Breitbandmilliarde: So rüstet sich Österreich...
 

Breitbandmilliarde: So rüstet sich Österreich für die mobile Zukunft

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Business process photo. Account manager using mobile phone. Typing contemporary smartphone screen. Horizontal.
Business process photo. Account manager using mobile phone. Typing contemporary smartphone screen. Horizontal.

Der heimische Datenverbrauch ist in den vergangenen Jahren explodiert – auch getrieben durch mobile Videonutzung. Nun soll ausgebaut werden.

Österreich ist ein Mobilfunk­land, und der Anstieg des Datenverbrauchs der heimischen Handynutzer nimmt gewaltige Ausmaße an: Laut RTR Telekom Monitor Jahresbericht 2016 wurden im vergangenen Jahr 571.480 Terabyte verbraucht, was fast einer Verdopplung (plus 90,9 Prozent) gegenüber dem Vorjahr entspricht. Weiters heißt es im Jahresbericht, dass im letzten Quartal 2016 der Datenverbrauch je SIM-Karte im Vergleich zum Vorjahr um 84,8 Prozent auf 4,758 Gigabyte angestiegen ist – während die Zahl der versandten SMS im gleichen Zeitraum um 21,1 Prozent und die Anzahl telefonierter Minuten um 3,4 Prozent sank. Ein starker Treiber des wachsenden mobilen Datenverkehrs ist die Nutzung von Mobile-Video, was ebenfalls etliche Studien untermauern: Laut Mobile Communication Report der Mobile Marketing Association Austria besuchten im Vorjahr 37 Prozent der Befragten gezielt Seiten und Apps mit Videocontent; 51 Prozent schauen Videos, wenn sie zufällig darauf stoßen. Der Anteil ist bei der jungen Zielgruppe der 15- bis 29-Jährigen deutlich höher, nämlich 63 beziehungsweise 74 Prozent.

Der beliebteste Videodienst ist dem Report zufolge YouTube mit 63 Prozent, gefolgt von der ORF TVthek mit 25 Prozent. Es folgen Amazon Prime (14 Prozent) und Netflix (acht Prozent). Dass sich dies auch in der Werbung wiederspiegelt, zeigen Zahlen der AdEx Benchmark-Studie von iab Europe und IHS Markit, laut der 2016 Onlinevideowerbung in Österreich um 26,3 Prozent wuchs und somit 15,6 Prozent des Onlinewerbemarkts ausmachte. Was dieses Wachstum für die Entwicklung des Datenverbrauchs bedeutet, lassen offizielle Daten von Netflix erahnen: Dort heißt es, dass eine Stunde HD-Content bis zu drei Gigabyte Datenverbrauch verursacht, bei einer Stunde Netflix in Ultra-HD sind es gar sieben Gigabyte.

Um dem starken Datenverbrauch entgegen zu kommen und Österreich für die Zukunft zu rüsten, wurde die „Breitbandmilliarde“ ins Leben gerufen, mit der das bmvit bis 2020 eine Milliarde Euro in die Breitbandinfrastruktur investiert.

Wem hilft die Breitbandmilliarde?

Bisher wurden in den Ausschreibungen der Förderungsprogramme des bmvit rund 200 Millionen Euro an Förderungen vergeben. Derzeit ist die vierte Phase des Leerrohrförderprogramms ausgeschrieben, heißt es von Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) . Hier können sich Österreichs Gemeinden Fördermittel in Höhe von 30 Millionen Euro holen – damit soll der Anschluss von Gebäuden an Glasfasernetze unterstützt werden. Größter Nutznießer der Breitbandmilliarde war bisher der Marktführer Telekom Austria.

Kritik an der Breitbandmilliarde kommt von verschiedenen Seiten – unter anderem von Wirtschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP), der kritisiert, dass in Deutschland öffentliche Hand und Wirtschaft gemeinsam 100 Milliarden Euro in den digitalen Infrastruktur-Ausbau investieren – und dass in Österreich nach dem üblichen Schlüssel 1:10 daher mindestens zehn Milliarden Euro nötig seien. Im Sommer hieß es von der deutschen Regierung, dass man bis 2025 ein hochleistungsfähiges 5G-Netz haben will, die 5G-Frequenzvergabe soll dort – wie in Österreich – laut den Plänen von Infrastrukturminister Alexander Dobrindt (CSU) 2018 stattfinden.

Vom Marktführer A1 wiederum heißt es, dass der Ausbau von LTE – die vierte Mobilfunkgeneration und Vorgänger von 5G – im Vergleich zu Deutschland in Österreich ein sehr hohes Niveau habe. „Laut dem Digital Economy and Society Index (DESI) der Europäischen Kommission ist die Breitbandverfügbarkeit Österreichs über dem europäischen Durchschnitt und knapp vor Deutschland,“ sagt A1-Technikvorstand Marcus Grausam. Speziell im ländlichen Bereich müsse der Glasfaserausbau forciert werden, hier investiere A1 laufend in den Ausbau der Breitbandinfrastruktur. „Die Fördermittel der Breitbandmilliarde des Bundes sind hier wichtig, damit auch ländliche Regionen, in denen ein wirtschaftlicher Ausbau für Unternehmen nicht möglich ist, an die digitale Lebensader angeschlossen werden können“, sagt Grausam.

Kritische Worte findet man jedoch bei der Konkurrenz: „Beim Thema Breitbandförderung haben sich unsere Befürchtungen leider bestätigt, da bisher 80 bis 90 Prozent der Breitbandmilliarde-Förderungen an A1 Telekom gingen“, sagt Jan Trionow, CEO von Hutchison Drei Austria: „Wir plädieren deshalb dafür, die Förderungen wettbewerbsneutral zu vergeben.“ Ebenfalls kritisch ist Andreas Bierwirth, CEO T-Mobile: „Die Breitbandmilliarde wurde groß angekündigt, in Wahrheit profitieren nur wenige davon,“ sagt er: Viel wichtiger sei für T-Mobile die 5G-Frequenzauktion, die kommendes Jahr stattfinden soll. Hier fürchtet er, dass Mobilfunker wieder ähnlich hohe Summen zahlen müssen wie bei der Versteigerung der 4G-Frequenzen.

Das Thema "Breitband" wird auch auf einem Panel auf den Österreichischen Medientagen (21. September, 12:00 bis 13:00 Uhr) behandelt.

Mehr zum Panel unter diesem Link.

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