Der Roboter-Kollege aus der Redaktion
 

Der Roboter-Kollege aus der Redaktion

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Derzeit ist ein regelrechter Hype um die intelligenten Maschinen entbrochen, der vor allem durch neue technologische Möglichkeiten befeuert wird.
Derzeit ist ein regelrechter Hype um die intelligenten Maschinen entbrochen, der vor allem durch neue technologische Möglichkeiten befeuert wird.

Chatbots erobern die Welt des E-Commerce, und auch Medien wie orf.at und die futurezone setzen auf die neue Technologie. Doch der User ziert sich noch.

Dieser Artikel erschien bereits in der HORIZONT-Printausgabe vom 2. Dezember 2016. Hier geht's zum Abo.

Mica, die Hipster-Katze, ist der perfekte Buddy zum Zeit totschlagen oder für die Planung des nächsten Kaffeehausbesuchs. Wer sich mit ihr online unterhält, der bekommt auf Wunsch putzige Katzenbilder oder die Adressen von angesagten Lokalen zugeschickt.

Die virtuelle Katze ist Österreichs erster Chatbot: Eine Software, mit der man dialogbasiert kommunizieren kann. Manche dieser Chatbots – wie Mica – dienen lediglich zur Unterhaltung und Information, bei anderen hingegen ist die Produktdatenbank eines Unternehmens hinterlegt, wodurch Waren in einem virtuellen Gespräch verkauft werden können.

Derzeit ist ein regelrechter Hype um die intelligenten Maschinen entbrochen, der vor allem durch neue technologische Möglichkeiten befeuert wird – als Startschuss wird die Entscheidung Facebooks gesehen, seine Messenger-App mit über einer Milliarde Nutzern pro Monat für Bots zu öffnen. 

Medien springen auf

Auch Medien springen auf den Zug auf. So wurde etwa der orf.at-Wahlbot entwickelt, der User im Chat mit Nachrichten rund um die Bundespräsidentenwahl informiert. Am Tag der Wahl soll er die Ergebnisse per Chat mitteilen – wer sich für eine spezifische Gemeinde interessiert, der kann sich für eine entsprechende Meldung registrieren. 

Auch das Tech-Portal futurezone.at arbeitet derzeit an einem eigenen Chatbot. Laut Michael Leitner, Redakteur bei der futurezone, sind Bots für Medien als weiterer Kommunikationskanal wichtig. Allerdings sind Medien noch auf der Suche nach der richtigen Strategie: Als Negativbeispiel gilt ein Versuch von CNN, bei dem eine normale Story schlichtweg auf 20 Chat-Postings aufgeteilt wurde – das frustriert den User bloß.

„Damit ein solches Projekt funktioniert, brauche es neue Inhalte und die entsprechenden Journalisten“, sagt Leitner. Ein Positivbeispiel wiederum ist der Chatbot des Guardian, der seine Abonnenten morgens mit den neuesten Headlines per Chat versorgt.

Abseits der Verbreitung der Nachrichten können Journalisten Chatbots verwenden, um an Informationen zu gelangen und neue Formen des partizipativen Journalismus ausprobieren – etwa, indem die Leser Fotos von einem Event per Chat teilen.

Auch das Feedback zu Storys ist hier anderes als auf Onlineportalen: Denn der Nutzer befindet sich in einem vermeintlich privaten Chat mit der Software, die Gespräche können aber von den Administratoren der Facebook-Seite eingesehen werden. Von orf.at heißt es dazu, dass man auf einer FAQ-Seite zum Wahlbot einen entsprechenden Hinweis hinterlassen habe. Stichwort: Privacy.

Neuland in Sicht

So sehr Unternehmen auch an ihren Chatbots feilen – für die User ist das Konzept noch Neuland. So ergab eine Statista-Umfrage in Deutschland, dass knapp drei Viertel der Befragten noch nie einen Chatbot verwendet haben – und von rund der Hälfte dieser Erfahrungslosen möchte auch niemand Kontakt zu Chatbots haben.

Anders ist das in China, wo bereits 300 Millionen User im chinesischen Chat-Programm WeChat ihre Kreditkartendaten hinterlassen haben: Mit diesen können sie per Chat sogar einkaufen, ohne die Messaging-App verlassen zu müssen. Damit sich das Konzept der Chatbots durchsetzt, ist es etlichen Marktteilnehmern zufolge wichtig, dass die Nutzer mit dieser neuen Technologie positive Erfahrungen machen – denn wenn das Gespräch mit dem Bot komplizierter ist als mit einem Call Center und die Software die Fragen nicht versteht, dann zieht der Nutzer frustriert von dannen.

Dazu ist es wichtig, dass die Unternehmen klare Konzepte skizzieren, bei denen ein Nutzen und eine Zielgruppe definiert werden. Gelingt das, dann könnten Bots ähnlich bedeutsam werden wie heute die Apps.
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