Der neue Kurs von krone.at
 

Der neue Kurs von krone.at

David Bohmann
Im Newsroom: Die krone.at-Geschäftsführer Gerhard Riedler und Michael Eder (r.) im Gespräch mit HORIZONT-Chefredakteurin Marlene Auer.
Im Newsroom: Die krone.at-Geschäftsführer Gerhard Riedler und Michael Eder (r.) im Gespräch mit HORIZONT-Chefredakteurin Marlene Auer.

Gemeinsam mit Gerhard Riedler führt nun Michael Eder die Krone Multimedia als Geschäftsführer. Von einem neuen CMS-System bis zu segmentierten Usergruppen: Dem HORIZONT verrät das Duo seine Pläne.

HORIZONT: Sie beide waren im Vorjahr einige Zeit in New York und Palo Alto um den Markt der Online-Start-ups zu studieren. Was waren die Erkenntnisse?
Eder: Was uns beeindruckt hat, war der offene Umgang mit Daten innerhalb der Verlage. Redakteure arbeiten eng mit Entwicklern zusammen, die im Übrigen einen immer wichtigeren Part einnehmen. Was wir oft gehört haben, war, dass sich Medienhäuser mehr zu Technikunternehmen entwickeln. Was Content Marketing anbelangt, konnten wir uns auch im Bewegtbildbereich ein sehr gutes Bild machen. Herkömmliche Werbeangebote treten oftmals in den Hintergrund oder werden komplett fallengelassen.


Riedler: Dass vieles mit der technischen Ausstattung steht und fällt, war ebenfalls sehr spannend zu hören. Wir werden also in den nächsten Monaten unter anderem unser CMS-System auswechseln. Das wird uns eine intensivere Kooperation von Print- und Onlinejournalismus ermöglichen – inklusive crossmedialer Vermarktungsmöglichkeiten. Auch Targeting und Re-Targeting sind dabei ein großes Thema. 


… weil Sie wohl auch in die personalisierte Nachrichtenverteilung gehen wollen?
Eder: Ja. Hier speziell am Mobilsektor, da haben wir unter anderem mit Push-Notifications sehr gute Erfahrungen gesammelt. Wir segmentieren neuerdings Usergruppen und senden ihnen gezielter Informationen, die sie interessieren. Außerdem testen wir Chatbots und starten mit einem neuen Früh-Newsletter.


Herr Riedler, zuletzt schätzten Sie den Hauptumsatz im digitalen Bereich auf 75 Prozent aus Desktop gegenüber 25 Prozent Mobile. Allerdings zeigen Studien, dass der mobile Bereich in der Nutzung rapide wächst. Hat sich nicht auch der Umsatz demnach verschoben?
Riedler: Noch nicht, in der Vermarktung liegen wir immer noch bei dieser Verteilung. 


Eder: Anders stellt sich die Entwicklung in der Nutzung dar: Bei den Zugriffen zeigt sich der Trend zu Mobile massiv. Da liegen wir bereits bei einem Verhältnis von 50 zu 50. Allerdings haben sich die Standardvermarktungsformen im Mobilen bislang nicht als rentabel erwiesen. Deshalb verfolgen wir jetzt mehr und mehr die Strategie – im Sinne von Content Marketing – Werbung in Inhalte zu integrieren, anstatt platte Werbeformen umzusetzen. 


Wie kann man mit Online denn wirklich Geld verdienen?
Riedler: Sicher nicht mehr mit reiner Bannerwerbung, mit der wir die letzten zehn Jahre vermarktet haben. Da werden wir nicht mehr wachsen. Gehen wir davon aus, dass die Unique User irgendwann den Plafond erreicht haben und die Preise nicht mehr steigen werden, sondern über Real-time Advertising – sagen wir es vorsichtig – konstant bleiben. Das bedeutet: Geld verdienen werden wir mit maßgeschneiderten Produkten, die über einen Banner hinausgehen, indem Pakete mit Radio und Print geschnürt oder Gewinnspiele und Gutscheinaktionen dazu gestartet werden. Kein Verlag verdient im Onlinebereich relevant Geld, auch wir nicht, aber wir sind auf dem richtigen Weg, es zu tun.


Auch mit den Erlösen der Pre-Rolls im Bewegtbildbereich?
Riedler: Derzeit erzielen wir eine Auslastung von 80 Prozent. Eine hundertprozentige Auslastung werden wir in diesem Segment nie erreichen, weil es Videos gibt, bei denen man keine Pre-Rolls davor haben möchte. Das Thema hier ist, noch mehr Videoabrufe zu generieren, denn damit steigern wir unsere Erlöse. Es ist aber nur ein kleiner Teil unserer Monetarisierungsstrategie, weil den Videoabrufen natürliche Grenzen gesetzt sind. Diesen hinterlegt man die Auslastung und den TKP – und so errechnen wir, was wir verdienen können. Das ist eine leichte Rechenübung die zeigt: Pre-Rolls alleine werden uns nicht das Überleben in der Zukunft sichern. 


