DLDwomen Conference. Die Fünfte.
 

DLDwomen Conference. Die Fünfte.

Ein Gastbeitrag von Martin W. Drexler, der bei der Konferenz vor Ort war und ein umfangreiches Fazit zieht

Die DLD-Veranstaltungen aus dem Hause Burda sind einfach perfekt aufgezogen Medien- und Zukunftskonferenzen, sei es die nun schon zum Klassiker gewordene, jeweils immer im Jänner stattfindende DLD-Conference, die DLD-Cities Conferences in verschiedenen Metropolen abgehalten, oder eben die DLDwomen Conferences, vor 5 Jahre von Maria Burda-Furtwängler und Steffi Czerny aus der Taufe gehoben, um, wie sie sagten, "das Frauenbild  in den Köpfen der Frauen und Männer zu verändern".

"Relevance!" also "relevant sein", das war das Motto der diesjährigen DLDwomen Konferenz , die am 21. und 22. Juli im Münchner Haus der Kunst über die Bühne ging. Gastgeberin und Geburtstagskind Stephanie Czerny meinte in ihrer Eröffnungsrede: "DLDwomen 2014 ein großer 'Fit for the Future' Workshop. Wir bringen die erfolgreichsten Unternehmerinnen und Managerinnen aus Deutschland, Europa und dem Silicon Valley zusammen, um uns mit ihnen über Schlüsselqualifikationen des 21. Jahrhunderts auszutauschen und gemeinsam zu lernen."

Auch die überwiegend weibliche Gästeschar ist stets erlesen und garantiert in ihrem bunten Mix für in Diskussionen für messerscharfe Fragen und in Gesprächen und Diskussionen am Rande der Konferenz für Kurzweil auf gehobenen Niveau.

How the world will change

Gleich zu Beginn meinte Gabriele Zedlmayer, Vice President, Chief Progress Officer von HP und Urgestein des DLDwomen im gleichnamigen Panel, dass junge Menschen in Zukunft für eine Karriere ein "Mehr" an Wissen benötigen, als sie derzeit besitzen. Denn zukunftsorientierte Unternehmen würden nicht mehr ausschließlich auf den Uni-Abschluss schauen.

Daran schloss Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im deutschen Bildungsministerium in ihrem Panel nahtlos an: "Die Digitalisierung werde auch die Ausbildung ungleich deutlicher beeinflussen. Tablets sind bald fester Bestandteil des Schulunterrichts, aber dazu bräuchte Europa professionelle Lehrer, die mit der digitalen Welt und dem digitalisiertem Unterricht einfach umgehen können."

Das Recht zu scheitern

Und die Italo-Österreicherin Antonella Mei-Pochtler von der Boston Consulting Group betonte, dass Unternehmensgründer Fehler machen dürfen. Dies müsste auch unseren Kindern beigebracht werden. Denn einmal gescheiterte Unternehmer würden vor allem in Europa stigmatisiert. In den USA hingegen ist es hingegen eigentlich Pflicht, schon mal gescheitert zu sein und Mei-Pochtler nannte als prominentes Beispiel Steve Jobs, der nach jedem Scheitern einfach noch stärker wurde.

Fashion. Fashion. Fashion

Natürlich durfte Mode bei einer Frauenkonferenz nicht fehlen, denn das wäre schlichtweg Themenverfehlung gewesen. Dazu kam es aber nicht und wurde prominent in Szene gesetzt: mit Stephanie Phair, Gründerin von TheOutnet, vermutlich dem Online-Outlet des Net-a-porter Onlineshops, Margherita Missoni, dem IT-Girl und Social Media Star der Zick-Zack-Strickdynastie und der junge Russin Miroslava Duma, die mit ihren buro24/7 aus einem kleinen Blog ein richtiges Digital-Mode-Imperium schuf: "Wir waren in Russland die erste Plattform, die Werbung an große Marken wie Armani, Adidas und Co. verkauft hat". Interessantes Fazit der drei Fashion Girls am Endes der Diskussion: "Wir lassen die Menschen, also Frauen einfach nur glauben, dass wir ihnen in den sozialen Medien unsere Welt zeigen. Eigentlich bestimmen wir aber genau, wie wir uns dort präsentieren."

Superstar Vivianne Reding

Den DLD Teilnehmern ist Vivianne Reding spätestens seit ihrem ersten Auftritt beim DLD als streitbare Medienministerin der EU vor nunmehr 8 Jahren ein Begriff. Seitdem ist sie jährlich Gast und Rednerin bei diversen DLD Veranstaltungen. Als EU-Justizministerin ist sie auch beim diesjährigen DLDwomen nicht minder fordernd aufgetreten und zeigte sich "really upset", was das zögerliche Verhalten einiger EU-Staaten beim Ausbau von Internet und hier vor allem bei der Breitbandanbindung anbelangt, die nicht bei den eigenen Landesgrenzen enden kann, wie sie richtig meinte.

