"2014 werden wir einige Exits sehen"
 

"2014 werden wir einige Exits sehen"

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Oliver Holle ist Gründer von SpeedInvest, des wichtigen Wiener Risikokapitalgebers, der in 17 in- und ausländische Start-ups Geld gesteckt hat. Im Interview spricht er über das Wachstum der österreichischen Szene, das neue Interesse der Old Economy und Investments als Renditeoption

HORIZONT: Wie bewerten Sie den Status quo der Start-up-Szene Österreichs, in welcher Phase stecken wir?

Oliver Holle: Das Interesse an dem Thema ist massiv gewachsen, auch medial, aber vor allem auf Investorenseite. Es gibt inzwischen eine aktive, breiter aufgestellte Business-Angel-Szene, und damit ist es für Früh­phasen-Start-ups leichter geworden, Finanzierungen zu bekommen. Bei den Start-ups selbst habe ich die ­Qualität in Österreich schon immer sehr gut gefunden, es hat immer ein, zwei Handvoll Jungfirmen gegeben, die weltweit erfolgreiche Projekte ­gemacht haben. Das sehe ich weiterhin, aber nicht notwendigerweise viel mehr als früher, es gibt keine massive Steigerung in der Anzahl hochkarä­tiger Ideen. Es gibt aber jedenfalls Menschen, die sich den Kopf darüber zerbrechen, sich selbstständig zu machen und mehr Zustrom von ehemaligen Consultern und Managern. Insgesamt kann man von einer Professionali­sierung der Branche sprechen.

HORIZONT: Haben die Erfolgsmel­dungen, etwa zu WhatsApp (von Facebook um 19 Milliarden Dollar gekauft, Anm.), aus dem Silicon Valley Goldgräberstimmung in Österreich ausgelöst?

Holle: Ich denke nicht. Erfolge wie WhatsApp sorgen nicht nur für Auf­regung, sondern auch für Skepsis. Es ist eher so, dass es einen stetigen Trend über die letzten Jahre gab, der jetzt ­einen kritischen Punkt erreicht hat. ­Damit hat WhatsApp eher weniger zu tun, weil viele einen Hype und damit eine Blase dahinter vermuten. Auch der Talentezuzug, also dass sich immer mehr Menschen vorstellen können, in dem Bereich zu arbeiten, ist eine kontinuierliche Entwicklung und keine überhitzte Goldgräberstimmung.

HORIZONT: Was sind die Stärken der österreichischen Start-ups? Im Mobile-Bereich tut sich ja sehr viel.

Holle: Wenn man ehrlich ist, ist jede Antwort konstruiert. Die österreichische Szene ist noch zu klein, um einen nachhaltigen Themenschwerpunkt ­herausgebildet haben zu können. Ja, es gibt starke Firmen wie Runtastic und Shpock im Mobile-Bereich, aber der Punkt ist: Wir haben sehr gute Gründer, die zum Teil technologisch sehr stark sind. Da hat sich eine kleine, feine Szene herausgebildet, in der man sich gegenseitig unterstützt, und da kommen jedes Jahr sehr gute Projekte ­heraus. Auch in Deutschland ist die Schwerpunktsetzung auf E-Commerce bereits wieder verflogen.

HORIZONT: Welche Schwerpunkte setzt SpeedInvest?

Holle: Wir haben zwei Schwerpunkte gesetzt: Technologiefirmen, die mit ­einer starken IP („Intellectual Property“, Anm.) und einer Kernlösung ausge­stattet sind und die wir global positionieren können – etwa indoo.rs im Bereich Indoor-Navigation. Da finden wir jedes Jahr drei, vier Projekte. Das zweite große Thema ist „FinTech“, also Finanzdienstleistungen. Da haben wir etwa in Wikifolio oder payworks investiert, und auch unsere nächsten zwei großen ­Investments werden in diesem Bereich stattfinden.

HORIZONT: Die Old Economy, etwa Brigitte Ederer oder Ex-Styria-Vorstand Wolfgang Bretschko, ist mittlerweile auf den Geschmack gekommen und investiert in Start-ups. Ist das ausschließlich positiv zu sehen?

