Chauffeur-Dienst Uber startet in Wien
 

Chauffeur-Dienst Uber startet in Wien

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Das in den USA bereits sehr populäre Start-up, das Fahrgäste an Limousinen-Fahrer vermittelt, kommt nach Österreich. Uber bekommt Provisionen für die Vermittlung, Limousinen-Firmen sollen mit Hilfe des Dienstes Stehzeiten reduzieren - und die Fahrgäste ein Premium-Erlebnis kaufen

Der in mehr als 70 Städten verfügbare Internet-Dienst Uber aus San Francisco, der Nutzer seiner Smartphone-App einen Chauffeur mit luxuriösem Wagen bestellen lässt, startet diese Woche in Wien. Das hat HORIZONT exklusiv von Patrick Studener, der als gebürtiger Österreicher bei Uber als “International Launcher” für den Start des Dienstes in neuen Städten verantwortlich ist (zuletzt Zürich und Kapstadt), und Johannes Wesemann (zuvor bei der Business-Development-Firma Emergy), dem neuen General Manager bei Uber Österreich, erfahren. Weitere österreichische Städte sind vorerst nicht geplant. Uber wird ab sofort im Rahmen einer Testphase Nutzer der kostenlosen App (für iPhone, Android) an Fahrer vermitteln, die sich bei dem Dienst angemeldet haben. Das Besondere bei Uber: Der Transport von A nach B soll zum außergewöhnlichen Erlebnis werden.

Limousine per App ordern

Die Smartphone-App funktioniert denkbar einfach: Auf einer virtuellen Karte kann man den Standort von freien Uber-Autos abrufen und sich ­eines davon bestellen. Bei Angabe von Abhol- und Zielort berechnet die App auch gleich einen ungefähren Preis, der sich dann während der Fahrt konkret aus einer Grundgebühr und Kilometer-beziehungsweise Zeittarif zusammensetzt. Fahrer und Passagier können außerdem Kontakt via Anruf aufnehmen, und nach der Fahrt darf der Gast seinen Chauffeur bewerten.

Uber ist in den USA bereits ein großer Erfolg und vor allem bei Prominenten, Businesskunden und der Upper Class beliebt. Die 2009 von Garrett Camp und Travis ­Kalanick in San Francisco gegründete Firma wird von Investoren auf einen Wert von bis zu vier Milliarden Dollar geschätzt und soll pro Woche 800.000 Fahrten abwickeln – bei einem Jahresumsatz von 213 Millionen Dollar im Vorjahr, wie US-Medien berichten. Anders als viele Taxiunternehmen setzt Uber laut Studener auf „hochwertige Fahrer und hochwertige Autos“, die vor der Aufnahme in den Uber-Dienst vom österreichischen Team getestet werden. Der Anspruch: Die Chauffeure sollen besondere Freundlichkeit und Aufmerksamkeit gegenüber dem Fahrgast an den Tag legen und die Wagen Limousinen-Feeling vermitteln – etwa der Marken Audi, Mercedes oder BMW.

Soft Launch mit "dutzenden" Autos


Laut Studener werde Uber „zuerst ­Dutzende, später Hunderte“ Wagen in Wien auf der Straße haben. Die US-Firma unterhält aber keinen eigenen Fuhrpark, sondern fungiert lediglich als Vermittler und Technologiedienstleister zwischen den Kunden und den Fahrern. Diese rekrutieren sich vor ­allem aus bestehenden lokalen Chauffeur-Services, die mithilfe der App Stehzeiten füllen können. Da Uber in Österreich zu Beginn als Premium­-Service (in den USA gibt es mit „UberX“ auch eine günstigere Version des Dienstes, mit der praktisch jeder sein Auto zum Uber-Taxi umfunktionieren kann) auftritt, werden die Fahrpreise spürbar über jenen von Funktaxis ­liegen. In der anfänglichen Testphase will Uber in Wien mit vergünstigten Preisen Neukunden anlocken.

Zu Beginn kann es aufgrund der geringen Fahrerzahl zu längeren Warte­zeiten kommen. Vorbestellungen sind bei Uber nicht möglich, da sich die Fahrer nach Belieben an- und ab­melden können und deswegen keine Vorausplanung von Fahrten möglich ist. Wer also morgens zum Flughafen möchte, sollte sich nicht darauf verlassen, dass dann gerade ein Uber-Wagen in der Nähe buchbar ist.

Die Bezahlung wird ausschließlich per Kreditkarte über die Uber-App abge­wickelt – Barzahlung ist keine möglich. Konkrete Fahrpreise konnten oder wollten Studener und Wesemann vorerst nicht nennen, die Stornierung ­einer Fahrt wird aber etwa zehn Euro kosten. Auch hält sich die Firma bedeckt, wie viel Prozent Provision sie vom Fahrpreis für die Kundenvermittlung nimmt – Branchenkennern aus den USA zufolge soll der Prozentsatz bei etwa 20 liegen.

Dort steht die Firma, in die etwa Google, Goldman Sachs oder Amazon-Chef Jeff Bezos investiert haben, auch in der Kritik. Konkur­rierende Taxiunternehmen kämpfen ­dafür, dass Uber strengere Auflagen ­bekommt. Denn anders als sie ist Uber nicht an gesetzliche Preisvorgaben gebunden, sondern legt seine Transportpreise mithilfe eines Algorithmus fest, der auf Angebot und Nachfrage basiert. So kann es zu Stoßzeiten oder während großer Events bei entsprechend hoher Nachfrage sein, dass eine Uber-Fahrt deutlich mehr kostet als normal. Auch die eigenen Fahrer protestierten bereits auf offener Straße in San Francisco gegen Uber, weil sie sich um ihr Trinkgeld betrogen sahen. In Frankreich demolierten erboste Taxifahrer gar mehrere Uber-Wagen, schlugen Scheiben ein und zerstachen Reifen.

Fokus auf Community und Word of Mouth


In Wien wird Ubers neue Community-Managerin Romy Zöllner, die ­zuvor für Uber in Berlin tätig war, dafür zuständig sein, Wünsche, Anregungen und Beschwerden von Kunden und Fahrern möglichst zeitnah zu beantworten. Wichtig ist es dem Dienst, dass Fahrgäste und ihre Chauffeure sich über die App identifizieren und etwa per Telefon in Kontakt treten können. So soll man den Uber-Fahrer auch im Nachhinein kontaktieren können, wenn man etwas im Wagen vergessen hat.

In Sachen Marketing setzt der ­Wiener Ableger der US-Firma vorerst gänzlich auf „Word of Mouth“: Überzeugte Kunden sollen ihre Freunde via Social Networks und Gutschein-Codes zum Testen des Services auffordern können, man hofft auf eine virale Verbreitung. Außerdem will man mit ­Spezialaktionen (zum Beispiel mit ­Sonderaktionen zu Feiertagen) auf sich aufmerksam machen und Koopera­tionen mit Restaurants oder anderen Start-ups eingehen.
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