"Da kommen der Konkurrenz die Tränen"
 

"Da kommen der Konkurrenz die Tränen"

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Andreas Lampl und Jochen Hahn über Kosten, Content und Zukunftspläne des gemeinsamen Web-Auftritts von "Format" und "trend".

"Format" und "trend" bündeln seit kurzem ihre Online-Aktivitäten. HORIZONT online hat diesbezüglich mit Andreas Lampl, dem Chefredakteur der beiden Print-Magazine, sowie mit dem Online-Ressortleiter Jochen Hahn gesprochen.

Horizont: Warum kommt es zu der Verschmelzung von format.at und trend.at?

Andreas Lampl: Verschmelzung ist nicht ganz das richtige Wort. Es stimmt, dass wir jetzt einen gemeinsamen Online-Auftritt haben, allerdings, wenn man es genau nimmt, hatte der "trend" vorher nicht wirklich einen Web-Auftritt. Dieser war kaum gewartet, und es war keine großartige Strategie dahinter. Es wurden ein paar Print-Geschichten publiziert. Als wir uns entschieden haben, format.at zu professionalisieren, haben wir trend.at gleich mitgenommen. Es macht ja keinen Sinn, für zwei Wirtschaftsmagazine aus demselben Haus zwei unterschiedliche Wirtschaftsportale zu launchen.

Horizont: Welchen Content gab es denn bisher im Detail auf den beiden Webseiten?

Lampl: Auf trend.at gab es auszugsweise ein paar Print-Artikel, sonst gab es wenig Content. Seit ungefähr eineinhalb Jahren ist format.at etwas professioneller. Wir haben die Printartikel, die dort ebenfalls in Auszügen standen, in aktuellen Wirtschaftscontent eingebettet, und es gab eine Art Wirtschaftsticker.

Jochen Hahn: Ja, format.at hat ein wenig mehr geboten, es gab ein paar aktuelle Geschichten, aber in Wirklichkeit war alles suboptimal.

Horizont: Wie viele Personen betreuen die neue Plattform?

Hahn: Das neue Online-Team besteht aus vier Mitarbeitern. Mit Robert Prazak und Harald Fercher ist es uns gelungen, zwei Top-Redakteure zu verpflichten. Im Sommer werden wir das Team noch erweitern. Das Portal soll ja kontinuierlich wachsen.

Horizont: Welche Strategie verfolgen Sie mit dem "Portal für Wirtschaft und Geld"?

Hahn: Wir haben uns anfangs folgende Frage gestellt: Wie kann man im derzeitigen Markt und der Konkurrenzsituation zu einem starken Mitspieler werden? Unseren Vorteil sehen wir darin, dass der Print-Content beider Magazine, den wir ins Netz stellen, viel langlebiger ist, als beispielsweise jener einer Tageszeitung. Dieser wird durch tagesaktuelle Wirtschaftsberichterstattung komplettiert.

Lampl: Wobei es in Wahrheit eher umgekehrt ist: Der Online-Content wird durch das Print-Angebot komplettiert.

Horizont: Können Sie schon Zahlen vorweisen?

Hahn: Seit Februar, damals gab es noch die alte Plattform, haben wir die Zugriffe vervierfacht. Aktuell stehen wir bei knapp 300.000 Visits im Vier-Wochen-Durchlauf.

Horizont: Arbeiten Online und Print gar nicht zusammen?

Hahn: Doch. Sie arbeiten insofern zusammen, dass man Schnittstellen findet. Aber eine integrierte Redaktion ist ein Wunschtraum, der nirgends funktioniert. Das ist bestenfalls ein schöner Marketinggag der Konkurrenz. Wobei speziell im Finanzbereich eine wirklich integrierte Redaktion sehr viel Charme hätte. Vielleicht fällt uns diesbezüglich demnächst noch etwas ein.

Lampl: Was wir schon jetzt ansteuern, und das ist ein Prozess, der aber nicht von heute auf morgen funktioniert, ist, dass die Print-Kollegen stärker mitdenken und den Onlinern Anregungen und Inputs geben. Nachdem unsere Magazine nur wöchentlich beziehungsweise monatlich erscheinen, gibt es oft den Fall, dass Nachrichten aus Aktualitätsgründen sofort hinausgespielt werden müssen. Solche Geschichten trägt die Print-Redaktion dann zu den Onlinern. Bislang gibt es ein paar, die in einer gewissen Regelmäßigkeit daran denken, bei den anderen dauert es ein bisschen länger, bis man diesen zweiten Kanal der Nachrichtenübermittlung intus hat. Stärkere Einbindung bei der interaktiven Kommunikation ist auch erwünscht. Die Redaktion soll mit den Lesern in direkten Kontakt treten. Kommentare und Blogs bieten als Tools ideale Möglichkeiten. In diesem Punkt sind wir aber zugegebener Maßen noch am Anfang. Der aktuelle Content kommt im Wesentlichen von der Online-Redaktion.

Horizont: Da sie jetzt tagesaktuell sind, drängt sich natürlich die Frage auf, ob Sie dem "Wirtschaftsblatt" Konkurrenz machen möchten...

Hahn: Das liegt in der Natur der Sache. Ob man das will oder nicht - das wird passieren. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft.

Lampl: Wir haben die Plattform nicht aus dem Antrieb heraus gegründet, um dem "Wirtschaftsblatt" Konkurrenz zu machen, sondern wollen damit möglichst rasch Geld verdienen. Dass sich daraus automatisch eine Konkurrenz-Situation ergibt, lässt sich nicht vermeiden.

Horizont: Ist denn die Zusammenlegung der beiden Print-Titel ein Thema?

