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AdBlock Plus: Pro7, IP Deutschland und RTL blitzen mit Klage ab

Betreiberfirma Eyeo aus Köln sieht "Recht bestätigt, sich gegen nervige Internet-Werbung zur Wehr zu setzen"

Nachdem bereits das "Handelsblatt" und Zeit Online vor dem Landgericht Hamburg mit einer Klage gegen den Adblocker-Hersteller Eyeo abgeblitzt sind, sind nun auch ProSiebenSat.1 und IP Deutschland sowie RTL Interactive juristisch gegen die Kölner Firma gescheitert. Eyeo konnte sich am Landgericht München gegen die Medienriesen durchsetzen und sehen sich nun wieder darin bestätigt, Internetnutzern ein Tool zu bieten, mit dem sie nervende Onlinewerbung ausblenden können.

Laut Gericht stellt Angebot und Vertrieb der Werbeblocker-Software  keine wettbewerbswidrige Behinderung der Kläger dar, weil es die Internetnutzer selbst seien, die eigenständig entscheiden würden, einen Werbeblocker zu installieren. Auch einen Verstoß gegen das Kartellrecht sieht das Gericht nicht. Der Vorwurf: Eyeo nimmt Geld von IT-Riesen wie Google, Amazon und Microsoft, um bestimmte Ads auf eine Whitelist zu setzen und nicht zu blocken - was am Desktop funktioniert, nicht aber auf Mobile, wo Nutzer entweder in nativen Apps unterwegs sind oder nicht alle mobile Browser (z.B. Safari auf iOS) die Installation eines Werbeblockers erlauben.

"Dialog mit Content-Providern"

"Adblock Plus wird auch weiterhin im Interesse der Internet-Nutzer störende Werbung standardmäßig blockieren und im Interesse von Verlagen und anderen Content-Providern nicht-störende Werbung anzeigen", so Eyeo-Sprecher Ben Williams. "Wir sind nach wie vor bestrebt, den Dialog mit allen Content-Providern fortzuführen. Unsere Vision ist ein Internet, das einerseits die berechtigten und schutzwürdigen Interessen aller Webnutzer berücksichtigt und andererseits den Verlagen und Content-Providern ein nachhaltiges Refinanzierungsmodell ihrer Internet-Aktivitäten ermöglicht."

Ob ProSiebenSat.1, IP Deutschland und RTL Interactive in Berufung gehen, ist abzuwarten. In dem Urteil heißt es jedenfalls, dass es nun an den Klägern sei, Modelle zu entwickeln, wie sie Nutzer mit dem Geschäftsmodell "Inhalte gegen (aufmerksamkeitserregende) Werbung" gewinnen können. Bei Eyeo gilt es derweil, am mobilen Markt Fuß zu fassen, wo der Werbeblocker irrelevant ist. Ein vergangene Woche gestarteter, eigener Browser namens AdBlock Browser, der nur auf Android-Geräten funktioniert, soll das Start-up im Rennen halten.
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