CNN: Erfolgsgeheimnis Partnerschaft
 

CNN: Erfolgsgeheimnis Partnerschaft

CNN präsentiert sich nahbar – Greg Beitchman, verantwortlich für Content Sales, erzählt von neuen Strategien und bewährten Erfolgsrezepten

London. Es ist ein unauffälliger Eingang ohne großes Tamtam. Dezente Glasfronten, ein Welcome Desk und im zweiten Stock liegt der dicht besetzte offene Newsroom, übrigens der größte außerhalb der USA, mit modernen ­Studios. Alles ist um vieles kleiner, ­bescheidener, ein bisschen sympathischer und nahbarer als bei der BBC, dem größten Konkurrenten, der sein hypermodernes übermächtiges Headquarter nur zwei Gassen weiter hat. Der amerikanische Sender, der 1980 als erster reiner Newskanal on air ging, gegründet von Ted Turner, ist eine Tochter der Turner Broadcasting System (TBS). TBS ist wiederum eine Tochter des Time-Warner-Konzerns mit Sitz in Atlanta in den USA, betreibt weltweit 160 Sender in 37 Sprachen und 200 Ländern, darunter CNN, TNT oder Cartoon Network. Der Österreicher Gerhard Zeiler ist Präsident von TBS International, verantwortlich für das Business außerhalb der USA. "CNN International arbeitet mit großen Hubs in London, Hongkong und Abu Dhabi und 45 internationalen Büros sowie einem Netzwerk von mehr als 1.200 Affiliate-Broadcastern weltweit, 900 davon in den USA", erklärt Greg Beitchman, Vice President Content Sales und Partnerships, der Japanisch, Hindi und Französisch spricht und selbst lange Jahre Journalist und Producer war und heute im kommerziellen Geschäft tätig ist. Meistgefolgte CNN-Journlistin AmanpourEs gibt Partner wie RTL, den ORF oder France 2, aber auch Lizenzen, die an Broadcaster vergeben werden, wie auf den Philippinen oder in Indonesien. "Obwohl organisatorisch kleiner, weshalb wir eben auf Partnerships setzen, sind wir an BBC dran. Christiane Amanpour, Chief International Correspondent, ist mit mehr als 1,3 Millionen Followern die meistgefolgte Journalistin auf Twitter. CNN International hat mehr als 3,5 Millionen Follower und 8,5 Millionen Facebook-Likes", zählt er auf. Die digitale Welt gewinnt wie überall an Bedeutung - wobei rund zehn bis 15 Prozent des ­Geschäfts hier generiert werden. Die Medienwelt ist nicht einfacher geworden, weiß auch Beitchman und erzählt von einem Freund, der heute als Editor in Chief im Nissan Newsroom Nachrichteninhalte gestaltet oder bei Reuters zukauft. Automobilunternehmen als News-Broadcaster? "Heute ist jeder Publisher, da muss sich CNN abheben und als starke Qualitätsmarke ­behaupten", erklärt Beitchman. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat CNN Content Marketing für sich ausgeschlossen, informiert er weiter. Transparente BerichterstattungCNN steht schließlich für Transparenz, eine ehrliche und ausgeglichene Berichterstattung, guten Journalismus. Ebenso Teil eines neuen Businessmodells sei eine verstärkte Zusammenarbeit mit Print-Publishern, gibt Beitchman Einblick. So gebe es eine Allianz von CNN, Financial Times und Guardian bei Onlinewerbung, aber auch Nachrichten jedweder Art werden geteilt. Ein gutes Geschäft für den Sender ist neben Werbung, vorwiegend mit Kunden aus der Luftfahrt-, Tourismus- und Luxusbranche das Vertriebsgeschäft mit Hotels weltweit. Denn im Unterschied zu manch anderem Sender, der sich hier teuer einkaufen muss, wird CNN dafür bezahlt, dass es in Hotelzimmer Eingang findet. Partnerschaften sind ein Erfolgsgeheimnis: "Wir glauben an Kommunikation und viele verschiedene Wege der Monetarisierung. CNN ist Teil der Newsfeeds unserer Partner und User klicken sich so auf unsere Website. Affiliates stellen uns wiederum Inhalte zur Verfügung. Wir laden unsere Partner auch zu Trainings, besuchten zum Beispiel letztes Jahr gemeinsam das Silicon Valley. Es gibt viele Varianten", lacht er, "nur bei YouTube laden wir keine Inhalte hoch, schließlich sollen die Zuseher auf unsere eigene Plattform kommen."

Dieser Artikel erschien bereits am 8. Mai in der HORIZONT-Printausgabe 19/2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.
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