Die meisten Internet-Nutzer schauen keine New...
 

Die meisten Internet-Nutzer schauen keine News-Videos

FLORIAN DAVID
French Youtuber Squezzie poses in front of the logo of YouTube, during the inauguration of the 'YouTube Space Paris', where workshops and a shooting studio are proposed for producers, on October 2, 2015, at the Google's headquarters in Paris. AFP PHOTO / FLORIAN DAVID
French Youtuber Squezzie poses in front of the logo of YouTube, during the inauguration of the 'YouTube Space Paris', where workshops and a shooting studio are proposed for producers, on October 2, 2015, at the Google's headquarters in Paris. AFP PHOTO / FLORIAN DAVID

Textnachrichten sind schneller und einfacher zu konsumieren als Videos, so das Reuters Institut für Journalismus.

Das Reuters Institut für Journalismus dämpft die Erwartungen an News-Videos im Internet. "78 Prozent konsumieren online kaum oder nie Nachrichtenvideos", sagte Nic Newman, Studienautor des diese Woche veröffentlichten Digital News Reports 2016, am Donnerstag am GEN-Summit in Wien.

Textnachrichten seien schneller und einfacher zu konsumieren als Videos, erklärte Newman unter Verweis auf die in 26 Ländern durchgeführte Online-Umfrage, darunter Österreich. Auch Werbeclips, die abgespielt werden, bevor das Video lädt, halten die User laut Newman davon ab, sich Nachrichtenvideos anzuschauen. Wenn Videos konsumiert werden, dann abseits von Nachrichtenseiten.

Smartphone und Social Media dominieren bei den Jugendlichen mittlerweile den Nachrichtenkonsum. 51 Prozent verwenden Soziale Netzwerke als Nachrichtenquelle, für zwölf Prozent sind Facebook und Co. schon die Nachrichtenquelle Nummer eins. In Ländern, in denen das Vertrauen in die Massenmedien geringer ist, ist der Nachrichtenkonsum via Social Media deutlich höher, wie Newman ausführte.

Platzhirsch Facebook

Platzhirsch unter den "sozialen" Nachrichtenquellen ist Facebook mit 44 Prozent. Die Nutzer wollen Nachrichten teilen und diskutieren, erklärte Newman. Dahinter folgen YouTube und Twitter. Snapchat, derzeit in der Medienbranche heiß diskutiert, ist nur für ein Prozent der User als Nachrichtenquelle interessant, anders verhält es sich bei Jugendlichen, hier nützen zwölf Prozent Snapchat für News.

Zwischen dem Smartphone-Boom und den Nachrichtenkonsum via Social Media gibt es laut Newman einen Zusammenhang. Für fast 20 Prozent ist in der Früh der erste Kontakt mit Nachrichten das Smartphone, entweder via Social Media oder klassischen News-Portalen. Allerdings: "Die Leute gehen übers Smartphone weniger häufig auf Nachrichtenseite als dies bei Desktop-Computern der Fall war", so Newman. Die Verwendung von PC und Tablets ist laut der Studie rückläufig, jene von Smartphones hingegen weiter stark steigend.

Adblocker werden immer größeres Problem

Ein zunehmendes Problem für die Verleger werden Adblocker - Programme, mit denen Werbung im Internet geblockt wird -, prognostiziert Newman. Die gute Nachricht dabei: Die Verbreitung von Adblockern auf Smartphones ist derzeit noch gering. Die schlechte Nachricht: Die Internet-User sind auch kaum bereit, für Nachrichten zu zahlen. Die geringe Zahlungsbereitschaft sei in Kombination mit der Abneigung gegen Werbung eine gefährliche Mischung für die Finanzierung von Journalismus.

In Norwegen zahlen die meisten für Online-News

In Österreich zahlen laut Digital News Report nur sieben Prozent für Online-News. Damit liegt Österreich unter den 26 untersuchten Ländern auf 22. Platz. Spitzenreiter ist Norwegen, dort zahlen 27 Prozent für Online-News. Die Österreicher geben pro Jahr im Schnitt rund 60 Euro für Nachrichten im Internet aus. Abos und Einmalzahlungen halten sich dabei die Waage. Gleichzeitig nutzen 26 Prozent Adblocker, das ist Platz acht und über dem EU-Schnitt von 21 Prozent. Bei den Unter-35-Jährigen nutzen 39 Prozent Werbeblocker.

Laut der Studie vertrauen 42 Prozent der Österreicher den Medien, aber nur 32 Prozent den Journalisten. Facebook, YouTube und WhatsApp sind hierzulande die Top-Social-Networks für Nachrichtenkonsum, bei Jüngeren ist die Nutzung tendenziell stärker ausgeprägt.
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