Bilanz 2020: Globaler Musikmarkt wächst sechs...
 
Bilanz 2020

Globaler Musikmarkt wächst sechstes Mal in Folge

APA (dpa)
Umsätze von Streamingabos wir Spotify gehen nach oben.
Umsätze von Streamingabos wir Spotify gehen nach oben.

Der weltweite Musikmarkt ist in der Coronapandemie im Vorjahr zum sechsten Mal in Folge gewachsen. Insgesamt gab es ein Plus von 7,4 Prozent, wie der internationale Fachverband IFPI am Dienstag in einer Online-Pressekonferenz mitteilte.

Im abgelaufenen Jahr wurden 21,6 Mrd. US-Dollar (18,11 Mrd. Euro) umgesetzt. Hauptverantwortlich dafür war laut dem heute veröffentlichten "Global Music Report" die Streamingbranche. Das Segment der bezahlten Streamingabos konnte um 18,5 Prozent mehr Umsatz lukrieren als noch 2019. Mit Ende 2020 listet die IFPI 443 Millionen zahlende Abonnenten von Diensten wie Spotify und Co. Rechnet man zu diesem Bereich noch die werbefinanzierte Streamingnutzung hinzu, ergibt sich ein Plus von 19,9 Prozent auf 13,4 Mrd. US-Dollar, womit beinahe zwei Drittel aller Umsätze der Musikwirtschaft aus diesem Feld stammen.


Demgegenüber stand ein erneuter Abfall der physischen Tonträger, mit denen 4,7 Prozent weniger Umsatz generiert wurde. Eine direkte Auswirkung der Coronakrise zeigt sich wiederum im Bereich der Performancerechte, die ebenfalls einen Umsatzrückgang verzeichneten (minus 10,1 Prozent). 2019 waren weltweit 20,2 Mrd. Euro am Musikmarkt umgesetzt worden, Streaming war damals bereits für 56,1 Prozent dieser Umsätze verantwortlich.

Neue Felder

"Die Arbeit und das Investment der Plattenfirmen hat wirklich geholfen", bezog sich IFPI-Vorsitzende Frances Moore auf die "außergewöhnlichen Umstände", die die Coronapandemie im Vorjahr mit sich brachte. "Sie werden die optimistische Grundstimmung im Report erkennen", verwies Moore zudem auf neue Felder der Musikwirtschaft, die zusehends Bereiche wie Gaming oder Apps für sich entdeckt und hier neue "Nutzererfahrungen" generieren möchte.

Dennoch sei es für die Plattenfirmen ein "komplett anderes Arbeiten" aufgrund des Coronavirus gewesen, unterstrich Jessica Keeley-Carter von der Warner Music Group. Aus ihrer Sicht ist Authentizität zentral, um Plattformen wie TikTok entsprechend zu nutzen. "Durch Corona haben wir alles, was wir tun, verändern müssen." Marketingkampagnen seien deshalb komplett neu gedacht worden. "Sitzen die Menschen zuhause, dann werden Dinge schnell langweilig. Also kann man beispielsweise nicht die übliche TV-Werbung schalten."

Geographische Ausgeglichenheit

Sieht man sich die verschiedenen Regionen an, dann ist die positive Entwicklung annähernd gleichmäßig verteilt: In Lateinamerika wächst laut IFPI der Musikmarkt am schnellsten, im Vorjahr war es ein Plus von 15,9 Prozent, wobei Streaming mit einem Anteil von 84,1 Prozent extrem dominant ist. Auch Asien gehe in eine vielversprechende Richtung, mit der Ausnahme von Japan, wo es zu einem Rückgang von 2,1 Prozent gekommen sei. Erstmals war in dieser Region der Welt, in der üblicherweise physische Tonträger sehr beliebt sind, auch der Digitalsektor für mehr als die Hälfte der Umsätze verantwortlich.

Erstmals ausgewiesen wurde im Report heuer der Markt in Afrika und dem Nahen Osten, den die an der Präsentation teilnehmenden Vertreter der Plattenfirmen unisono als Zukunftsversprechen bezeichneten. Der Zuwachs belief sich hier auf 8,4 Prozent, wenngleich von einem niedrigen Niveau. Ein dezentes Plus konnte für Europa konstatiert werden, wo die Umsätze um 3,5 Prozent nach oben gingen - ein Umstand, der allen voran dem Streamingwachstum von 20,7 Prozent zu verdanken ist. Im Gleichschritt mit dem globalen Trend präsentierten sich wiederum die USA und Kanada mit einer gemeinsamen Zuwachsrate von 7,4 Prozent.

Wachstum auch in Österreich

Vergleicht man die heute präsentierten Zahlen mit jenen aus Österreich, die der heimische Branchenverband bereits Mitte Februar veröffentlicht hat, ergibt sich ein großteils deckungsgleiches Bild. Auch hierzulande sorgte das starke Streamingsegment (wuchs um ein Drittel auf 91,6 Mio. Euro) für ein Gesamtwachstum von 3,4 Prozent auf 171,6 Mio. Euro. Für die CD musste hingegen ein Absturz von 22 Prozent auf 30,5 Mio. Euro verkraftet werden.

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