Die geplante APA-Videoplattform spaltet die B...
 

Die geplante APA-Videoplattform spaltet die Branche

4zevar/Fotolia
Im Jänner 2017 soll die Videoplattform der APA starten.
Im Jänner 2017 soll die Videoplattform der APA starten.

Der ORF ist als einziger TV-Sender mit an Bord, bei den Privaten stößt die geplante Plattform auf Kritik. Zugleich kristallisiert sich heraus, welche Verlage sie nutzen werden.

Lange stockte der Fortschritt bei der Videoaustauschplattform, da die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) die Kooperation zwischen dem ORF und dem VÖZ kritisch sah (HORIZONT berichtete). Nun aber geht es voran. Das liegt auch daran, dass die APA heuer die Federführung des Projekts übernommen hat. Die Idee hinter der Plattform, die inzwischen ganz offiziell Austria Videoplattform heißt: Inhaltelieferanten wie der ORF stellen Videos zur Verfügung, die Zeitungen auf ihren Webseiten nutzen können. Die Einnahmen aus der Vermarktung teilen sich beide Seiten.


„Derzeit laufen Detailarbeiten im Bereich Technik und Vermarktung sowie in der Akquisition der jeweiligen Partner“, erklärt eine APA-Sprecherin gegenüber HORIZONT. Mit einem Start könne im Jänner 2017 gerechnet werden. Und auch die Bedenken der BWB sind mittlerweile größtenteils ausgeräumt, in einer vorab durchgeführten Prüfung wurde das Projekt in den meisten Punkten durchgewunken. Da die Plattform ein neues Angebot für die Werbewirtschaft und die Internetnutzer darstelle, gehe man von „positiven Aspekten für den Wettbewerb“ aus, sagt eine Sprecherin der BWB. „Wie sehr diese zum Tragen kommen werden, hängt auch davon ab, wie sehr es gelingt, sowohl ein vielfältiges Angebot an Videoinhalten als auch eine große Anzahl von Sublizenznehmern zu gewinnen.“ Und genau hier könnte es Probleme geben.


Private sehen sich benachteiligt


Denn zumindest die Liste der Content-Provider ist derzeit noch sehr klein. Zwar hat am vergangenen Donnerstag der ORF-Stiftungsrat dem Projekt zugestimmt, der Sender will jährlich bis zu 40.000 eigenproduzierte Videos seiner Nachrichtensendungen in die Plattform einbringen – andere Sender erteilen dem Projekt aber reihenweise eine Absage. Und das mit teils deutlicher Kritik. 


Gegenüber HORIZONT erklären PULS 4, ATV und ServusTV, nicht an der geplanten Plattform teilnehmen und Videos liefern zu wollen. ATV-Chef Martin Gastinger kritisiert das aus seiner Sicht unfaire Angebot: „Wir sind kein Content-Lieferant. Das Angebot der APA war rein auf den ORF zugeschnitten, kein anderer Sender wird die geforderte Fülle an Videos pro Tag liefern können. Da muss man schon mit neun Landesstudios ausgestattet sein und über jede Kuh, die vom Blitz getroffen wird, einen Beitrag liefern.“ Bernhard Albrecht, COO ProSiebenSat.1 PULS 4, kritisiert die „schiefe Informationsverteilung“ und fordert mehr Transparenz von der APA ein. Albrecht: „Uns ist momentan unklar, wie die ORF/APA-Plattform nun konkret nichtdiskriminierend ausgestaltet werden soll.“

Konkret stößt man sich bei ProSiebenSat.1 PULS 4 an drei Punkten. Da seien zum einen die exklusiven Verträge mit den Content-Lieferanten. „Hier ist aus unserer Sicht nicht sichergestellt, dass weitere Anbieter einer Bewegtbild-Vermarktungsplattform diskriminierungsfrei in den Markt eintreten können“, sagt Albrecht. Falls der ORF seine Inhalte an die APA-Plattform liefere, müsse sichergestellt werden, dass andere Plattformen diese Inhalte zu den gleichen Konditionen beziehen können, fordert Albrecht. 

Ein weiterer Punkt betrifft die Content-Bezieher. „Im uns bekannten Entwurf der APA-Plattform werden als Sublizenznehmer nur Inhaber von Internetportalen zugelassen, deren primärer Unternehmensgegenstand die Erstellung von Inhalten durch Journalisten ist.“ Diese Einschränkung sei diskriminierend, so Albrecht. Zumindest theoretisch sollte der Content auch Plattformen wie puls4.com zur Verfügung stehen, erklärt der COO der Sendergruppe. 

Beim dritten Kritikpunkt geht es um die Bonifikation. „Nach den uns bekannten Plattformbedingungen erhalten Content-Provider eine Art ‚Minimumgarantie‘, wenn sie täglich mindestens 50 Bewegtbildinhalte zur Verfügung stellen“, sagt Albrecht. Hier ist die ProSiebenSat.1-PULS 4-Gruppe auf einer Linie mit ATV: Diese Anzahl könne derzeit nur der ORF stemmen. „Alle Videocontent-Produzenten sollten zu gleichen Bedingungen einliefern können“, so Albrecht weiter.

