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Digitalministerin Schramböck: "Industrie mit AI und Robotics neu denken"

Johannes Brunnbauer
Hilton
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Digitalministerin Margarete Schramböck sieht AI und Robotics als Chance für die Reindustrialisierung Europas. Zudem sollen die neue Digitalisierungsagentur und der ‚Pakt für digitale Kompetenzen‘ Unternehmen und Bevölkerung fit für die Zukunft machen. Auch bei den Ministerien will Schramböck ansetzen.

Dieses Interview ist zuerst in Ausgabe Nr. 26/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Wo Disruption herrscht, da entsteht auch Angst. Dessen ist sich Österreichs erste Digitalministerin Margarete Schramböck bewusst. Daher schrieb sie sich zuletzt auf die Fahnen, Ängste abzubauen. Bei der Digitalisierung müssten die Chancen größer gesehen werden als die Risiken, es brauche jetzt eine „digitale Vertrauensgesellschaft“, rief Schramböck zuletzt auf dem Werbeplanung.atSummit in ihrem Impulsreferat auf. Danach stellte sie sich den Interviewfragen des HORIZONT.

HORIZONT: Was haben Sie sich für die am 1. Juli beginnende EU-Ratspräsidentschaft Österreichs als Erstes auf Ihre Agenda gesetzt?

Margarete Schramböck: Sicherlich ist eines der wichtigsten Themen das Thema Industrialisierung, die Reindustrialisierung Europas. Rethinking European Industry bedeutet, die Industrie Europas neu zu denken, und zwar mit den Methoden der Artificial Intelligence, Robotics und den großen Daten, die wir jetzt auf Machine-to-MachineKommunikationsseite haben. Das ist ein wichtiger Punkt. Es steht ganz oben auf meiner Agenda, das voranzutreiben. Wir haben hier schöne Beispiele wie Infineon oder die voestalpine (beide investierten zuletzt in österreichische Standorte, Anm.), weil das ermöglicht, Arbeitsplätze nach Europa zurückzubringen. Und das ist einer der wichtigsten Punkte. Zweiter ganz wichtiger Punkt ist, das Erfolgsrezept der dualen Ausbildung in Europa zu promoten und in so vielen Ländern wie möglich bekannt zu machen und auch zu unterstützen bei der Umsetzung dieser Ausbildungen. Wir haben einen Fachkräftemangel in Europa, gerade auch in den IT- und den MINT-Fächern. Und wenn wir hier neue Berufe schaffen, wie den E-Commerce-Kaufmann oder auch den Coder, erschließen wir uns neue Zielgruppen und schaffen es auch, dass wir zusätzlich Menschen in diese Fachkräfteausbildung bringen. Und der dritte Punkt ist, den digitalen Binnenmarkt so weit als möglich voranzubringen. Da drinnen sind die Themen Free Flow of non-personal Data, Maschinendatenkommunikation und andere Bereiche, die im digitalen Binnenmarkt notwendig sind.

Gestartet wurde jetzt auch „Fit4Internet“, das sich an die ältere Zielgruppe richtet. Wie kann man diesen Personenkreis digital fit machen?

Fit4Internet ist für alle, und die Älteren sind eine Zielgruppe davon. Das heißt, wir werden eine Zertifizierung aufbauen. Man kann dann, so wie man Englisch lernt, sich einstufen lassen oder seine Leistung in Bereichen wie Kommunikation oder Prozesse überprüfen. Es geht aber nicht nur um das Bedienen einer App, sondern es geht viel tiefer hinein. Und eine Zielgruppe sind die Älteren, für die haben wir etwas Spezielles. Wir haben festgestellt, dass die erste Berührung mit dem Digital-Thema sehr gut über mobile Endgeräte funktioniert. Das heißt, wir werden uns stark darauf konzentrieren, den Zugang zu vermitteln. Wir arbeiten da mit einem in Österreich bekannten Unternehmen zusammen. Es wird in jedem Bezirk Kurse geben, die über das WIFI stattfinden, idealerweise wöchentlich oder 14-tägig. Diese Kurse kann man besuchen und muss nichts dafür bezahlen. Das heißt, bevor man investiert und seine Ziele definiert, kann man dort in Kaffeehaus-Atmosphäre einen ersten Anknüpfungspunkt haben.

Wird das Programm dann auch medial und kampagnenmäßig begleitet?

