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Cookie-Tracking: "Müssen Menschen vor US-Firmen schützen"

Am Tag 2 der Medientage diskutierten Experten das heiße Thema Tracking im Internet - sollen Cookies verboten werden?

Die EU-Datenschutzverordnung steht vor der Tür, und die Werbe-Branche ist ob der möglichen neuen Cookie-Regeln verunsichert. “Bei sämtlichen Infos über Personen, die direkt oder indirekt auf eine Person zurückzuführen ist, handelt es sich um personenbezogenes Datum”, sagte Isabell Lichtenstrasser, Rechtsanwältin bei IT-LAW.AT, über die derzeitige Vorlage der EU-Kommission, die von Rat und Parlament aber natürlich noch verhandelt werden muss. Fest stehe jedenfalls: “Selbstregulierungsmaßnahmen sind schön, aber werden bei der künftigen EU-Datenschutzgrundverordnung nicht reichen”, so Lichtenstrasser.

Bezahl-Angebote für Tracking-freie Seiten gefordert


Sarah Spiekermann, Forscherin an der WU Wien, sagte, dass ein Opt-out aus Cookie-Tracking nicht reichen würde, weil dann 95 Prozent der Bevölkerung ungeschützt bleiben würde. “Die Menschen machen das nicht. Die Politik und die Wirtschaft müssen die Voreinstellungen so machen, sodass wir geschützt sind", so Spiekermann. “Wir müssen die Menschen standardmäßig vor diesen US-amerikanischen Unternehmen schützen.” Sie schlägt folgende Lösung vor: Webseiten sollten Nutzern eine Datenschutz-freundliche Version gegen Gebühr bieten. Forschungen hätten gezeigt, dass User gewillt sind, zwischen 90 Cent und drei Euro pro Monat für werbefreie und Datenschutz-sichere Web-Dienste zu zahlen.

"Cookies sind beste Lösung aus Datenschutz-Sicht"

Kimon Zorbas, IAB Europe, vertrat naturgemäß einen völlig anderen Standpunkt. “Die gesamte Wirtschaft geht zu einem Daten getriebenen Geschäftsmodell über. Die Frage ist nicht, ob getrackt werden soll, sondern wie”, sagte Zorbas. “Die EU-Kommission hat für mich nicht nachvollziehbar klarmachen können, warum wir strengere Regeln brauchen.” Er plädiert für den Erhalt von Cookies. “Cookies sind immer noch die beste Lösung aus Datenschutz-Sicht. Sie befinden noch auf dem Rechner des Nutzers, können eingesehen werden, und das Tracking findet nicht im Back-End statt."

Fehlende Unterscheidung

Alexander Mitteräcker von derstandard.at sagte, dass man als werbefinanzierter Webseiten-Betreiber an Third-Party-Cookies nicht herum komme. “Wir haben keine Wahl. Wir leben von Werbung, die Werbung wird von Ad-Servern ausgeliefert, und die setzen Cookies”, so Mitteräcker. Das Targeting auf Basis der Daten von einer Webseite sei O.K. und nützlich, aber Retargeting auf Basis des Surf-Verhaltens der User auf anderen Seiten nicht. Mitteräcker beklagte deswegen auch die fehlende Unterscheidung zwischen First- und Third-Party-Cookies.

Moderatorin Lilian Meyer-Janzek vom IAB demonstrierte anhand der Browser-Plugins Ghostery und Collusion, welche Firmen auf verschiedenen Webseiten mittels Cookies tracken.
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