Adblock Plus umwirbt Facebook, Twitter
 

Adblock Plus umwirbt Facebook, Twitter

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Der populäre Werbeblocker, der ausgewählte Werbeformen freischaltet, könnte neben Google bald auch die Social-Media-Größen Facebook und Twitter sowie den Internetkonzern Yahoo als Geldgeber an Bord holen

Die HORIZONT-Exklusiv-Story, dass Google ein Geldgeber von Adblock Plus ist, zieht immer weitere Kreise. Googles AdWords werden wie andere Werbung (z.B. auf Reddit, Amazon oder der russischen Suchmaschine Yandex) nicht von dem Browser-Plugin, das weltweit mehr als 60 Millionen Internetnutzer verwenden, ausgebeblendet. HORIZONT-Informationen zufolge zahlen etwa 10 bis 15 Prozent jener Firmen, deren Online-Ads nicht geblockt werden, bei Adblock Plus ein. Kleine Webseiten und Blogs müssen nicht zahlen, große Internetfirmen, zu denen Google definitiv gehört, jedoch schon.

Der ORF vermutet durch den Deal zwischen Google und der Adblock-Plus-Betreiberfirma Eyeo GmbH aus Köln nun den "Missbrauch von Marktmacht zum Nachteil österreichischer Medien" und hat deswegen "im Interesse aller Marktteilnehmer" eine Sachverhaltsdarstellung an die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) übermittelt.

Social Media im Visier


Während Eyeo in Österreich demnächst Probleme bekommen könnte, sind die Interessen der Firma deutlich Richtung Silicon Valley orientiert. Dort versucht man derzeit, große Social-Media-Angebote, die sich über Werbung finanzieren, an Bord zu bekommen. Mit Facebook laufen derzeit Gespräche über eine Aufnahme seiner Werbeformen in das Acceptable-Ads-Programm von Adblock Plus, wie HORIZONT in Erfahrung gebracht hat. "Wir sprechen mit jedem, der an Acceptable Ads Interesse hat und freuen uns über das gestiegene Interesse", so ein Eyeo-Sprecher zum HORIZONT. "Wir wollen möglichst viele Parteien involvieren, damit am Ende ein Kompromiss entsteht, der sowohl für die Nutzer als auch Website-Betreiber gut funktioniert. Till Faida, Mitgründer von Adblock Plus, hat sich in den vergangenen Wochen unter anderem ein paar Mal mit Verantwortlichen bei Facebook getroffen, als er in Kalifornien war. Im Moment haben wir aber noch nichts anzukündigen."

Außerdem hat Eyeo anlässlich des anstehenden Börsengangs von Twitter einen offenen Brief an den Kurznachrichten-Dienst gerichtet, in dem vorgeschlagen wird, zusammen zu arbeiten. Adblock-Plus-Mitarbeiter Ben Williams schreibt, dass die vielen neuen Werbe-Deals, die Twitter schließt, sich negativ auf die Wahrnehmung der Nutzer auswirken könnten und diese bei steigendem Werbedruck zur Verwendung von Adblock Plus getrieben werden könnten. Twitter solle deswegen seine Ads an die Acceptable-Ads-Richtlinien anpassen.

Yahoo bald bei Adblock plus?


Nach Google könnte bald auch ein weiterer großer Internetkonzern von der Werbeblockade befreit werden. Im Adblock-Plus-Forum, in dem laut Betreibern eine Community über die Freischaltung bestimmter "akzeptabler" Werbeformen entscheidet, hat Yahoo seine "Search Ads" eingereicht. Diese statische Werbung wird bei den Ergebnissen der Yahoo-Suchmaschine eingeblendet. In Europa ist Yahoo ein eher kleiner Player, doch in den USA konnte Yahoo kürzlich sogar Google in Sachen Zugriffe wieder überholen. Bei der Freischaltung seiner Suchmaschinen-Ads dürfte es um viel Geld geben.

Im Forum gibt es übrigens auch neuen Widerstand gegen die Aufnahme der Google Adwords in das "Acceptable Ads"-Programm. Diese verlangen, dass Werbung klar als solche gekennzeichnet ist, was bei der Verwendung neuer Browser-Versionen von Chrome (ein Google-Produkt) und Firefox (Macher Mozilla bezieht große Teile seiner Finanzierung von Google) aber nicht mehr der Fall sei, beklagt User "brainstorben". Denn hier würde die gelbe Unterlegung der AdWords, die sie von den organischen Suchtreffern unterscheiden, nicht mehr angezeigt werden.

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