Beacons: Technologie mit Lernpotenzial
 

Beacons: Technologie mit Lernpotenzial

IQ Mobile
Harald Winkelhofer, Gründer und CEO, IQ mobile.
Harald Winkelhofer, Gründer und CEO, IQ mobile.

Direkte Kundenansprache per Funk ist ein Versprechen für die Zukunft. Was es dabei zu berücksichtigen gilt und welche Irrtümer es noch gibt

Beacons verbinden den Point of Sale mit der digitalen Welt. Unternehmen wie Humanic, Billa und Ikea machen sich die auf Bluetooth basierende Kommunikationstechnologie hierzulande bereits zu Nutze und versorgen ihre Kunden unter anderem mit Angeboten und Produktinfos. Die Funksender schicken diese während dem Einkauf an den Shopper vor Ort, der die App des Unternehmens installiert und Bluetooth aktiviert haben muss.

In Österreich ist es das schwedische Möbelhaus, das gemeinsam mit dem Mobile-Marketing-Spezialisten IQ mobile zum Vorreiter im Bereich Beacons wurde. Bereits seit Mai 2015 kommt diese Technologie in den Filialen Wien Nord, SCS Vösendorf und Graz im Rahmen der Ikea-Family-App zum Einsatz, die Anwendung erhielt bei den "Show Your App" Awards zuletzt sogar den Sonderpreis für die beste Location-based-App im D-A-CH-Raum.

Anleitung für die Kunden

Harald Winkelhofer, Gründer und CEO von IQ mobile, weiß, welche Möglichkeiten Beacons bieten, aber auch, dass es einige Hürden zu überwinden gilt. "Die Geschichte bei den Beacons ist ja: Der Nutzer muss die App installiert, Push-Services akzeptiert und Bluetooth aktiviert haben", so Winkelhofer. Im Hinblick auf die Ikea-Family-App, die den User am Eingang begrüßt, Vergünstigungen oder gar Gratisangebote im Restaurant bietet und es ermöglicht, die Kundenkarte an der Kassa mit einem Klick aufzurufen, ist das gelungen. "Unter all jenen, die die App installiert haben, haben 80 Prozent das In-Store-Navigationsfeature aufgrund crossmedialer Maßnahmen, die in der Kommunikation getroffen wurden, akzeptiert. Das Ganze war mit einem Update der App verbunden und begleitenden App-Management-Maßnahmen, um keine User zu verlieren", fasst der CEO zusammen. Genutzt wird die Anwendung in erster Linie – dies überraschte alle – bei der Bezahlung und nicht für Rabatte.
Angesprochen auf die Maßnahmen, die gesetzt werden müssen, um Kunden dazu zu bewegen, die entsprechende App zu installieren, betont Winkelhofer, dass dies auf mehreren Ebenen passieren muss. Am Beispiel von Ikea skizziert er: "Wenn die Kunden am Parkplatz vorfahren, treffen sie dort bereits auf Plakate, die ihnen erklären, wie das Ganze funktioniert: App installieren, Bluetooth aktivieren, dann gibt es personalisierte Angebote. Bei der Drehtür am Eingang passiert das Gleiche, wenn Sie den Ikea-Bereich betreten, erhalten Sie eine Push-Notifikation am Smartphone, die Sie darauf hinweist, Ihr Bluetooth zu aktivieren und auch im Restaurant gibt es auf dem Tisch oder gar auf den Toiletten weitere Hinweise." Ergänzt werden diese Maßnahmen durch E-Mail-Newsletter-Kampagnen und Direct Mailings.

Nächster Schritt: Geomarketing

Gerade beim Einsatz von Beacons sei es wichtig, mehrere Touchpoints zu bedienen, denn selbst in einem Land wie Österreich mit einer hohen Smartphonedichte, wissen viele nicht, wie man Bluetooth ein- und ausschaltet. "Darauf haben wir reagiert, die App umgebaut und begleitend kommuniziert", so Winkelhofer. Dies sei aber nicht das einzige Learning, das man aus der Zusammenarbeit mit dem schwedischen Möbelbauer gezogen habe, das jedes Unternehmen beim Einsatz von Beacons bedenken sollte. "Die Hardware-Hersteller haben uns erzählt, wie die Beacons funktionieren und wie weit sie strahlen können – allein das hat im Praxistest ganz anders ausgesehen, statt vielen waren es oft nur wenige Meter, denn auch Regale können ein Signal brechen oder das Signal kann durch das WLAN in der Filiale gestört werden", sagt Winkelhofer.

In Verbindung mit Beacons sei auch der Einsatz von Geomarketing sinnvoll, also außerhalb der Stores auf die Kunden einzugehen, "etwa wenn sie bei einer Bushaltestelle stehen, mit der Badner Bahn fahren oder vor dem Fernseher sitzen, während ein Ikea-Spot läuft", so der Mobile-Marketing-Experte. Im Auftrag von Ikea werden die Kunden noch im Sommer entsprechende Maßnahmen zu sehen bekommen.

Angst haben, auf Schritt und Tritt getrackt zu werden, müssen Kunden aber weder bei Ikea noch sonstwo haben, stellt Winkelhofer klar. "Die App selbst ist ‚dumm‘ und weiß gar nicht, welche Person wo ist. Wenn Sie bei einem Bluetooth-Hotspot vorbeigehen, dann hat das Beacon eine Nummer und Ihr Smartphone ebenso, und zwar die Unique-Endgerätenummer. Das Beacon tut nichts anderes, als das Handy anzupingen und dieses löst dann eine Aktion aus. Statistisch aufgezeichnet wird nichts zu einer Person oder gar zu personenbezogenen Daten, außer dass die Handy-ID bei dem Beacon vorbeigekommen ist."
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