Digitales Psychogramm
 
Marketing Club Österreich / GfK
Ergebnisse der Studie zum Internetverhalten der österreichischen Bevölkerung.
Ergebnisse der Studie zum Internetverhalten der österreichischen Bevölkerung.

Frau und Herr Österreich haben die Scheu vor digitalen Services und Dienstleistungen mittlerweile verloren. Darauf weist eine heute vorgelegte AMC-Studie hin.

Wie digital ist Österreich? So lautet die Frage einer heute veröffentlichten GfK-Studie, die die Austrian Marketing Confederation (AMC) zum Status quo der Nutzung digitaler Services von Frau und Herrn Österreich in Auftrag gegeben hat. Ziel war, zu eruieren, „inwieweit dieses Thema bei der Bevölkerung bereits Platz gegriffen hat“, welche digitalen Dienste, Services und Applikationen tatsächlich genutzt und wie weit verbreitet das Online-Shoppen in verschiedenen Bereichen ist. Besonders aufschlussreich für die Auftraggeber war dabei die Aufsplitterung nach ­Altersgruppen beziehungsweise nach Frauen und Männern.

Valide Daten fürs tägliche Arbeiten

Georg Wiedenhofer, Präsident des Marketing Club Österreich (MCÖ) und Präsident der AMC, erklärt die Beweggründe für die Initiierung der Digitalisierungsstudie: „Unter der Dachmarke ,Marketing 2020’ haben wir bereits einige Studien zu Themen in Auftrag gegeben, die die heimische Marketingbranche aktuell beschäftigen und in Zukunft bewegen werden. Mit der Studienreihe geht es darum, der Marketing-Community valide Daten für ihre tagtägliche Arbeit zur Verfügung zu stellen.“

Die Ergebnisse zeichnen ein Bild der fortschreitenden Digitalisierung in Österreich: 75 Prozent der Bürger nutzen digitale Nachrichtenmöglichkeiten in Text und Bild wie WhatsApp, Facebook und Messenger. Immerhin fast zwei Drittel wollen wissen, wo ihre Pakete sind und nutzen hierfür die digitale Paketnachverfolgung.

Differenzierung nach Alter

Jeweils 41 Prozent holen sich Kochanleitungen und Kochhilfen aus dem Internet beziehungsweise nutzen Online-Preisvergleichsplattformen. Bereits 35 Prozent geben an, die Vignette elektronisch zu beantragen oder Videostreaming-Angebote wie Netflix, Amazon Prime und auch Videotelefonie via Skype, Facetime und WhatsApp zu nutzen. „Immerhin 32 Prozent der Befragten haben eine digitale Bürgerkarte mit Handysignatur oder arbeiten mit dem Online-Steuerausgleich. Geringe Anwendung finden etwa noch die externe Heizungssteuerung, Fernüberwachung des Hauses oder der Wohnung übers Handy. Ebenso wenig Verbreitung haben elektronische Taxi- und ­Fahrtendienste“, so die Studie. Sehr unterschiedlich fallen die Ergebnisse nach Altersgruppen besehen aus. Es gibt allerdings etliche digitale Anwendungen, bei denen es wenig Altersunterschiede gibt und die speziell auch Personen über 60 Jahre stark verwenden. Dazu gehören das Versenden von Bildern und Nachrichten via WhatsApp, Facebook und Messenger, die Paketnachverfolgung im Internet, Kochanleitungen und Kochhilfen, Online-Preisvergleichsplattformen, Videotelefonie sowie digitale Reisebuchungsplattformen.

„Die typische Spreizung in der Anwendung zwischen Jung und Alt zeigt sich bei der Nutzung der Sozialen Netzwerke, bei Videostreaming, Amazon-Prime-Abos, Internetradio, E-Books sowie beim Bezahlen mit dem Handy (mobiles Payment). Auch bei den Services, die insgesamt nicht so stark in Anspruch genommen werden, gibt es ein höchst unterschiedliches Bild“, heißt es. Ganz typisch sei die extrem hohe Anwendungsquote bei Jungen bis 39 Jahre bei Musik-Streaming-Angeboten, bei Blogs und Foren für Produktinformationen, Nutzung von Sprachassistenten, ­E-Learning und Webinaren, Apps für Taxi-Dienstleitungen und Airbnb. Relativ ausgeglichen über alle ­Altersgruppen werden Online-Aktionen sowie digitale Prospekte benutzt.
 

Vertrauen in E-Banking

Auch die Scheu vor E-Commerce-Angeboten haben die Österreicher verloren. In Summe haben 93 Prozent der Befragten in den letzten sechs Monaten online eingekauft. An der Spitze steht mit 75 Prozent das Online-Banking – somit haben drei Viertel der Befragten ihre Finanzen übers Internet verwaltet. An zweiter Stelle findet man mit 45 Prozent den Online-Kauf von Kleidung. Immerhin ein Drittel der Österreicher hat in den vergangenen sechs Monaten Reisen/Flüge, Karten fürs Kino, Theater oder Konzerte oder Bücher online gekauft. Auch geben 24 Prozent laut der Studie an, Medikamente online bestellt zu haben, 22 Prozent nannten Schuhe. Auffallend ist, dass bereits 17 Prozent angaben, Essen online bestellt zu haben. Am Ende der Auflistung findet man Baumarktartikel und ­Autozubehör mit jeweils acht Prozent der Befragten und Schmuck mit sieben Prozent. Auch der Abschluss von ­Versicherungen im Internet ist mit sechs Prozent noch nicht sehr gängig. Und der Kauf von neuen oder gebrauchten Autos ist mit zwei Prozent noch überschaubarer.

Digitale Beginner und Heavy User

Insgesamt kann man circa sieben Prozent der Gesamtbevölkerung als „digitale Heavy User“ bezeichnen. In der Gruppe der bis 40-Jährigen ist dieser Anteil mit 13 Prozent fast doppelt so hoch. Im Gegensatz dazu ist die Zahl der Heavy User bei über 60-Jährigen mit zwei Prozent sehr gering. Und: Ganze 45 Prozent der Österreicher gelten noch als „digitale Beginner“. Immerhin 40 Prozent davon gibt es bei den bis 40-Jährigen, bei den bis 60-Jährigen rund 60 Prozent. Die größte Gruppe sind die sogenannten Casual User (mit 47 Prozent). Diese nutzen zwischen sechs und 14 der genannten Einkaufsmöglichkeiten im Internet.

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