So reagiert die APA

Bei der APA kann man die Kritik der Privatsender nicht verstehen. Geschäftsführer Clemens Pig sagt auf Nachfrage vom HORIZONT: „Den Vorwurf der Intransparenz kann ich nicht nachvollziehen.“ Im ersten Halbjahr 2016 habe man sich mit allen Medienunternehmen, auch den privaten TV-Sendern, zusammengesetzt und sowohl die inhaltlichen Pläne als auch das Geschäftsmodell erklärt. Den Vorwurf, die Verträge seien auf den ORF zugeschnitten, weist Pig zurück: „Die Verträge sind auf keinen Content- oder Inventar-Provider zugeschnitten.“ Die APA sei ein neutrales Unternehmen und man habe die Videoaustauschplattform offen gestaltet. „Es liegt in der DNA der APA, alle gleich zu behandeln.“

Gleichzeitig sagt Pig aber auch, dass eine kritische Anzahl an Videos unbedingt nötig sei, um den kommerziellen Erfolg der Videoplattform nicht zu gefährden. Anders könne man dem Werbemarkt keine sinnvollen Angebote machen. Pig bestätigt die Anzahl von 50 Videos pro Tag: „Das ist eine Mindestmenge, um eine Bonifikation zu erhalten. Erlöse werden Partnern jedoch erst dann ausbezahlt, wenn die ihnen zustehenden Erlöse die Bonifikationssumme übersteigen, also nicht ‚on top‘.“ An der klassischen Werbevermarktung würden die Sender ab dem ersten Video teilnehmen, sagt Pig. Die Bonifikation sei zudem auf zwei Jahre befristet. „Ich kann zwar die Argumente der Privatsender verstehen, aber das ist einfach ein zentraler Punkt, um die Plattform ins Leben rufen zu können. Wir brauchen diese kritische Menge an Videos. Sonst könnte die Plattform eventuell gar nicht starten.“

‚Krone‘ und ‚Heute‘ winken ab

Auf Seiten der Content-Bezieher herrscht inzwischen auch schon ein wenig mehr Klarheit als noch vor wenigen Wochen. Gegenüber ­HORIZONT bestätigen Heute und die Kronen Zeitung, nicht an dem Projekt teilzunehmen. „Wir setzen auf eigene Videos und nicht auf Einheitsbrei“, sagt etwa Gerhard Riedler, Geschäftsführer Krone Multimedia. Maria ­Jelenko, Mitglied der Geschäftsführung bei heute.at, sagt: „Das ist für uns kein Thema.“ Man konzentriere sich lieber auf die seit Mitte Juni laufende Videokooperation mit krone.at und W24. Jelenko: „Die Zusammenarbeit läuft sehr gut und wir werden diese in Zukunft weiter ausbauen – auch von den technischen Möglichkeiten.“

,Österreich‘ an Bord

Fix dabei ist die Mediengruppe Österreich. oe24-Geschäftsführer Niki Fellner bestätigt, dass man Videos von der Plattform zeigen werde. „Wir halten die Plattform für ein spannendes Projekt, um das Videoinventar am österreichischen Onlinemarkt voranzutreiben.“ Zur Erinnerung: Die Mediengruppe Österreich wandte sich Anfang 2015 an die BWB. Allerdings nicht, um das Projekt zu verhindern. Weil man nicht Mitglied beim VÖZ ist, wäre man nach damaligem Stand vom Projekt ausgeschlossen gewesen.

Positive Signale kommen von der Verlagsgruppe News (VGN). Man sei in den Arbeitsgruppen, die rund um das Projekt gebildet wurden, dabei und stehe im ständigen Austausch mit der APA, so eine Verlagssprecherin. Und auch die Styria wird wohl die bereitgestellten Videoinhalte zeigen, eine Sprecherin sagt: „Die Styria Media Group, und hier vor allem die sd one, spielen in diesem Projekt eine wesentliche Rolle.“ Nach HORIZONT-Informationen stellt die sd one die Technik hinter der Plattform. Sollten Kleine Zeitung, Die Presse und Co die Videos tatsächlich zeigen, wäre das aber eine kleine Überraschung. In den vergangenen Jahren erklärte der Verlag mehrfach, man habe an ORF-Videos auf den eigenen Seiten kein Interesse. „Wir halten das für Kerngeschäft und werden unsere Zeitungsmarkenportale nicht mit ­anderen Medienmarken verwässern“, sagte Styria-Vorstand Klaus Schweighofer 2014 der APA. Im April 2015 legte er nach und erklärte im trend: „Ich bezweifle, ob das der Trennung zwischen öffentlich-rechtlich und privat entspricht, so wie es die Verfassung vorsieht.“ Weitere Verlage, die ihr Interesse am dem Projekt bekundet haben, finden Sie in der Factbox. 

Der Einfluss des ORF

Dass der ORF 45,6 Prozent an der APA hält, könnte auch noch Thema werden. „Eine starke mögliche Einflussnahme des ORF ist offenkundig“, sagt ProSiebenSat.1-PULS 4-COO ­Albrecht. Auch die BWB hat in diesem Punkt noch Bedenken. Zwar signalisierten die Wettbewerbshüter der APA grundsätzlich Zustimmung zum Projekt, empfahlen aber in einigen Punkten Anpassungen. „Dies betrifft etwa die Auszahlung von Mindestentgelten für bestimmte Videoanbieter und die weitere Reduzierung des Einflusses beziehungsweise der Information von APA-Genossenschafter und -Vorstand auf die Preisgestaltung“, so eine BWB-Sprecherin.
stats