Aerospace-Allrounder
 

Aerospace-Allrounder

FH Wiener Neustadt
Die FHWN arbeitet an dieser autonomen Transportdrohne, die bis zu 500 Kilogramm 1.500 Kilometer weit transportieren können soll. Der Eins-zu-vier-Prototyp mit vier Metern Spannweite soll schon im Frühjahr fliegen.
Die FHWN arbeitet an dieser autonomen Transportdrohne, die bis zu 500 Kilogramm 1.500 Kilometer weit transportieren können soll. Der Eins-zu-vier-Prototyp mit vier Metern Spannweite soll schon im Frühjahr fliegen.

Spezialisten für Luft- und Raumfahrt sind heiß begehrt – für autonomes Fliegen steigt der Bedarf weiter, zeigt sich exemplarisch am Studiengang der FH Wiener Neustadt. Hier wird eifrig an Satelliten und Transportdrohnen gebastelt.

Dieser Artikel erschien zuerst in update #4/2019, dem Digitalmagazin des HORIZONT. Noch kein Abo? Hier klicken!

"Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, heißt es im bekannten Ohrwurm von Reinhard Mey. Aber viele Menschen können „alle Ängste, alle Sorgen“ dennoch nicht so ganz am Gate hinter sich lassen und steigen mit einem mulmigen Gefühl ins Flugzeug. Dabei gelten Flugzeuge als die sichersten Verkehrsmittel der Welt. Damit das so bleibt, braucht es gut ausgebildete Fachkräfte. Einige der Spezialisten für die Luft- und Raumfahrttechnik kommen aus Österreich, genauer gesagt, aus ­Wiener Neustadt. Die dort ansässige Fachhochschule bietet seit 2012 den englischsprachigen Studiengang Aerospace Engineering an. Eigentlich ein übliches Maschinenbaustudium, „allerdings mit einem sehr hohen Grad an Spezialisierung auf Luft- und Raumfahrttechnik-Fächer. Es geht also zum Beispiel um die Entwicklung und das Design von Flugzeugen, Antriebstechniken für Luft- und Raumfahrt sowie Werkstoffen und Herstellungsmethoden, die speziell in der Luft- und Raumfahrttechnik verwendet werden“, erklärt Studiengangsleiter Carsten Scharlemann. 

Für das Institut sind Drohnen und Lufttaxis schon fast ein ­alter Hut: In einem aktuellen Projekt arbeiten die Studierenden an einem Satelliten mit einer selbst entwickelten Antriebstechnik, der „auf ­einem relativ hohen Orbit Strahlungsmessungen vornehmen soll“, erläutert Scharlemann. Gleichzeitig wird an einer autonomen Transportdrohne gebaut, die bis zu 500 Kilogramm 1.500 Kilometer weit transportieren könne. Der Eins-zu-vier-Prototyp mit vier Metern Spannweite soll schon im Frühjahr fliegen. „Wenn das Ganze dann erfolgreich ist, werden wir auch versuchen, da Industrien mit in das Projekt einzubringen. Vom Businessmodell her ist es interessant, aber wir haben noch keine Industrien konkret angesprochen. Bei einigen Projekten arbeiten wir auch bereits mit welchen zusammen, die uns unterstützen“, fügt der Studiengangs­leiter hinzu. „Und diese Unterstützung kommt meistens aus einem gewissen ­Eigeninteresse, die sind natürlich auch an unseren Studierenden interessiert.“

Absolventen im Investmentbereich

Unter den 25 Plätzen pro Studienjahrgang seien schon 14 verschiedene Nationalitäten vertreten gewesen, auch aus Nord- und Südamerika oder auch Indien seien immer wieder Leute dabei sowie aus fast jedem euro­päischen Land. Auf dem Stundenplan der FHWN-Studierenden stehen unter anderem Fächer wie „Autonomy & Unmanned Aerial Vehicles“, „Spacecraft Environment & ­Interactions“ und „Aerospace Pla­yers & Trends“. Absolventen aus diesem Bereich seien unheimlich gesucht. „Das Tolle an der Luft- und Raumfahrttechnik war schon immer, dass die Leute quasi überall eingesetzt werden“, meint Scharlemann. 

Anders als der Titel „Aerospace Engineering“ und Curriculum vielleicht vermuten lassen, zieht es die Studenten nicht nur in die Luft- und Raumfahrttechnik, obwohl in diesen Branchen jeweils etwa ein Drittel später tätig ist. Genauso würde es die neuen Ingenieure auch in die Automobilindustrie ziehen, in Unternehmen für alternative Energien, in die Turbinenentwicklung und Windkrafttechnologie. Einige seien auch in der Beratung und in Investmentbereichen untergekommen, „weil gerade da Informationen der Luft- und Raumfahrttechnik sehr wichtig sind“, erläutert Scharlemann. Generell stehe Österreich im Luft- und-Raumfahrtsektor im internationalen Vergleich nicht schlecht da. „Rein vom finanziellen Aufwand, der ­getrieben und akquiriert wird, sind uns zum Beispiel Deutschland, Frankreich und die USA weit voraus. Aber die österreichische Szene und die Ausbildung und die Fähigkeiten, die die Leute hier haben, sind sehr gut im internationalen Vergleich. Also eine Nische werden wir ­sicherlich besetzen können.“

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