Bei der Reichweite haben Sie in der jüngsten ÖWA Plus den Standard überholt. Durch welche Maßnahmen ist Ihnen das gelungen? 
Eder: Wir haben eine Reihe erfolgreicher Maßnahmen gesetzt. Klarer Wachstumstreiber ist hier Social Media. Unter der Leitung von Paul Tikal ist es gelungen, innerhalb weniger Monate mit dem Facebook-Auftritt der Krone mehrfach auf Platz eins der monatlichen Social-Media-Charts zu kommen und auch über die Landesgrenzen hinweg Menschen für die Marke Krone zu begeistern. Daneben experimentieren wir mit einer Reihe anderer Kanäle. Schließlich muss es unser Ziel sein, die User mit unseren Inhalten überall zu erreichen. Die Herausforderung dabei ist es, die richtigen Mechaniken und Erzählweisen zu finden. 


Riedler: Erfolg zeigt auch die neue Ausrichtung von krone.at durch ­Richard Schmitt. Er hat die Redaktion auf den neuesten Stand gebracht: in der Aktualität und in der Relevanz der Themen. Außerdem haben wir unser Bewegtbildangebot mit krone.tv, vor allem im News-, im Sport- und im Societysegment, ausgebaut. Das macht sich jetzt bezahlt: Während wir vor rund zwei Jahren bei 400.000 Videoabrufen im Monat lagen, generieren wir jetzt 2,5 bis 3 Millionen. 


Eder: Parallel dazu haben wir unsere regionale Berichterstattung kontinuierlich erweitert. Subchannels, die von unseren Bundeslandredaktionen befüllt werden, bieten topaktuellen Regionalcontent. Hier war es wichtig, die Redaktionen nicht nur mit neuen Mitarbeitern zu besetzen, sondern das bestehende Team für neue Medien zu begeistern. Dafür haben wir ein Team im Einsatz – die New York Times nennt das „Digital Transition Team“ – das in regelmäßigen Abständen die Bundesländer besucht und den digitalen Wandel vorantreibt. Wichtig für die gestiegene Reichweite waren auch unsere Bemühungen im Bewegtbildbereich. Hier haben wir unsere Produktion sukzessive erweitert, technische Abläufe verfeinert und testen gerade einige neue Formate.


Sie haben vorhin Richard Schmitt als Mastermind hinter der neuen Ausrichtung erwähnt. In einem Interview mit dem Fleisch-Magazin sagte er: „Wenn Strache einen normalen Bericht von uns auf Facebook teilt, dann merken wir, das haut die Quote auf das 1,5-Fache hoch. Und umgekehrt kriegt er natürlich auch mehr Traffic, wenn wir ihn pushen.“ Geht es also um Reichweite um jeden Preis?
Riedler: Das sicher nicht, aber Schmitt ist ein Mann, der den Journalismus von der Pike auf gelernt hat und dessen Ziel es ist, möglichst viele Leser zu erreichen. Aufgrund der Größe unseres Mediums bedienen wir alle Userinteressen und Bevölkerungssegmente – vom Akademiker bis zum Arbeiter, vom politischen Links- bis zum Rechtsaußen. 


Eder: Man sollte hier auch erwähnen, dass es noch Dutzende andere Themen gibt, die ebenfalls die Reichweite steigern. 


Riedler: Und es sind an sich nicht die FPÖ-Themen, die uns pushen. Sondern generell Themen, die die Bevölkerung bewegen – und von der FPÖ eben recht einseitig besetzt werden. 


Auch weil die FPÖ mehr Medienarbeit betreibt?
Riedler: Ja, das habe ich so gehört. Auch, dass sie im Social-Media-Bereich deutlich stärker präsent sind.


Im Gesellschafterstreit zwischen Funke und Dichands wird demnächst der Schiedsspruch erwartet. Beide haben ein Vorkaufsrecht auf die jeweils andere Hälfte der Krone. Nachdem Eva Dichand nun Anteile von Heute an Tamedia verkauft hat, wird gemutmaßt, das Geld könnte dafür verwendet werden. 
Riedler: Gerüchte, dass sich die Eigentumsstruktur von Mediaprint ändern könnte, höre ich seit ich für das Unternehmen tätig bin. Der Verkauf von Heute-Anteilen hat auf Mediaprint keinen Einfluss. 


Langzeitgeschäftsführer ­Altermann schied aus der Krone Multimedia aus, Dichand machte zuletzt keine Angaben über seine Zukunft als Krone-Geschäftsführer. Als aussichtsreicher Kandidat für diesen Posten gelten Sie, Herr Riedler. Was sagen Sie dazu?
Riedler: Das ist eine Entscheidung die nicht ich treffe, sondern Herr Dr. Dichand. 


Ist er deshalb auf Sie zugekommen? 
Riedler: Ja, wir haben darüber gesprochen.


Und würden Sie „Ja“ sagen?
Riedler: Selbstverständlich, das ist ja eine tolle Aufgabe. Aber im Moment kein Thema. 


Abzuwarten gilt es auch beim Rechtsstreit um die Internetrechte für die Fußball-WM 2014 zwischen der Kronen Zeitung und Österreich.
Riedler: Die Berufung läuft gerade. Österreich hat bereits eine Gegendarstellung gebracht. Wir sind guter Dinge, das ist ein Prozess den wir nur gewinnen können.


Abschließend noch zu Ihren Zielen in der Multimedia, Herr Eder. Was ist Ihre nächste Benchmark?
Eder: In der aktuellen ÖWA Basic für August haben wir bei den Visits gerade derstandard.at überholt und sind nun zum ersten Mal in dieser wichtigen Kennzahl die Nummer eins unter den Newsportalen. Diese Poleposition auch in der ÖWA Plus weiter auszubauen, ist unser nächstes Ziel.
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