus.

Ein „Highlight digital“ sei die Online-Tauschbörse meins.at, die vor einem Jahr startete und mittlerweile 11.000 Nutzer habe, die aktuell in 16.000 Anzeigen schmökern können. Der regionale Onlineshop shop.tirol stehe in den Startlöchern. Die Ausgehplattform sperrstunde.at mit Szeneinfos für junge Leute wurde ebenso ganz neu überarbeitet.

„Mit all diesen Modellen wollen wir den Tiroler Markt beleben und regionale Antworten auf globalisierte und standardisierte Online-Angebote geben, die nur darauf bedacht sind, Gewinne zu optimieren und keinen Cent an Wertschöpfung im Land lassen“, erklärt Petz, der in Kürze sein erstes Buch präsentieren wird.

‚VN‘ mit neuer Führung

Westlich von Tirol tut sich ebenso einiges. So hat Gerold Riedmann vor zwei Wochen das Ruder bei den Vorarlberger Nachrichten übernommen und ist nun Geschäftsführer wie Chefredakteur.

Seine Richtung erklärt der digitalaffine Manager so: „Fokus auf Innovationsgeist und beherzter Journalismus, der unsere Leser überrascht. Wir wollen unbequem sein, vor allem aber Transparenz gegenüber unseren Lesern leben. Heute werden die VN zwar hauptsächlich auf Papier gelesen, aber unser hoher Anteil an Digital-Abonnenten bringt uns an die Spitze der österreichischen Zeitungen. Die digitale Verbreitung wird immer wichtiger – neben den vielen anderen ausschließlich digi­talen Projekten von Russmedia.“

Riedmann erkennt in den ersten fünf ­Monaten eine stabile Geschäfts­entwicklung. Und auch bei den VN wird gefeiert: Ebenso das 70-Jahr-Jubiläum, „ein Großevent, zu dem wir über 10.000 Besucher erwarten. Aber auch bewährte Events wie das Vorarlberger Wirtschaftsforum stehen am Plan“.

Die Redaktion lässt 70 Jahre Ländle Revue passieren, arbeite an der Vorarlberger Perspektive, verstärkter Hintergrundberichterstattung und präsentiert aktuell Vorarlberger Unternehmen und Hidden Champions in der Serie „Unsere Wirtschaft – unsere Zukunft“.

Die VN Digital haben darüber hinaus gerade eine neue Webversion, „eine ruhige, sehr in Printhaptik gehaltene Webseite“, die mit einer Abend- und einer Morgenausgabe täglich den gewohnten Lesekomfort bietet, „natürlich nur für VN-Digital-Abonnenten“. Sie steht im Gegensatz zum Reichweitenportal vol.at, das kostenfrei bleibt.

Gratis weiter stark

Auch die beiden österreichischen Gratistageszeitungen Heute und Österreich sind weiterhin aktiv unterwegs, insbesondere am Wiener Markt, wobei Österreich-CEO Oliver Voigt meint: „Themen, Konzepte und kreative Ideen zu entwicklen ist das Gebot der Stunde – und ja, täglich zu überzeugen, ist nicht einfacher geworden, aber mit viel Arbeit geht es uns gut.“

Aber der Tatendrang ist Österreich geblieben: so startete am 3. Juni die neue Donnerstag-Beilage TV und Rätsel – hier werden 50 Sender abgebildet und ein 32-seitiges Rätsel-Extra nur den Abozeitungen beigelegt. Somit ist mit Gesund und Fit der Montag, Cooking der Freitag und Madonna der Samstag belegt. „Bleiben Dienstag und Mittwoch“, resümiert Voigt.

Digital ist buzz.at für Social-Media-Nutzer nun präsent, wie auch österreich.at, das regional ausgerichtet ist. Auch digitales Bewegtbild zählt neben Mobile zu den Wachstumstreibern. Im echten Leben setzt die Mediengruppe Österreich auf einen weiteren Boxenausbau in den Bundesländern.

Indessen arbeitet Eva Dichand an der gemeinsamen Auszeit mit ihrem Ehemann Christoph Dichand. Beide wollen sich ab Herbst in New York Onlineprojekten und somit der Fortbildung widmen. Wie sich dies in den beiden Medien Kronen Zeitung und Heute niederschlagen wird, darauf darf man gespannt sein.



Dieser Artikel erschien bereits am 5. Juni in der HORIZONT-Printausgabe 23/2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.
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