Bei ihrem zweiten Auftritt am Ende des ersten Konferenztages trat sie in einer völlig neuen Rolle auf, als sie in einem sehr persönlichen und warmherzigen Gespräch die türkische Autorin Elif Shafak vorstellte. Reding zeigte sich nicht nur als profunde Kennerin deren  Bücher, wie "Der Bastard von Istanbul" und als einfühlsame Gesprächspartnerin, sondern beschwor auch eindringlich das harmonische Zusammenleben der verschieden Kulturen. Die EU-Ministerin ist, was vielleicht nur wenige wissen, promovierte Doktorin der Humanwissenschaften an der Pariser Sorbonne und war Journalistin in ihrem Heimatland Luxemburg.

Das Operndorf in Burkina Faso

Nicht weniger berührend war auch das Panel-Gespräch zwischen Hans Ulrich Obrist, dem Kurator der Londoner Serpentine Gallery und langjährigem Wegbegleiter des DLD und Aino Laberenz, der Witwe des leider viel zu früh von uns gegangenem deutschen "enfant terrible" der deutschen Regisseur-Szene, Christoph Schingensief. Die zierliche Finnin, die vor drei Jahren ihrem verstorbenen Ehemann anlässlich der Biennale in Venedig im deutschen Pavillon ein gebührendes Denkmal setzen konnte, sprach in lebendigen Bildern über dessen Erbe, dem African Opera Village in Burkina Faso, das nun von ihr weiter geführt wird.

Neues Side-Format - die DLDwomen Workshops

Gelten Workshops bei Konferenzen meist als lästige Pflicht der Veranstalter gegenüber ihren Sponsoren, war dieses neue Format gleich vom Start weg eine ideale Balance zwischen Pflicht und Kür. Allerdings galt es als regelrechte Herausforderung, einerseits unter den 15 erstklassigen Workshops und anderseits aus den parallel laufenden ebenso interessanten Vorträgen auf der Hauptbühne die persönliche Auswahl zu treffen.
Nicht nur "Coding" von Rachel Swidenbank/Codeacademy und Jocelyn Levitt/Hopscotch, zu Deutsch: Tempelhüpfen, sondern auch alle anderen Workshops waren "erste Sahne", würde man in Deutschland sagen.

Susan McPherson weihte die Teilnehmer in aktuelle Twitter-Techniken und Hashtag-Aktivities ein. Die nationalchinesische Investorin, Autorin, Investorin und Entrepreneurin ShaoLan Hsueh präsentierte in ihrem Workshop "Chineasy" anhand eigens dafür erfundene Icons, wie leicht es eigentlich sein kann Chinesisch zu lernen, zumindest, was das Lesen betrifft. Ihre verblüffende Suggestivfrage an das erstaunte Publikum zum Schluss: "Kann es so schwer sein eine Sprache zu lernen, die sich über Jahrtausende gehalten, sich stetig weiterentwickelt hat und von Milliarden Menschen praktiziert wird?"
Ihr Buch zum persönlichen Lernerfolg: Chineasy: The New Way to Read Chinese. Thames & Hudson. 

Auch die männlichen Vortragenden waren den Besuch ihrer angebotenen Workshops absolut wert. Tilo Bonow , Medienzampano aus Berlin, der mit seinen Public-Relations Taktiken auch schon mal die Samwer Brüder zum Erfolg begleitet hatte, jagte smarte 150 Folien in einem heftig beklatschten, 45 minütigen Workshop zur eigenen besseren Relevanz im Web über die Leinwand. Und Gabe McIntire ließ in seinem Gaming und Gamification Workshop "The Game Beyond" die Grenzen zwischen Spiel und alltäglicher Anforderungen verschmelzen.

Steffi Cerny resümierte deshalb zufrieden im Rückblick: "Unser Konzept, der Konferenz durch Workshops und businessrelevante Themen einen noch höheren Praxisbezug zu geben, ist voll aufgegangen. Der Andrang war groß, die Plätze der Workshops sofort ausgebucht. Das Thema Coding war sogar so gefragt, dass wir zwei zusätzliche Termine angeboten haben."

Eine weitere Bereicherung des DLDwomen war der Auftritt der jungen österreichischen Sängerin Anna F., die sich regelrecht ins Herz der 600 DLDwomen Gäste sang.

Kurzum, auch der diesjährige DLDwomen, wie diese Konferenz liebevoll bezeichnet wird, war wieder mal eine zu kurze und zu intensive Reise, geballt mit erstklassigen Informationen und ebensolchen Kontakten in die vorwiegend weibliche Zukunftswelt. Dass er auch weiterhin besser bleiben wird, kann garantiert werden. Dafür ist das überwiegend weibliche Team rund um Steffi Czerny einfach zu gut und zu gut im globalen (weiblichen) Dorf vernetzt.
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Martin W. Drexler, Digital Media Strategist und Professor für Digitale Medien und Medienwirtschaft an der Graphischen in Wien ist seit 2005 Gast bei sämtlichen DLD Konferenzen.
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