30.000 Webseiten gegen US-Gesetz
 

30.000 Webseiten gegen US-Gesetz

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CISPA schürt einmal mehr Ängste vor heimlicher staatlicher Überwachung im Netz

Im Jänner 2012 waren Netzaktivisten schon einmal erfolgreich und haben den "Stop Online Piracy Act" (SOPA) mit einem massiven Internet-Streik gestoppt. Mehr als 115.000 Webseiten, darunter jene von Wikipedia, Google, Reddit, Wordpress oder Mozilla, nahmen an dem Internet-Blackout teil und warnten Nutzer auf verschiedene Art und Weise vor dem Gesetzesvorhaben.

Bedrohung der Privatsphäre


Netzaktivisten rund um die Online-Initiative Internet Defense League, die NGO Fight For The Future sowie die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) haben am Dienstag zu einem Online-Protest gegen das neues Gesetzesvorhaben "Cyber Intelligence Sharing and Protection Act" (kurz (CISPA) aufgerufen.

Dieses sieht vor, dass US-Regierung, Internet-Unternehmen und Sicherheitsfirmen Nutzerdaten ohne ihr Wissen untereinander im Falle einer Cyber-Attacke weitergeben dürfen.

Der Haken aus Sicht der Gegner: Cyber-Attacke ist nicht näher definiert. Im schlimmsten Fall könnte ein Verstoß gegen Urheberrecht (z.B. der Download von nicht lizensierter Musik) als ein solcher Angriff gewertet werden und Privatnutzer ins Visier der Behörden rücken. Kritiker sehen CISPA als drastischen Eingriff in die Privatsphäre, weil Nutzerdaten ohne Gerichtsbeschluss und Information des Betroffenen weitergegeben werden dürften.

Craiglist, Reddit und DuckDuckGo


In einer Presseaussendung schreiben Fight For The Future und EFF davon, dass sich etwa 30.000 Webseiten dem Online-Protest gegen CISPA angeschlossen haben. Unter ihnen befinden sich bekannte US-Dienste wie das Kleinanzeigen-Portal Craigslist, das unter jungen beliebte Online-Forum Reddit oder die auf Datenschutz bedachte Suchmaschine DuckDuckGo.

Koordiniert wird der Protest über die Internet Defense League, wo sich teilnehmende Webseiten einen HTML-Code holen können. Wird dieser in die Webseite eingebettet, werden Besucher dieser per Pop-Up oder Banner auf CISPA hingewiesen - mit der Aufforderung, sich doch beim zuständigen Repräsentanten im US-Kongress zu melden und ihn zu bitten, gegen CISPA zu stimmen.

Unterstützung bröckelt


Zudem ist in den vergangenen Tagen bekannt geworden, dass die IT-Riesen Facebook und Microsoft ihre ursprüngliche Unterstützung für CISPA zurückgezogen haben. Ob der CISPA-Protest ähnliche Dimensionen wie das Internet-Blackout gegen SOPA vor mehr als einem Jahr haben wird, bleibt abzuwarten. Ein wichtiger Treiber damals war die Teilnahme von Wikipedia, die 24 Stunden lang die US-Startseite schwärzte und in einem Text gegen SOPA protestierte.
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