Digitalboom: Milliarden-schwere Start-ups auf...
 

Digitalboom: Milliarden-schwere Start-ups auf der ganzen Welt

Seb Braun/www.sebbraun.co.uk
Einhörner, überall Einhörner!
Einhörner, überall Einhörner!

Diese Woche geht's bei Walter's Weekly um Start-ups auf der ganzen Welt. Sogar in Afrika gibt es Jungunternehmen, die extrem hoch bewertet sind.

Laut jüngster Zählung existieren derzeit 160 sogenannte ‚Unicorns’ –hauptsächlich in der Digitalbranche beheimatete Jungunternehmen, die mit einer Milliarde Dollar bewertet sind. Zusammen sind sie rund 564 Milliarden Dollar wert. Es gibt eigentlich keinen guten Grund, dem amerikanischen Wahn zu absoluter Größe Beachtung zu schenken, abgesehen von dem Umstand, dass Einhörner eine gute Messlatte sind, welche Beachtung die Digitalwirtschaft seitens der Investoren erhält.

Im ersten Quartal 2016 wurden insgesamt 11 neue Unicorns gesichtet, was Beobachter der Wagniskapitalszene mit gewissem Stirnrunzeln bemerkt haben (im ersten Quartal 2015 waren es 25 neue Einhörner). Nicht ganz von der Hand zu weisen, dass sich hier eine Spekulationsblase bildet.

Bis dato waren sie vornehmlich in den USA zu finden, jetzt tauchen sie rund um den Globus auf.

Hier einige der neuen Milliardenunternehmen:

  • Dada, ein mobiler Logistik Dienstleister, frisch in China gesichtet.
  • Skyscanner, vergleicht Millionen von Flügen und Hotelangeboten; die britische Plattform tritt in über 30 Sprachen auf.
  • Shopclues, Indiens größter Online-Marktplatz mit über 100 Million monatlichen Besuchern.
  • Mindmaze ist ein Tochterunternehmen der ETH Zürich, fokussiert auf Gehirn und Medizin, das erste Schweizer Einhorn.
  • Souq.com, in Dubai ansässig, ist die größte E-Commerce- Plattform in der arabischen Welt.
  • Mercari, eine Einkaufs-App aus Japan.
  • Garena, in Singapur vor sieben Jahren gegründet, ist eine der führenden Treffpunkte Asiens zum sich Treffen und Spielen.


Ein Kontinent im Aufbruch

Die Größe bzw. Lage eines Landes spielt im Zeitalter der Vernetzung keine Rolle mehr – ein typisches Beispiel wäre das kleine Lettland (circa 1,3 Millionen Einwohner), das sich völlig auf High-tech ausgerichtet hat.

Auch Afrika hat mittlerweile sein "Silicon Savanna". Von Kairo bis Kapstadt gibt es einen neuen Stamm, die "Afritechies", die mit ungeheurem Optimismus den Digitalmarkt angehen. Ein Beispiel wäre die unglaubliche Geschichte des Bheki Kunene, der als Jugendlicher einen Lehrer attackierte und dann zwei Jahre im Gefängnis verbrachte.

Wieder in der Freiheit, lernte er zu programmieren und gründete praktisch ohne Startkapital die Firma Mind Trix Media, die Websites und Apps designt. Heute, mit 27, hat er eine lange Liste illustrer Kunden, dank Skype und Dropbox auch im Ausland. Und das auf einem Kontinent, der noch immer verhältnismäßig wenige Telefonleitungen vorweisen kann – aber so gut wie jeder hat ein Handy.

Software und digitale Dienstleistungen lassen verschlafene afrikanische Wirtschaften langsam erblühen. Menschen, die ihr Leben lang nie ein Bankkonto besessen haben, können jetzt Online-Banking in Anspruch nehmen. In vielen Regionen ist die industrielle Revolution glatt übersprungen worden, mit direkter Landung im Digitalzeitalter.

Dieser Hintergrund mag erklären, warum jetzt auch in Afrika ein Einhorn gesichtet worden ist: Jumia, in Lagos ansässig und im Besitz der Africa Internet Group, ist das erste Jungunternehmen, das mit 1 Milliarde Dollar bewertet wurde. Da Einkaufszentren in Afrika selten bzw. nur in total verstopften Großstädten zu finden sind, hat E-Commerce ein unerwartetes Shopping-Potential eröffnet.

Die nächste Disruption...

Jedenfalls gibt es nach wie vor jede Menge Hoffnungsgebiete, die von Digitaljägern abgegrast werden. Ein Tipp gefällig? Wie wäre es mit der zig Milliarden schweren Hochzeitsbranche? Ein neuer Trend in New York sind relativ exklusive Hochzeiten, die sich viel billiger in Gruppen mit völlig Fremden organisiert lassen. Es gibt auch bereits Pop-up-Hochzeiten...

[Walter Braun]
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