Blogs in Österreich: Social Media als Aufmerk...
 

Blogs in Österreich: Social Media als Aufmerksamkeitsstaubsauger

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„Social Media hat die Aufmerksamkeit sicher ein stückweit von den Blogs wegbewegt“, meint Jürgen Koller von blogheim.at
„Social Media hat die Aufmerksamkeit sicher ein stückweit von den Blogs wegbewegt“, meint Jürgen Koller von blogheim.at

Sie sind die Vorgänger von Instagram, Facebook und Twitter, aber welche Rolle spielen Blogs in der Ära mächtiger Social-Media-Unternehmen in Österreich? Eine Umfrage zeigt: Leben können weiterhin die wenigsten davon.

Weihnachtszeit ist Nachdenkzeit.Auch Jürgen Koller nutzte die Feiertage, um sich über die Zukunft seines Portals blogheim.at Gedanken zu machen. Von einer Pause bis hin zu „einer kompletten Stilllegung der Seite ist aktuell alles möglich“, schrieb er. Inzwischen ist von Aufhören keine Rede mehr, im HORIZONT-Interview spricht er vielmehr von Zukunftsplänen. Das Portal soll wachsen. „Es gibt interessante Gespräche mit Unternehmen, die langsam erkennen, welch tolles Potenzial und auch Reichweiten hinter den Blogs in ­Österreich stecken“, so Koller. Koller betreibt nicht irgendeinen Blog, es ist die größte Dachplattform von Blogs in Österreich.

Mehr als 2.400 aktive heimische Blogs listet die Seite aktuell auf. Als er das Projekt im April 2015 gründete, war es Kollers Ziel, mehr Übersicht in die immer größer werdende Blogger-Szene zu bringen und den einzelnen Blogs mehr Sichtbarkeit zu verleihen. Seither ist nicht nur blogheim.at, sondern auch die Blogger-Szene gewachsen. Blogs hätten sich in Österreich immer stärker professionalisiert, meint Koller: „Viele Blogger sind in ihren Bereichen zu Experten geworden, da sie sich oftmals Tausende Stunden mit ihren Themengebieten auseinandersetzen, um guten Content zu kreieren.“

Vom Blog zum Medienhaus

Manche der einstigen Amateurblogs haben sich zu richtigen kleinen Medienunternehmen entwickelt. Viele Blogs stünden aber zwischen beiden Welten, so Koller. Der Übergang zwischen Amateurbloggern und Medienunternehmen gestalte sich oft fließend: „Man beginnt zu bloggen, die Reichweiten steigen, irgendwann schreibt man womöglich ein Buch, macht erste Workshops oder gibt Yoga-Stunden. Dann holt man sich Unterstützung, um noch mehr qualitative Beiträge zu veröffentlichen. Man ruft weitere Produkte oder sogar Modekollektionen ins Leben. Und irgendwann wird einem bewusst, dass man davon lebt, vielleicht Mitarbeiter hat und viel mehr ist als nur noch ein kleiner Blogger.“

Ranking vom Dezember 2019; Rangfolge nach Zugriffszahlen aller teilnehmenden Blogs
blogheim.at
Ranking vom Dezember 2019; Rangfolge nach Zugriffszahlen aller teilnehmenden Blogs

Das Gros der heimischen Blogger betreibt ihre Seiten allerdings weiterhin vorwiegend als Hobby. Entsprechend gestalten sich auch die Themen, die heimische Blogs behandeln: Essen, Lifestyle und Reisen führen das Blogger-Ranking an, das Koller monatlich mit Hilfe von Zugriffszahlen herausgibt. Aktuell führt blogheim.at eine umfangreiche Befragung unter den Mitgliedern durch.

Aus dieser gehe hervor, „dass sechs Prozent der Blogger in Österreich mehr als 2.000 Euro im Monat verdienen beziehungsweise weitere fünf Prozent 1.000 bis 2.000 Euro. Die Haupteinnahmequellen sind bezahlte Beiträge, Affiliate Links und der Verkauf von eigenen Produkten oder Leistungen wie zum Beispiel E-Books, Bücher, Vorträge oder die Durchführung eigener Workshops.“

Blogs "weiterhin Herzstück"

Doch nimmt die Bedeutung von Blogs in Zeiten, in denen Teenager immer mehr Zeit auf Instagram und TikTok verbringen, nicht ab? „Social Media hat die Aufmerksamkeit sicher ein stückweit von den Blogs wegbewegt“, räumt Koller ein. Vor allem die Kommunikation zwischen Bloggern und ihren Lesern habe sich immer mehr in die Sozialen Medien ­verlagert. Andererseits gebe es auch Personen, die mit Instagram starten und danach anfingen zu bloggen. Der Blog bleibe „weiterhin das Herzstück und das Medium, auf dem man sich am besten präsentieren kann und auf dem sich der wertvollste Content befindet“, ist Koller überzeugt.

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