Holle: Ja, das ist uneingeschränkt positiv zu sehen. Das Einzige, worauf diese neuen Investoren aufpassen müssen, ist, nicht in irgendwelche Abenteuer hineinzumarschieren, zu teuer einzusteigen und sich dann frustriert frühzeitig wieder aus der Szene zu verabschieden. Da haben erfahrene Leute Verantwortung. Man muss die neuen Investoren in mehrere Projekte gleichzeitig bringen, um das Risiko zu streuen. Die müssen das nicht als ­Spielerei, sondern als echte Renditeoption wahrnehmen.

HORIZONT: Funktioniert das?

Holle: Das ist für uns als SpeedInvest der nächste große Schritt. Wir müssen mit harten Zahlen vorrechnen, dass man mit einem unserer Fonds oder ­einem Business-Angel-Investment bessere Renditen erzielen kann als ­anderswo. Das ist der Beweis, der in den nächsten zwölf bis 24 Monaten ­erbracht werden muss. Und dann wird sich die ganze Sache noch einmal massiv drehen, dann werden die großen Vermögen bereit sein, einen kleinen Teil dahin zu allozieren.

HORIZONT: Die Old Economy investiert nicht nur, sie lässt sich auch, sagen wir mal, von Start-ups inspirieren: Die Krone Multimedia macht Ihrem Investment Shpock seit Kurzem mit einer ­eigenen Kleinanzeigen-App namens Flohmo Konkurrenz. Ein Problem?

Holle: Wunderbar, das ist überhaupt kein Problem. Shpock hat erstens
einen viel größeren Markt, etwa mit ­Deutschland und Großbritannien, da ist Österreich nicht kriegsentscheidend. Zweitens gibt es eine Unzahl an solchen Flohmarkt-Apps, und der Teufel liegt im Detail. Shpock hat diesen Erfolgslauf ja nicht hingelegt, weil die Idee so sensationell neu ist, sondern weil sie die Idee mit Abstand am besten und mit Leidenschaft und Liebe zum Detail exekutiert haben. Da ist es schwer für traditionelle Unternehmen,  dagegenzuhalten.

HORIZONT: Wie steht es um Ihre anderen Investments?

Holle: Unser Portfolio schaut erstaunlich gesund aus, von 17 Investments (unter anderem Shpock, indoo.rs, Wiki­folio, Anm.) gibt es nur ein, zwei Problemfälle, die ich jetzt aber nicht namentlich nennen will. Bei den meisten Projekten wüsste ich nicht, was da noch schiefgehen soll.

HORIZONT: Der Business Angel Hans Hansmann ist bei fast allen bekannteren Start-ups aus Österreich an Bord – ein Konkurrent für Sie?

Holle: Wir sind gut befreundet, der Hansi ist auch bei SpeedInvest drinnen, und außerdem haben wir zwei, drei gemeinsame Investments. Wir brauchen Gesichter und Erfolgsgeschichten, um das Thema zu pushen, und da ist Hansi ein wunderbarer ­Mitstreiter. Es kommt vielleicht ein Mal in zwanzig Fällen vor, dass man um ­einen Deal rittert, aber das ist eine große Ausnahme.

HORIZONT: Zumindest in der Start-up-Show „2 Minuten 2 Millionen“ von Puls 4 wurden Sie und Hansmann als Rivalen präsentiert.

Holle: Tja, Fernsehen braucht Geschichten (lacht). Natürlich muss man im TV eine Show liefern, aber die ­Realität schaut anders aus. Wir holen sehr oft Co-Investoren mit an Bord, weil wir ja gar nicht genug Kapital zur Verfügung haben, um diese Deals alle alleine zu machen. Im Normalfall treten wir proaktiv an Hansi und andere heran, ob sie mitmachen. Es gibt ganz wenige Ausnahmen, wo einer von uns beiden sagt, dass er ein Start-up alleine machen will.

HORIZONT: 2013 war das Jahr der Millioneninvestments. Werden wir jetzt 2014 einige Exits sehen?

Holle: Ja, ich denke schon. Wir haben zwei, drei Projekte auf der Zielgeraden. Wir sind am Sprung, uns als etabliertes Investmentfeld in Österreich zu positionieren und als SpeedInvest klar eine Führungsrolle einzunehmen. Das wollen wir 2014 erreichen, und dafür sind die Karten gut gemischt. Einige Exits werden wir veröffentlichen, andere nicht. Mediale Aufmerksamkeit ist nett, aber wichtiger ist uns, dass unsere Investoren glücklich sind.

Dieser Artikel erschien bereits am 18. April in der HORIZONT-Printausgabe 16/2014. Hier geht’s zur Abo-Bestellung.
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