DMX: ‚Jeder, der Amazon werden will, wird sch...
 

DMX: ‚Jeder, der Amazon werden will, wird scheitern‘

#

Auf der Digitalmarketing-Messe DMX, die diese Woche in Wien stattfindet, ist E-Commerce ein Kernthema. Eine Studie über die Erfolgskriterien von Online-Shops war Anlass für ein Match zwischen Google und Österreichische Post. Die Streitfrage: Bringen Online-Ads oder analoge Werbemittel mehr Kunden in die Online-Shops?

Digital Storytelling, Content Marketing, E-Mail-Marketing, Big Data, Mobile Payment: Auf der diese Woche in Wien stattfindenden Fachmesse DMX Austria werden viele jener Themen diskutiert, die für Agenturen und Unternehmen im Bereich der Digitalisierung wichtig sind. Am ersten Tag lag ein besonderer Schwerpunkt auf eCommerce - vor allem deswegen, weil die Österreichische Post, Google und der Handelsverband Österreich gemeinsam eine Studie zu den Erfolgsfaktoren der führenden österreichischen Online-Shops präsentierten (Download siehe unten).

In der vom E-Commerce-Center Köln durchgeführten Studie wurden 2.300 heimische Online-Shopper über 60 Einzelkriterien (u.a. Design, Sortiment, Service, Preis-Leistung, Versand, Checkout, etc.) zu den 40 umsatzstärksten Online-Shops befragt. Vorjahreszweiter Esprit holte sich diesmal den ersten Platz vor Tchibo/Eduscho, Bipa, Thalia, dm, Marionnaud, Spar Weinwelt, Deichmann, Amazon und Happy-Foto. Dass Branchenprimus Amazon nur auf dem neunten Platz landete, hat aber auch damit zu tun, dass die Werte im Online-Shop-Index der Studie sehr eng beisammenliegen - Erstplatzierter Esprit liegt bei 83,6, Zehnter Happy-Foto bei 81,1 Punkten. Bemerkenswert ist außerdem, dass es gleich drei Kosmetikhändler unter die Top 10 geschafft haben.

Kundenkarte wichtiger als Suchmaschine

“Jeder, der Amazon werden will, wird scheitern”, sagte Martin Wolf, Leiter Vertrieb, Werbepost & Dialog bei der Österreichische Post AG in der Anschlussdiskussion. In Österreich tätige Unternehmen sollten sich auf die eigenen Stärken besinnen, das Ranking würde zeigen, dass das auch funktioniere. “Die Post finanziert die Studie deswegen, weil Online-Shops unsere Kunden bei der Auslieferung und Partner bei der Werbung sind.” Die große Bedeutung von E-Commerce wollte er gar nicht kleinreden, jedoch unterstreichen, wie und warum Konsumenten zu Online-Shops kommen - weil da würde Print noch eine wichtigere Rolle als die Suchmaschine Google spielen.

Das zeigt auch die Studie: Die Befragten gaben an, dass die Kundenkarte (18,2 Prozent), der Katalog (14,6 Prozent) und die Filiale des Unternehmens (12,7 Prozent) Gründe seien, einen Online-Shop zu besuchen. Suchmaschinen (ergo Google) rangieren als Impulsgeber "nur" auf Rang 4 (11,3 Prozent), vor Freundesempfehlungen (11 Prozent), Preisvergleichs-Seiten (10,4 Prozent) und aktueller Werbung in TV, Print, Radio und Online (9,9 Prozent). "Analoge Medien schaffen Entspannung, der Kunde wird mit Print aktiviert, um im Online-Shop zu kaufen", so Wolf.

Google will Spillover-Effekte zeigen

Klaus Müller, Industry Head bei Google Austria, warf ein, dass Kundenkarten und Prospekte gut bei Bestandskunden, aber kaum bei der Gewinnung von Neukunden funktionieren. "Mailings zielen stark auf Bestandskunden ab, Onlinewerbung bringt Neukunden", so Müller. "Bestandskunden bringen zehn Mal mehr Umsatz als Neukunden. Wer will da auf Mailings verzichten?", konterte Wolf. Google jedenfalls will noch 2015 in einer österreichischen Fallstudie aufzeigen, dass Onlinewerbung auch Spillover-Effekte hat, weil Konsumenten auch deswegen zum Point Of Sale kommen und offline einkaufen würden, nachdem sie online entsprechende Anzeigen sehen.

Auch die oft beschworene Haptik von Papier sei kein Vorteil gegenüber der digitalen Welt. Bei der Interaktion mit Touch-Displays würden im Gehirn ähnliche Gefühle entstehen wie beim Hantieren mit Papier, so Müller. Dem Online-Handel rät er, voll auf Mobile zu setzen. "Konsumenten sind bei Mobile weiter als Händler und Webseiten-Betreiber. Deswegen hat Google auch Ende April eine große Umstellung des Such-Algorithmus gemacht, um diesen Trend zu unterstützen", so Müller.
stats