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Alexander Wrabetz fordert Level Playing Field mit Digitalgiganten

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz sprach beim Business Breakfast der US-Handelskammer über die Zukunft österreichischer Medien im Digitalzeitalter.

„Das öffentlich-rechtliche Medienangebot erweist sich in Zeiten von Fake News als europäisches Erfolgsmodell, das der Gesamtbevölkerung ein journalistisch hochwertiges Informationsangebot ermöglicht“, sagt ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz beim Business Breakfast der American Chamber of Commerce in Austria im Hilton Vienna Plaza am Freitagvormittag. Auf Einladung von AmCham Austria-Präsidentin und Xerox Austria General Managerin Sandra Kolleth gibt er den Mitgliedern der U.S. Handelskammer einen Einblick, wie sich österreichische Medien in Zeiten der digitalen Transformation entwickeln werden.

ORF im globalen Wettbewerb
Durchschnittlich kann ein heimischer Haushalt 106 Fernsehkanäle, davon 86 deutschsprachige Sender, empfangen. Das macht Österreich zum Teil eines großen deutschsprachigen Fernsehmarktes, in dem sich der ORF als öffentlich-rechtlicher Anbieter erfolgreich behauptet. Im Oktober 2017 erreichten die ORF-Medien einen Marktanteil von 33,6 Prozent (P 12+) im Fernsehen, 71 Prozent im Radio (P 10+) und die klare Digital-Marktführerschaft mit 81,5 Millionen Visits pro Monat im ORF.at-Network. Laut aktueller Media Server-Hauptstudie erreichen die Medien des ORF regelmäßig 6,51 Millionen Menschen (P 14+), was einer Reichweite von 89,4 Prozent in der österreichischen Gesamtbevölkerung entspricht.

In Österreich werden mehr Fernsehgeräte gekauft
Neue Technologien wie Smart Devices und der Breitbandausbau verändern das Mediennutzungsverhalten. Die Parallelnutzung von First und Second Screen stellt Medienanbieter vor neue Möglichkeiten. Trotzdem boomt der Markt für klassische Fernseher: Wurden 2015 noch 718.000 Geräte verkauft, stieg die Zahl 2016 um knapp 80.000 Geräte auf 796.000. Auch die Nutzungsdauer steigt: 178 Minuten wurden 2016 vor dem Fernseher verbracht, 2015 waren es noch 171 Minuten. 83 Prozent der Seher konsumieren die Inhalte klassische im linearen Fernsehangebot. In der jungen Aktivgruppe der 14- bis 29-Jährigen werden zwar bereits rund 30 Prozent der Bewegtbildinhalte online konsumiert, wobei noch immer ein Großteil auf Programminhalte der Fernsehanbieter entfällt.

Ein Ritt auf zwei Pferden
„Wir müssen beide Pferde reiten: Wir müssen die Seherinnen und Seher sowohl auf traditionellen als auch auf neuen Medienkanälen erreichen“, beschreibt Wrabetz die Herausforderungen der Zukunft. Dabei sind europäische Contentanbieter mit neuen Mitbewerbern konfrontiert, die global agieren wie Google, Amazon, Facebook, Netflix und Apple. Diese Unternehmen verfügen über enorme Daten und haben einen großen Vorteil, ihre Kunden zu erreichen. Bereits heute gehen 47 Prozent der Digitalspendings an die U.S.-amerikanischen Digitalgiganten, während beispielsweise nur drei Prozent der Spendings auf das ORF.at-Network entfallen und 68 Prozent der Fernsehspendings an deutsche Medienunternehmen gehen.

Agenda 2025: Level Playing Field mit den Digitalgiganten
In seiner Agenda 2025 fordert Wrabetz einen Schulterschluss der österreichischen Medien, Interessensvertretungen und der Politik, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. „Wir brauchen ein Level Playing Field und Steuergerechtigkeit, um die Abwanderung von Wertschöpfung und Werbegeldern an die Digitalgiganten einzuschränken und uns im fairen Wettbewerb zu beweisen“, so der ORF-Generaldirektor.

Auf Einladung von AmCham Austria-Präsidentin und Xerox Austria General Managerin Sandra Kolleth diskutierten über den Medienstandort Österreich unter anderem Jurist Claudio Arturo, DLA PIPER-Jurist David Christian Bauer, Hilton Hotels & Resorts-Marketingleiterin Tanya Boomsma, Jurist Andreas Foglar-Deinhardstein, Ruth Gabler (Fulbright Austria), Marta Haustein (U.S. Embassy), Patricia A. Helletzgruber (Drucker Society), Anita Hempel (Diversey Austria), Hermann Koller (NTS Holding), Elisabeth Pala (Diversey Austria), Judith Piplics (Oesterreichische Kontrollbank), Willibald Plesser (Freshfields Bruckhaus Deringer), Stefanie Schulze (Park Hyatt Vienna), Georg Unger (NGS Global), Claudia Handl (Pfizer), Gernot Wetzel (AON Risk Solutions) und Martin Winkler (Oracle Austria).

[Red.]
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