Digitales Lernen braucht Kompetenzen
 
APA / Ludwig Schedl
Bildung
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Die Lernwelt ist schon lange keine rein analoge mehr: Über die Potenziale und Herausforderungen des digitalen Lernens tauschten sich am vergangenen Donnerstag Experten bei einer Veranstaltung der "Digital Business Trends". Auch Jürgen Hofer, ab März Chefredakteur des HORIZONT, nahm an der Diskussionsrunde teil.

"Wie die Zellteilung funktioniert lernen Kinder auf YouTube“, meint Gerti Kappel von der Technischen Universität Wien. Zusammen mit anderen Experten aus der Digital- und Medienbranche diskutierte er am vergangenen Donnerstagabend bei einer Veranstaltung der Plattform  "Digital Business Trends" über die Möglichkeiten des digitalen Lernens. Mit YouTube, WhatsApp oder Online-Kursen sei diese Art der Wissensgenerierung und -Vermittlung schon fest im Alltag verankert. "Wir brauchen nicht diskutieren, ob digitales Lernen kommt. Das ist bereits ein milliardenschwerer Markt“, sagt Jochen Robes vom Beratungsunternehmen Robes Consulting. Lernen sei schon lange nicht mehr auf "analog" oder "digital" beschränkt. Wo und wann Lernprozesse stattfinden würden, entscheide der Mensch heutzutage selbst. 

Traditionellen Bildungsinstitutionen fehle es aber noch an Umsetzungsstrategien, um das Potenzial des Digitalen Lernens völlig auszuschöpfen. "Bibliotheken und Volkshochschulen müssen sich neu erfinden, sonst sind sie in ein paar Jahren obsolet", sagt Robes. Zumeist fehle dem Bildungspersonal das Wissen um digitale Bildungskonzepte, um das Alte mit dem Neuen kreativ zu verbinden. An entsprechenden Technologien mangele es nicht, erklärt, Kappel: von Internet über ndgeräte zu E-Learning-Plattformen und MOOCs (Massive Open Online Courses). Allerdings müsse man auch hiermit erst das Lernen lernen. Auch an der Uni würden solche Angebote sehr gut angenommen werden, ergänzt Kappel, nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung: "Am Tag vor der Prüfung ist schon der Server zusammengebrochen, weil sich die Studierenden die Vorlesung noch einmal anhören wollten."

Mit KI Bildung individualisieren

"Beständiges Lernen ist in der schnelllebigen Welt das Gebot der Stunde", meint Alexis Johann, Partner bei der Unternehmensberatung FehrAdvice & Partners. Mit der Anwendung von Künstlicher Intelligenz im Bildungssektor könne auf jedes Kind individuell eingegangen werden. "Bildungsniveaus lassen sich dadurch bereits in sechs bis zwölf Monaten angleichen. Da gibt es unglaublich positive Effekte", sagt Johann. Derzeit arbeite man daran, durch digitales Lernen Rollenmodelle zu verändern.

Im internationales Vergleich hinke Österreich beim digitalen Lernen und Lernen über digitales jedoch noch hinterher, befand Jürgen Hofer aus dem Manstein Verlag, wo er ab März die Position des Chefredakteurs des HORIZONT sowie der Magazine update und bestseller übernimmt. Dass jetzt erst verpflichtend digitale Grundkompetenzen an Schulen gelehrt werden, sage viel über den Status Quo der Digitalisierung im österreichischen Bildungssystem aus. "Die Kinder nutzen die Angebote und wissen nicht, was das mit ihnen macht“, sagt Hofer, der sich selbst der „Generation Overheadprojektor“ zuordnet, und betont die Wichtigkeit von digitalen Kompetenzen. 

Und das gelte für alle Altersgruppen, ergänzt Marcus Kapun von der Bawag P.S.K. In sogenannten "Digitalen Stunden" habe man in seinem Unternehmen interessierten Kunden das digitale Banking näher gebracht. "Die sind gekommen, haben ausprobiert und erklärt bekommen. Das betrifft die ganze Bandbreite von jung bis alt", so Kapun. Die beliebten Erklärvideos seien nicht immer zielführend, mit Schritt-für-Schritt-Anweisungen habe man bessere Erfahrungen gemacht. „Da wird man beispielsweise dabei begleitet, wie man eine Karte sperren kann.“

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