#DLD16: Ein klarer Aufruf an uns alle, die Di...
 

#DLD16: Ein klarer Aufruf an uns alle, die Digitale Revolution mitzugestalten

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Sabine Hoffmann auf der #DLD16. Foto:Sabine Hoffmann
Sabine Hoffmann auf der #DLD16. Foto:Sabine Hoffmann

Sabine Hoffmann im Interview nach ihrem DLD-Besuch

Die DLD (Digital Life Design) in München gilt zurecht als der Digitalevent des Jahres im deutschsprachigen Raum, ist er doch, im Vorfeld des World Economic Forum in Davos, eine Plattform für hochkarätige internationale Speakers aus Politik und Wirtschaft. Im Mittelpunkt stand auch dieses Jahr die Digitale Revolution und die vielen Möglichkeiten, diese als Chance zu nutzen. Ambuzzador Chefin Sabine Hoffmann war wieder live vor Ort und hat uns die heißesten Trends der Konferenz im Interview mitgebracht.

M. Weberberger: Sabine, was war dein persönliches Highlight der Konferenz?

S. Hoffmann: Mein persönliches Highlight war Jeremy Rifkin, der US-amerikanische Soziologe, Ökonom, Publizist sowie Gründer und Vorsitzender der Foundation on Economic Trends. In seiner KeyNote zeigte er auf, warum nach der Einführung der Dampfmaschine und dem Erdöl Zeitalter, das Internet die 3. Revolution für die Menschheit bedeutet. Die Kraft dieser Revolution liegt in der Interkonnektivität von Kommunikation, Energie und Transport, die wir oft als Internet of Things bezeichnen. Diese Verbundenheit bedeutet das komplette ausschalten von Aggregatoren und macht es jedem einzelnen möglich, die Welt mitzugestalten. Was sich auch bereits in den Werten der Generation der Millenials ausdrückt: So bedeutete Freiheit für alle vor 80 Geborenen (GenX), Unabhängigkeit und Exklusivität, für Millenials (GenNOW) ist es der Zugang zu Netzwerken, also Inklusion. Wenn sich Macht für GenX nach wie vor als Pyramide definiert, so versteht GenNOW möglichst offene und transparente Systeme drunter. Und schließlich sieht sich GenNOW in Sachen Community als Teil der Biosphäre, verbunden mit voller Verantwortung des Einzelnen für das Ganze, währendes für GenX darum geht, wer das meiste besitzt. Ein kompletter Paradigmenwechsel also, von dem sich Rifkin erhofft, dass wir ihn als Chance nützen, um unseren Planeten neu aufblühen zu lassen.

M. Weberberger: Was waren deiner Meinung nach die wichtigsten Aussagen der Konferenz?

S. Hoffmann: Für mich waren die wichtigsten Aussagen einerseits das Bekenntnis der europäischen Komissarin Margrethe Vestager, die sich zu klaren Rahmenbedingungen im Wettbewerb um Daten bekannte (Stichwort: Monopolstellung Google & Co). Wesentliches Gewicht wurde dieser Aussage dann vom letzten Speaker Niall Ferguson von der Havard University der DLD verliehen, der den disruptiven Impact von Netzwerken auf Hierarchien entlang der Geschichte demonstrierte, mit dem feinen Unterschied, dass die Netzwerke heute eben von einigen wenigen besessen und obendrein von der Hierarchien korrumpiert werden.

Andererseits die vielen Beispiele erfolgreicher Transformation: so zum Beispiel die Kitchen  Community von Kimbal Musk (dem Bruder von Elon Musk, Tesla), der damit die Ernährungskultur in amerikanischen Städten transformiert.

M. Weberberger: Wohin geht der Trend nach Meinung der Keyspeaker?

S. Hoffmann: Worin sich die Speaker einig waren, ist, dass die massive Veränderung von Geschäftsmodellen und die vielen neuen Möglichkeiten, uns als Individuum vor große Herausforderungen stellen, weil komplett neue Fähigkeiten gefordert sind. Darum wird Ausbildung das nächste große Thema. Der Auf- und Ausbau der digitalen Fähigkeiten von Executives und deren Teams, technisch vor allem aber in Form neuer Führungsstile, die Innovation und Agilität möglich machen, sogenannte Digitale Organisationen.

M. Weberberger: Welche Erkenntnisse hast du für deine eigene Arbeit gewonnen?

S. Hoffmann: Parallel zur Konferenz fand eine Akademie von L2 aus New York statt, die unglaublich verdichtete Inputs zu Themen wie Digitale Genialität (ein Index), Video und Social Media Plattformen und dem Ende von Digital only Retailern am Programm hatte.

Was ich mir mitgenommen habe? Dass es höchste Zeit für einen Qualitätsindex für den digitalen Reifegrad einer Marke ist. Betrachtet werden dabei die Performance der Website und des eShops, das digitale Marketing, das mobile Angebot und die Social Media Aktivitäten. Spannend, wenn auch nicht unerwartet ist die Korrelation der digital genialen Marken mit deren Geschäftserfolg: das sind etwa Benefit Cosmetics und Lancome, Budweiser, Burberry, Kate Spade, Macy´s und Sephora, Tiffany und Northface. Die Erfolgsfaktoren in der digitalen Transformation sind im Wesentlichen 5 Punkte: Fokus auf neue Umsatzquellen, konsequentes Shiften von Budgets Richtung digital, die Ausrichtung der Infrastruktur auf Mobile Devices, eine Kultur des Ausprobierens, was so viel bedeutet, dass unternehmenskulturell die Angst vor Neuem ausgeschaltet wird, und dass trotzdem operativ sichergestellt ist, dass die Basics weiterhin verlässlich funktionieren. Mein Highlight dabei ist das Kundenloyalitätsprogramm von Northface, in dem sich 50% der Kunden wiederfinden, obwohl nur 10% des Sales im direkten Kundenkontakt stattfindet und der Rest über Partner.

Wie groß das Ausmaß der digitalen Hebeleffekte sein kann, das zeigt Apple jedes Jahr auf ein Neues vor, betrachtet man 2015 so entspricht das Volumen des Umsatzwachstums von Apple dem Umsatz 2014 der weltweit 7 größten Luxusmarken (Yves Saint Laurent, Hermes, Prada & Co). Daraus leitet Prof. Galloway ab, dass Apple mittlerweile ganz klar in die Liga einer Luxusmarke aufgestiegen ist. Digital erobert und disruptiert also auch traditionelle Märkte.

Und rein Social Media mäßig geht es ganz klar Richtung Video und Mobilität. Also von Facebook Richtung YouTube, Instagram, Snapchat, WhatsApp, Periscope, Meerkat & Co.

Das war jetzt nur ein kleiner Auszug aus dem bunten Feuerwerk der DLD 2016 in München, die gute Nachticht kommt zum Schluss: am 3. und 4. Mai wird es eine DLD in NYC geben.

[Michael Weberberger]

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