Einheitliche Ladebuchsen in Europa: Apple zei...
 

Einheitliche Ladebuchsen in Europa: Apple zeigt sich skeptisch

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Der erneute Vorstoß der Europäischen Union zur Vereinheitlichung der Ladegeräte, um den Elektroschrott zu minimieren, stößt bei Apple auf Ablehnung.

Die Europäische Union startete zuletzt einen neuerlichen Versuch, die Ladergeräte für alle Mobiltelefone und andere Elektrogeräte einheitlich zu gestalten. Vor rund zwei Woche forderten die Abgeordneten des Europaparlaments eine derartige Lösung. Um Elektronikschrott zu reduzieren und den Verbrauchern das Leben zu erleichtern, müssten die Hersteller ein gemeinsames Ladegerät für Handys, Tablets, E-Books und andere Geräte anbieten, hieß es in einer Mitteilung des Europaparlaments. 

Demnach soll die EU-Kommission mehr Druck auf die Hersteller machen. Erwartet wird, dass die Kommission bald neue Schritte vorschlagen wird, die zu einer Lösung mit einem einheitlichen Ladegerät führen könnten, sagte EU-Kommissar Maros Sefcovic bei einer Debatte zu dem Thema im Plenum des Europaparlaments in Straßburg. Durch alte Ladekabel fallen in der EU dem Europaparlament zufolge jährlich rund 51.000 Tonnen Elektroschrott an. Dem will die EU jetzt einen Riegel vorschieben.

Apple argumentiert mit noch mehr Schrott

Apple zeigt sich nun in einer ersten Reaktion skeptisch und argumentiert, dass eine flächendeckende Vorgabe für eine Standard-Ladebuchse die Verbraucher zwingen würde, ihre heutigen Lightning-Kabel zu ersetzen - und damit einen negativen Effekt für die Umwelt mit einer "beispiellosen Menge Elektroschott" hätte. 

Weiters führt das US-Unternehmen ins Treffen, dass sich weder der eigene Standard noch USB-C bisher etabliert hätten. "Wir hoffen, dass die Kommission weiterhin nach einer Lösung suchen wird, die nicht die Möglichkeiten der Industrie einschränkt, den Verbrauchern Innovationen und neue Technologien anzubieten“, so das Statement von Apple. 

Drahtlose Technologie als Lösung?

Die Lösung in dem ganzen Dilemma könnte die Entwicklung von kabellosen Akkuladegeräten sein. Zwar gibt es auch hier bereits mehrere Anbieter, es zeichnet sich aber ab, dass sich ein Ladestandard durchsetzt. Im Bereich Smartphones und Waerables ist dies der Standard Qi des Wireless Power Consortiums. 

Grund dafür ist unter anderem auch die Entscheidung von Apple, das seit dem iPhone 8 und den Airpods auf diese Lösung setzt. Insider vermuten, dass mit Apple im Rücken die Europäische Union einen selbstbewussten Vorschlag zu Qi machen könnte. 

Ein weiter Weg

Dass ein einheitlicher Standard für sinnvoll erachtet wird, daran gibt es kaum Zweifel. „Aus Kundensicht wäre es natürlich sinnvoll, eine einheitliche Lösung für alle Geräte zu haben. Grundsätzlich ist sicherzustellen, dass die Temperatur-Regelung, das Erkennen von fremden Objekten wie etwa Münzen auf der Ladematte, aber auch die Interoperabilität in jedem Produkt einwandfrei funktionieren, erklärte zuletzt Verena Lackner, Wireless-Charging-Expertin bei Infineon im Gespräch mit der Futurezone.

Noch ist es jedoch zu früh, um hier von einer Lösung auszugehen. Technische Details sorgen derzeit noch dafür, dass sich nicht alle Geräte auf allen Ladematten aufladen lassen. Speziell die Apple Watch oder auch Samsung Galaxy Smartphones sind manchmal „wählerisch“. Dass dem so ist, liegt nicht nur an kommerziellen Überlegungen der Hersteller, sondern auch an den verbauten Komponenten. Zudem will die EU künftig nicht nur Smartphones einheitlich aufladen, sondern generell alle Elektrogeräte. Bei Laptops dauert das drahtlose Laden derzeit noch zu lange, hierzu bräuchte es deutlich größere Ladematten, was wiederrum mehr Elektroschrott mit sich bringen würde. Die EU-Konsumenten werden sich also wohl noch einige Zeit mit diversen Ladekabeln herumschlagen müssen.

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