Lampl: Nein. Die beiden Redaktionen arbeiten weiterhin selbstständig und parallel. Wir versuchen aber, die Durchlässigkeit ein wenig zu erhöhen. Es ist durchaus erwünscht, dass ein "trend"-Kollege auch einmal etwas im "Format" publiziert und umgekehrt. Das passiert derzeit aber noch so gut wie gar nicht.

Horizont: Wie verlief die Umsetzung des neuen Portals?

Lampl: Im Haus haben wir eine tolle Voraussetzung, da es mit der Networld eine Basis gibt, die die Infrastruktur bereitstellt. Also haben wir uns von dort ein bisschen Know-how geholt, aber das meiste stammt von Kollegen Hahn und seinem Team. Daher konnten wir das Projekt ohne externe Beratung, ohne teure Agenturen umsetzen.

Hahn: Ein weiterer Vorteil ist, dass der News Verlag auf eine gemeinsame technische Plattform setzt. Wir verwenden alle dasselbe CMS und können daraus verschiedenste Projekte entwickeln. Das erlaubt eine schlanke Umsetzung - und zwar so kostengünstig, wie ich es selbst nicht für möglich gehalten hätte. Die reinen Projekterstellungskosten für Umsetzung und Entwicklung belaufen sich auf knapp 10.000 Euro. Da kommen der Konkurrenz wohl die Tränen.

Horizont: Wie wird es mit dem "Portal für Wirtschaft und Geld" weitergehen?

Hahn: Wir setzen verstärkt auf Kooperationspartnerschaften, beispielsweise bankdirekt.at mit einer Kurskooperation. Ziel ist es, den Usernutzen dadurch zu maximieren und nebenbei auch noch gutes Geld zu verdienen. Diesen Kurs werden wir weiter fahren.

Lampl: Wir setzen dabei auch einen Serviceschwerpunkt. Aktuell haben wir schon Kooperationen in den Bereichen Recht und Steuern. Es wird demnächst sicher noch weitere Kanäle geben, beispielsweise für Fonds oder Versicherungen. Wenn pro Monat einer dazu kommt, ist das realistisch. So ungefähr wird das Tempo sein.

Hahn: Das Portal wird sukzessive ausgebaut und die Qualität gesteigert. Der User soll mit dem Informationsangebot rundum zufrieden sein und öfter am Tag wieder kommen. Zurückhalten werden wir uns allerdings bei allem, was teuer ist. Es hat einen gewissen Vorteil, dass wir so spät starten: Wir vermeiden Fehler, die die Konkurrenz gemacht hat. Apps werden wir erst dann kreieren und umsetzen, wenn wir das für gut befinden und ein Business-Plan dahinter steht, der uns die Sache auch in kürzester Zeit monetarisieren lässt. Für Experimente sind wir nicht zu haben. Wir wollen schließlich Geld verdienen und das tun wir auch seit dem ersten Tag.

Lampl: Wir warten auch nach wie vor mit einer iPad-Version für die Magazine. So lange die Download-Zahlen so sind wie bei der Konkurrenz, glaube ich, können wir es uns durchaus leisten, da noch ein bisschen zuzusehen.

Hahn: Es wird auch keinen Bezahlbereich geben, weil das Wartung und Personaleinsatz voraussetzt. Daran beteiligen wir uns so lange nicht, bis wir etwa ein Zehntel der Zugriffe haben, die das "Handelsblatt" hat. Ich glaube, uns nimmt es niemand übel, wenn wir nicht bei jedem technischen Gimmick des Online-Marktes vorne mit dabei sind. Das sollen die anderen machen und weiter damit Geld versenken.

Horizont: Und welche Ziele verfolgen Sie längerfristig?

Hahn: Bis Ende nächsten Jahres möchten wir eine Million Visits im Monat erreichen. Wir werden dabei auf Qualität setzen. Das Motto lautet: Content first! Wir investieren laufend in redaktionelle Qualität. Wir haben jetzt schon Zugang zum besten deutschsprachigen Agenturcontent und wir achten sehr auf Bildsprache. Das ist ein Qualitätsmerkmal, das sehr viele vernachlässigen. Wir tun das nicht.

Horizont: Wie wird denn das Portal aktuell beworben?

Hahn: Auf wirtschaftsblatt.at und dem Wirtschaftschannel von derstandard.at läuft eine Bannerkampagne. Außerdem schalten wir in unseren Magazinen Printwerbung.

Lampl: Da nutzen wir natürlich die Power der Verlagsgruppe News. Die Anzeigen erscheinen klarerweise in "trend" und "Format", außerdem noch in "profil", "News", "Autorevue" etc.

Hahn: Es sind Gewinnspiele und Flyeraktionen geplant. Google AdWords setzen wir selbstverständlich auch ein. Das funktioniert alles sehr gut. Der Response ist bisher enorm - auf Kunden- sowie auf Userseite.

Horizont: Welchen Stellenwert nimmt Social Media ein?

Hahn: Auf Twitter sind wir sehr gut unterwegs, unsere Twitter-Gemeinde wächst stetig. Facebook verwenden wir natürlich auch. Für uns sind die eigenen Facebook-Aktivitäten aber nicht entscheidend. Viel wichtiger ist, dass unser Content so hochwertig ist, dass jemand, der auf Facebook unterwegs ist, unsere Inhalte empfiehlt. Wir werden jedenfalls kein Geld für Facebook-Kampagnen ausgeben.

Lampl: Für uns ist Twitter das wichtigere Medium. Wir haben auch keinen Automatismus eingestellt, wie es viele andere tun. Sondern wir posten ausgewählte Inhalte und beschlagworten diese gut. Seit dem Launch haben wir täglich 15 bis 20 neue Follower. Das reine Facebook-Freunde-Zählen überlassen wir dem Bundeskanzler.

Zur neuen Online-Plattform geht es übrigens hier.

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