Bitcoin und andere Kryptowährungen: Ein Gesch...
 

Bitcoin und andere Kryptowährungen: Ein Geschäftsmodell für Online-Medien?

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Über neue Tools wie Coinhive und Krypto-Loot können Betreiber von Onlinemedien die Zeit ihrer Nutzer in digitales Geld verwandeln. Experten sehen das Angebot aber kritisch.

Dieser Artikel ist zuerst in der Print-Ausgabe des HORIZONT, Ausgabe Nr. 49, erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Die Bitcoin-Kursexplosion setzt sich weiter fort: 11.372,41 Euro war ein Bitcoin zu Redaktionsschluss wert, zu Jahresanfang waren es nur knapp 1.000 Euro. Während immer mehr Anleger ihr Kapital in Bitcoins stecken und Ökonomen vor dem Platzen einer Blase warnen (siehe dazu auch die Coverstory im aktuellen Update), steigen auch die Kosten für das „Mining“ der Kryptowährung. Dabei führen Computer komplexe Rechenleistungen durch, ermöglichen somit den Fortbestand des Blockchain-Systems und erhalten als Belohnung ein Bitcoin. Der Vorgang verbraucht viel Strom, weshalb das Mining von Bitcoins für Privatpersonen wirtschaftlich oft nicht sinnvoll ist.

Allerdings ist Bitcoin nicht die einzige Kryptowährung im Netz, in den vergangen Jahren wurden etliche Alternativen dazu geschaffen, jeweils mit unterschiedlichen Anwendungsgebieten. Eine davon ist Monero, welches zu Redaktionsschluss 271,54 Euro wert war – nach 12,95 Euro zu Jahresanfang. Monero ist zugleich jene Digitalwährung, die von neuen Anbietern wie Coinhive und Crypto-Loot verwendet wird: Diese bieten Plug-ins für Websites, mit denen die Websitebetreiber die kollektive Rechenleistung ihrer User nutzen können, um Monero zu minen. Ob das lukrativ ist und vielleicht eine alternative Erlösquelle zu Onlinewerbung sein könnte?

Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, heißt es vom Anbieter Coinhive, der im September gestartet ist: „Generell funktioniert Coinhive gut auf Seiten, auf denen Nutzer viel Zeit verbringen. Viele Websites abseits des Mainstreams haben auch Probleme, seriöse Werbeanbieter zu finden – für diese ist Coinhive eine gute Alternative.“ Auf Monero anstatt auf Bitcoin oder Ethereum setze man aus technischen Gründen: Monero erfordere keine spezielle Hardware, sondern lasse sich auch auf Privatrechnern im Browser einsetzen. Erfolgsversprechend ist die Lösung laut Coinhive, wenn man den Usern eine Gegenleistung für die Zurverfügungstellung ihrer Rechenpower bietet – also etwa den Zugang zu Artikeln jenseits der Paywall.

Josef Pichlmayr, Geschäftsführer des österreichischen Security-Unternehmens Ikarus, sieht auch Potenzial für NGOs: User könnten hier Rechenleistung statt Geld spenden. In der Kritik steht hingegen die Praxis, das Plug-in auch versteckt einzusetzen – also Rechenleistung zu nutzen, ohne dass der User darüber informiert wird. „Wenn es ohne die Einwilligung des Nutzers gemacht wird, handelt es sich um Stromdiebstahl,“ sagt Pichlmayr. Die im Grazer lab10 angesiedelten Blockchain-Experten raten auch dann von Coinhive ab, wenn der User seine Einwilligung geben würde: Erstens aus Sicherheitsbedenken – und zweitens, weil man die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit anzweifelt: Auch schlecht bezahlte Onlinewerbung würde derzeit noch mehr Geld abwerfen, heißt es aus Graz.


So funktioniert es

Neue Anbieter wie Coinhive oder Crypto-Loot ermöglichen es Websitebetreibern, die Rechenleistung ihrer User für das Mining der Digitalwährung Monero zu verwenden. Dazu wird die entsprechende Lösung über einen Code-Schnipsel in die Website integriert und kann auf unterschiedliche Weise eingesetzt werden: Entweder das Mining startet automatisch oder erst dann, wenn der User auf einen entsprechenden Button klickt. Im Gegenzug für die Rechenleistung könnnen Websitebetreiber dem User auch Vorteile bieten, wie etwa den Zugang hinter eine Paywall. Mit Argwohn betrachtet wird von den Experten, wenn Websites ohne Wissen und Einwilligung des Users desssen Rechenleistung kapern.

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