Einblicke in die App Wirtschaft
 

Einblicke in die App Wirtschaft

Seb Braun/www.sebbraun.co.uk

Diese Woche geht's bei Walter's Weekly um die Welt der Mobiltelefonanwendungen

Schätzungen zufolge erzielte die App-Ökonomie im vergangenen Jahr einen globalen Umsatz von zumindest 43 Milliarden Euro. Hält sich der Wachstumstrend, dann wird sich dieses Volumen bis zum Jahr 2020 verdoppeln. Ein guter Anlass, genauer hinzublicken, was hier vor sich geht, besonders da Österreich trotz des großen Erfolgs von Runtastic (25 Millionen Downloads im vergangenen Jahr, 108 Angestellte!) noch viel unausgeschöpftes Potenzial hat.

Beginnen wir mit der Erkenntnis, dass die Digitalwirtschaft auffallende Konzentrationseffekte hervorruft (wenige Apps machen das große Geld), zudem sind die Innovatoren in den größten Städten der reichsten Nationen angesiedelt. Weit voran die USA, wo 1.576 registrierte App-Entwickler beheimatet sind. Dahinter folgen China (776) und Großbritannien (456), gefolgt von Südkorea, Japan, Russland und Deutschland. Die Alpenrepublik ist in diesem Ranking unter den Top-20 nicht vertreten.

Europa erfolgreich



Was Gesamteuropa betrifft, haben zwei größere Studien gezeigt, dass der Alte Kontinent keineswegs hinterherhinkt: Je nach Schätzung werden zwischen 20 und 30 Prozent des globalen App-Umsatzes in unseren Breiten erwirtschaftet. Im weitesten Sinn beschäftigt die App-Wirtschaft 1,6 Millionen Menschen in Europa. 1,5 Millionen europäische Apps sind in einschlägigen Geschäften wie iTunes oder Playstore erhältlich. Welterfolge wie Spotify (100 Million Kunden), die Musikentdeckungs-Software Shazam (2 Milliarden Anhänger!), süchtig machende Spiele wie Candy Crush, Clash of Clans oder Gameloft sind Hunderte Millionen Male heruntergeladen worden.

Zumindest jede dritte(!) Unternehmensneugründung profitiert von der App-Wirtschaft. Angesichts der europäischen Sprachenvielfalt sind lokale Marken keineswegs chancenlos. Da bis 2020 vermutlich 90 Prozent der Europäer ein Smartphone besitzen werden, scheint das wirtschaftliche Gewicht von mobilen Anwendungen noch weiter zuzunehmen. Der Grund dafür ist die Effizienz von zentralen Plattformen, die Vertriebskosten senken, was wiederum Startups bessere Chancen gibt, entdeckt zu werden und ins Geschäft zu kommen.

Apps als Verkaufsschiene



Mobiltelefonanwendungen sind nicht bloß eine Kommunikations- bzw. Werbeschiene sondern mittlerweile auch ein richtiger Absatzkanal. Das gilt selbstverständlich für Geschäfte wie Uber, die von vornherein auf Handys und deren Netzwerkeffekt aufgebaut sind. Zunehmend fokussieren in den digital fortgeschrittenen Märkten aber auch etablierte Händler ihre Absatzbemühungen auf die Mobilwelt.

In Großbritannien macht die Kette Domino’s Pizza beispielsweise auf dieser Schiene schon fast 50 Prozent(!) des gesamten Umsatzes. Selbst ein gehobenes Kaufhaus wie John Lewis vermeldet, dass ein Fünftel aller Online-Kunden Bestellungen über schlaue Telefone aufgeben (Tablet Computer sind mit 30 Prozent noch etwas vorne).

Der Grund liegt auf der Hand: Aus Sicht der Konsumenten bietet ein App Laden die Bequemlichkeit eines einzigen Kontaktpunktes und Sicherheit durch Standards und Produktbeurteilungen von anderen Nutzern. Sofern Verbraucher Zugang zu ihren persönlichen Daten gewähren, können Anbieter ihre Angebote sowohl zeitlich als auch örtlich viel besser auf Kundenbedürfnisse abstimmen.

Der Trend hat mittlerweile einen eigenen Namen – addressable advertising. Dieser Bereich ist aber thematisch (noch) beschränkt, da auf Handys nicht alle Inhalte gleich gut ankommen. Am gefragtesten sind bei Usern folgende Themen: Gesundheit und Fitness, Unterhaltung, Spiele, Essen/Trinken sowie sozialer Austausch. Die App-Kategorie, die im vergangenen Jahr am stärksten zulegte, waren Reisen.

Probleme



Das App-Ökosystem ist nicht so einfach zu bedienen. Seitens der Entwickler sind unterschiedliche Bildschirmgrößen sowie eventuell diverse Betriebssysteme (Android, iOS, Tizen OS, Firefox OS, Sailfish OS) zu bedienen, was die Programmierkosten enorm erhöht. Außerdem gibt es keine Cookies in der Mobiltelefonwelt, was Werbetreibende zu alternativen Identifizierungsmaßnahmen zwingt.

Markenartikler müssen sich entscheiden, ob sie bereits existierende Apps nutzen oder eine eigene App entwickeln (oder beides kombinieren). Mit Werbung in Apps ist vorsichtig umzugehen, da die Empfänger von allzu viel kommerziellen Botschaften bockig werden. Werbeblockierung ist auch in der Mobilfunkwelt stark im Kommen.

Leserservice:

>> Wer einige der oben erwähnten Zahlen und Daten in Infografiken sehen möchte, hier ein guter Überblick.

>> Wer ein paar Tipps möchte, wie man Apps baut, ohne die Kasse zu sprengen…

P.S. Ein herzliches Danke allen, die hier regelmäßig vorbeischauen – das war Blog Nr. 100

[Walter Braun]
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