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"Algorithmus-Maschinen sind die Redakteure des 21. Jahrhunderts"

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FLTR Jean-Claude Monod, Miljenka Buljevicc, Almantas Samalaviccius, Ann Ighe (PRNewsfoto/Eurozine)
FLTR Jean-Claude Monod, Miljenka Buljevicc, Almantas Samalaviccius, Ann Ighe (PRNewsfoto/Eurozine)

Fragen um die Bedeutung aktueller Entwicklungen für hochwertige Medien standen im Mittelpunkt des "European Meeting of Cultural Journals".

Eurozine, das Netzwerk der europäischen Kulturjournale, richtete gemeinsam mit der estnischen Zeitschrift Vikerkaar, dem Institut für Sozialforschung der Universität Tartu und der estnischen Kulturorganisation A Kultuurileht vom 20. bis 22. Oktober 2017 das 28. "European Meeting of Cultural Journals" in Tartu (Estland) aus. Drei Tage lang nahmen 100 Kulturjournalisten und Medienprofis an einem Programm von öffentlichen Vorträgen und Diskussionen über die Auswirkungen der Technologie auf die Demokratie sowie ihren Beitrag zu solchen Phänomenen wie Post-Wahrheit und verfälschten Nachrichten teil.

Der führende Internet-Analytiker Vladan Joler, Direktor der Share Foundation, Serbien, bot in seiner Grundsatzrede am 20. Oktober Einsichten in die algorithmischen "Blackboxes", die unsere Erfahrung mit dem Internet, sozialen Medien und der Welt vermitteln. Er zeigte, wie sie von politischen Akteuren benutzt werden können und von kommerziellen Interessen gesteuert werden. Er präsentierte die forensischen Untersuchungen seines Teams und warnte davor, dass diese Prozesse wahrscheinlich noch undurchsichtiger werden könnten.

"Diese riesigen Algorithmus-Maschinen sind die Redakteure des 21. Jahrhunderts und nicht mehr die Menschen", informierte er sein Publikum, viele von ihnen ebenfalls Redakteure. Estlands Kulturminister Indrek Saar eröffnete die Konferenz und betonte die Bedeutung der Dynamik der estnischen Kulturmagazine. Über das Wochenende nahmen die Teilnehmer an Podiumsdiskussionen sowie Workshops über soziale Medien und Crossmedia-Publishing mit Experten aus Europa und den USA teil. Der letzte Konferenztag wurde mit einer Art Barcamp zum Informationsaustausch abgeschlossen.

Die digitale Revolution hatte verheerende Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Aspekte des Journalismus und stellt die Demokratie vor unerwartete Herausforderungen. Aber sie bietet den Bürgern auch Chancen, aktiver an ihrer Gesellschaft teilzunehmen, und Medienkanälen, wie beispielsweise den im Eurozine-Netzwerk vertretenen Zeitschriften, die Möglichkeit zur Zusammenarbeit. Aber wie sollen wir mit diesen Widersprüchen umgehen? Und welche Rolle spielen die Kulturzeitschriften bei diesem Prozess? Die Konferenz von Eurozine untersuchte diese und andere Fragen aus einer Reihe von theoretischen und praktischen Perspektiven. Die Veranstaltung wurde von der europäischen Union (Creative Europe), Eesti Kultuurkapital, dem National Endowment for Democracy, der Stadt Tartu und der "Open Society Initiative for Europe" gesponsert.

[Red.]
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