Best Practice: Abheben mit Augmented Reality
 
Best Practice

Abheben mit Augmented Reality

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Sobald das Bodenpersonal die Kamera des Smartphones auf das Schild neben der Tanköffnung hält, wird die Treibstoff-Info mittels AR erkannt.
Sobald das Bodenpersonal die Kamera des Smartphones auf das Schild neben der Tanköffnung hält, wird die Treibstoff-Info mittels AR erkannt.

Wie AR menschliche Fehler in der Luftfahrt eindämmen und gleichzeitig Arbeitsprozesse beschleunigen kann, zeigen bereits erfolgreich eingesetzte Anwendungen. Weitere sind in Planung. Ein Überblick.

Menschliches Versagen ist die Hauptursache für Unfälle in der Luftfahrt, wie eine regelmäßig durchgeführte Untersuchung des Herstellers von Luft- und Raumfahrttechnik Boeing zeigt. Während Anfang des 20. Jahrhunderts noch 80 Prozent der Fehler in der Luftfahrt auf maschinelles Versagen zurückgeführt werden konnten, ist es heute menschliches Scheitern, das das Gros der Unfälle ausmacht.


Gründe wie straffe Zeitpläne, Abweichungen von der Routine oder kurzfristige Änderungen des Flugzeugtyps können Ursachen dafür sein. Ein Grund mehr für Flughäfen, auch in den kommenden Jahren Investitionsvolumina in diesem Bereich hochzuschrauben, wie die SITA-Circle-Research-Umfrage „Air Transport IT Insights 2020“ unter IT-Mitarbeitern von weltweit 146 Flughäfen zeigt.



Business-Intelligence-Lösungen, Identitätsmanagement-Technologien und Datenaustausch werden demnach in den kommenden Jahren immer essenzieller. Auch in Wien Schwechat arbeitet man deshalb bereits an einigen Pilotprojekten. Zum jetztigen Zeitpunkt könne man dazu aber nichts Konkretes sagen, wie ­Peter Kleemann, Unternehmenssprecher des Flughafens Wien, auf HORIZONT-Nachfrage mitteilt.

Mehr als ein Flieger pro Minute

Eine der großen Fehlerquellen in der Luftfahrt ist das Betanken der Flugzeuge. Abhilfe soll eine auf AR basierende App von Air bp, der Luftfahrtabteilung von British BP mit Hauptsitz in Middlesex County, und der Technologie von Wikitude Salzburg schaffen. Weltweit werden bereits knapp 500 Flugzeuge an 126 Flughäfen mithilfe der safe2go-App betankt, davon zehn Flughäfen in Österreich und Deutschland. Dank der App können in einer Woche über 12.000 fehlerfreie Betankungen durchgeführt werden, das entspricht circa einem Flugzeug pro Minute.

Konkret läuft das so ab: Das Bodenpersonal hält die Kameralinse des Smartphones auf das Schild neben der Tanköffnung, die dann mittels Augmented-Reality-Technologie die richtige Treibstoffinformation einblendet. Im nächsten Schritt wird innerhalb der App der richtige Treibstoff ausgewählt.

Die Bedeutung der Technologie streicht auch Paul Dubenski, Airfield Automation Product Manager bei Air bp, heraus: „Im Himmel gibt es keine Pannenbuchten. Deshalb versteht jeder die Bedeutung und den Mehrwert, den die safe2go-App erzeugt.“ Auch Martin Herdina, CEO von Wikitude Salzburg, ist stolz, „dass wir gemeinsam mit Air bp die Sicherheit im Flugverkehr weiter erhöhen können“. AR sei dafür eine „zuverlässige und erprobte Technologie“ und das Beispiel zeige klar, „wie betriebliche Prozesse sicherer, einfacher und effizienter werden können“.

Technologie aus Budapest

Ein weiteres Beispiel für Fehleranfälligkeit in der Luftfahrt ist die Inspektion der Außenhaut des Flugzeuges vor dem Abflug. Das Budapester Start-up AerinX arbeitet hier an einer neuen AR-Lösung, die die Möglichkeit bieten soll, rasch und effizient Schäden an der Flugzeug-Außenhaut zu eruieren und diese zu beheben. Insbesondere während AOG-Notfallsituationen (Anm. Red.: AOG, also „aircraft on the ground“ bezeichnet den technischen Ausfall eines Flugzeuges) können diese Inspektionen im Normalfall bis zu zwei Stunden in Anspruch nehmen und führen zu Flugverspätungen.

Mittels Augmented-Reality-Lösung bräuchten diese Überprüfungen nun lediglich 20 Minuten, heißt es aus dem Unternehmen. Prototypen einer solchen Lösung gäbe es bereits, jüngst erhielt das Start-up eine Finanzierung in Höhe von zwei Millionen Euro von Takarék Venture Capital Fund und DBH Investments. Antal Bence Kiss, CEO des Start-ups, möchte mithilfe der Technologie den internationalen Markt durchdringen und steckt seine Ziele hoch: „Unsere Vision ist es, Wartungsarbeiten an der Außenhaut von Flugzeugen zu revolutionieren.“

Effizientes Cargo-Management

Doch nicht nur am Flugzeug selbst findet Augmented Reality bereits ihre Einsatzgebiete. Auch im Cargo- und Lagermanagement ist die Technologie längst unverzichtbar. Die Lufthansa Group optimiert mithilfe von AR-Technologie der Wiener Firma ViewAR die Auslastungen im Lager. Die App soll dabei helfen, den gesamten Logistikprozess zu optimieren. Mithilfe der App scannen Mitarbeiter die lagernden Paletten und bestimmen so den optimalen Auslastungsgrad.

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