"Blauäugiger Regulierungsversuch"
 

"Blauäugiger Regulierungsversuch"

APA
Thomas Prantner, Online-Direktor des ORF
Thomas Prantner, Online-Direktor des ORF

ORF-Online-Chef Thomas Prantner sieht im ORF-Gesetz ein "einschneidendes Beschränkungskorsett" und will Reparaturen.

In seinem Gastkommentar in der "Presse" schildert Prantner das 2010 novellierte ORF-Gesetz als überholt, nutzlos für Österreichs Privatunternehmen, dabei aber schädlich für die Online-Angebote des ORF und somit für das Publikum. Vor allem sei es der aktuellen Lage in der digitalen Welt nicht mehr angemessen, so wurde laut Prantner der ORF "in den vergangenen sieben Jahren von wesentlichen Entwicklungen des Onlinewesens abgeschnitten, indes Google, Facebook, Amazon und andere Giganten ihre Dominanz in Österreich abgesichert haben." Reparaturen wünscht sich der Online-Chef des ORF etwa bei den Meinungsforen - 90% der orf.at-Community habe man verloren, als dem ORF Postings zu Beiträgen verboten wurden. Heute würden Verlagshäuser aus Kostengründen ihre Foren schließen und seien Diskussionen "fast ausschließlich" zu Facebook abgewandert.  Zudem würde das ORF-Gesetz bei der Online-Werbung den wesentlichen Faktor des Programmatic Ad Buying nicht berücksichtigen und stattdessen immer noch Werbung von Hand nach Listenpreis verlangen. Damit sei der ORF von einem großen Wachstumsmarkt ausgeschlossen und es werde auch die Entstehung einer gemeinsamen Werbeplattform der österreichischen Medienhäuser verhindert - was wieder nur Facebook und Google zugute käme. Auch in der Frage der Apps und der TVThek sei das ORF-Gesetz nicht mehr zeitgemäß. Smartphones, mobile Nutzung und die Konkurrenz der Streaming-Dienste seien im Gesetz von 2010 nicht abgebildet, was beim ORF für einen großen Wettbewerbsnachteil sorge.  Ein neues ORF-Gesetz müsse daher vor allem den Veränderungen einer digitalisierten Welt Rechnung tragen. "Alles, was wir herstellen, wird Online sein – und die Trennung in klassisches Fernsehen, Radio und Internet wird Geschichte sein", meint Prantner: "So wie der Konsument schon heute auf seinen mobilen Geräten keinen Unterschied zwischen Text, Video und Audio macht, muss der Gesetzgeber auch verfahren." Anm. Thomas Prantner wird im Rahmen der Österreichischen Medientage am Panel "Broadcast und New TV" teilnehmen.

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[sb]

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