Ja, wir werden den Pakt für digitale Kompetenz und Fit4Internet Anfang Juli launchen und das auch entsprechend begleiten. Wir arbeiten intensiv mit dem Seniorenrat zusammen, und der wird das auch in seiner Zielgruppe verbreiten. Also da werden wir sicher auch einiges tun in der Richtung.

Die neue Digitalisierungsagentur soll als Plattform und Anlaufstelle für die Wirtschaft fungieren. Wie sieht das im Optimalfall konkret aus?

Was wir in der Digitalisierungsagentur machen, sind drei Schwerpunktprojekte – und das wichtigste für mich ist der Innovation Hub. Bei diesem Innovation Hub ist der Plan, in nächster Zeit zunächst drei zu launchen. Die werden jetzt ausgeschrieben von der Digitalisierungsagentur, die ja bei der Forschungsförderungsgesellschaft angesiedelt ist. Idealerweise haben wir drei Innovation Hubs für den Start, die überregional in Österreich in unterschiedlichen Bundesländern vertreten sind und die dann als Ansprechstelle für KMU gelten.

Ein konkretes Beispiel?

Ein KMU erkennt, dass es ein neues Geschäftsmodell braucht, benötigt dazu aber Zugang zu 3D-Printing oder zu einer 5G-Testlabor-Umgebung. Dann kann es zur Digitalisierungsagentur gehen und die vermittelt ihm das. Die Digitalisierung hilft, diese zu finden, und baut ein Netzwerk aller Organisationen auf. Es gibt zum Beispiel die Austrian Cooperative Research, die Christian-Doppler-Labore – es gibt vieles, das wir schon haben, nur unsere mittelständischen Unternehmen finden die Angebote nicht. Diese werden mit den Umsetzungsprojekten zur Digitalisierungsagentur kommen, und diese kann vermitteln und helfen, ebenso die Innovation Hubs, die über die Digitalisierungsagentur gesponsert, finanziert und auch im Design gestaltet werden. An die können dann Unternehmen mit ganz konkreten Fragestellungen und Problemen herantreten.

Und gibt es bereits ein fixes Budget dafür?

Ja, die haben wir im finalen Ausbau ausgestattet mit 20 Personen, das können aber auch mehr werden – je nachdem, wie gut es angenommen wird. Und wir haben – gemeinsam mit dem Infrastrukturministerium – 16 Millionen Euro freigegeben.

Ebenfalls angekündigt wurde die Chief-Digital-Officers-Taskforce mit Kontaktpersonen in allen Ministerien. Wie sind die Kompetenzen interministeriell geregelt?

Es gibt einen CDO des Bundes, der ist bei uns, einen Stellvertreter, der ist im Infrastrukturministerium, und jedes Ministerium hat so einen CDO. Das sind Personen, die sich aus ihrem Background heraus sehr stark mit dem Thema Digitalisierung identifizieren und auch Umsetzungsstärke in den Ministerien beziehungsweise in den Kabinetten haben. Aufgabe ist es, die Harmonisierung der IT voranzutreiben. Und es ist ja in den vergangenen Jahren – das glaubt man kaum – sehr, sagen wir einmal, „differenziert“ gearbeitet worden. Jedes Ressort hat irgendwas für sich gemacht, es gab ganz unabhängige Entwicklungen, nichts war abgestimmt. Die Aufgabe der CDO-Taskforce ist jetzt zuerst einmal zu erkennen: Was tun wir denn überhaupt wo? Wo geben wir wie viel und wofür Geld aus? Dann legt die Taskforce strategische Schwerpunkte fest, sowohl für die Harmonisierung als auch für die Dienstleistungen, die die verschiedenen Ministerien ihren Kunden, also ihren Bürgern, anbieten wollen. Zum Beispiel im Bereich eHealth: Hier fasst die Taskforce das zusammen, arbeitet sehr eng und in kurzer Taktung, um hier den Überblick zu bekommen – und kann entsprechend Einfluss nehmen. Die ITLeiter der einzelnen Ministerien sind davon unberührt, die setzen ja operativ um. Ich glaube, genauso machen es Unternehmen auch: Es werden Querschnittsfunktionen gebildet und für einzelne Themen die besten Köpfe zusammengenommen, die sich am besten auskennen und die sich auch durchsetzen können.

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