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20 Jahre ORF.at: Die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Netz

Sandra Schieder
1,4 Millionen Visits im Monat hatte ORF.at zwölf Monate nach der Gründung im Jahr 1997, heute sind es bis zu 90 Millionen Visits im Monat, informiert Generaldirektor Alexander Wrabetz im Rahmen seiner Begrüßungsworte im ORF-DialogForum.
1,4 Millionen Visits im Monat hatte ORF.at zwölf Monate nach der Gründung im Jahr 1997, heute sind es bis zu 90 Millionen Visits im Monat, informiert Generaldirektor Alexander Wrabetz im Rahmen seiner Begrüßungsworte im ORF-DialogForum.

Im Rahmen des ORF-DialogForums anlässlich 20 Jahre ORF.at debattierten Vertreter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus dem DACH-Raum zum Thema "Das Netz der Gesellschaft".

"Big Data", "Algorithmen" und "Fake News" dominieren die Debatte um die Negativeffekte der digitalen Kommunikation. Wie öffentlich-rechtliche Medien mit Internetgiganten wie Facebook oder YouTube umgehen sollen, wie es ihnen gelingen kann, dass sich das Publikum nicht gänzlich alternativen Medienkanälen widmet und was es braucht, damit öffentlich-rechtliche Sender auch in 20 Jahren noch im Netz Relevanz haben, darüber diskutierten Vertreter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus dem DACH-Raum im Rahmen des ORF-DialogForums zum Thema "Netz der Gesellschaft". An der Debatte am Podium nahmen Ingrid Brodnig, digitale Botschafterin Österreichs in der EU, Gerald Heidegger, Chefredakteur ORF.at, Alexander Knetig, Chefredakteur ARTE Creative, und Stefano Semeria, Bereichsleiter junge Zielgruppen im SRF, teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von Konrad Mitschka (ORF Public Value).

1,4 Millionen Visits im Monat hatte ORF.at zwölf Monate nach der Gründung im Jahr 1997, heute sind es bis zu 90 Millionen Visits im Monat, informiert Generaldirektor Alexander Wrabetz im Rahmen seiner Begrüßungsworte. Neben vielen anderen Gründen sei der Hauptgrund für den Erfolg, dass "ORF.at ein eigenständiges drittes Medium des ORF ist", so Wrabetz. Ein wichtiger Meilenstein in dieser Erfolgsgeschichte sei gewesen, dass es im Jahr 2010 gelungen ist, "den Onlineauftrag mit einer dualen Finanzierung im ORF-Gesetz festgeschrieben bekommen zu haben". Der Generaldirektor betont aber auch, dass "wir erst am Beginn der ganz großen Herausforderungen stehen". Angesichts dieser Herausforderungen werde es in den nächsten Jahren darauf ankommmen, "Public Network Value zu produzieren" und "Onlineprodukte unabhängig von Fernsehen und Radio herzustellen".

These der Echokammer

"Big Data", "Algorithmen" und "Fake News" - alles Begriffe, die unweigerlich zur Frage führen, wie klassische Medien, insbesondere öffentlich-rechtliche Medien, mit Internetgiganten wie Facebook oder YouTube umgehen sollen. "Ich bin Facebook in vielem total dankbar, weil es uns hilft, uns auf unsere Grundarbeit zu konzentrieren", sagt Heidegger. Auf Facebook könne jeder Redakteur sein, die Problematik dabei sei, dass jener Redakteur gehört werde, "der das bessere Narrativ und nicht die besseren Fakten hat". Semeria ist davon überzeugt, dass "man sich nicht erlauben kann, diese (Soziale Netzwerke, Anm.) zu ignorieren. Wenn wir nichts für Facebook oder YouTube produzieren, dann haben wir verloren." Brodnig spricht in diesem Zusammenhang die "These der Echokammer" an, also Räume, in denen Menschen "großteils mit Gleichdenkenden kommunizieren" und "Nachrichten lesen, die sie in ihrem Weltbild bestärken". Problematisch werde das dann, "wenn manche Bürger von Politik nichts mehr mitbekommen" oder "Informationen nur noch von Parteien und nicht mehr von klassischen Medien beziehen".

Trial and Error

Wie kann es öffentlich-rechtlichen Medien also gelingen, dass ihnen das Publikum nicht gänzlich den Rücken kehrt und sich alternativen Medienkanälen widmet? "Was das Fernsehen und Radio viele Jahrzehnte nicht hatten, war die Notwendigkeit, sich neu erfinden zu müssen, weil das Publikum da war und nicht in andere Kanäle abdriftete", erläutert Semeria. Angesichts dieser Konkurrenzsituation müsse man sich darüber Gedanken machen, wie man sich neu erfinden könne, um auch das junge Publikum zu erreichen. Der SRF arbeitet punktuell und themenbezogen etwa auch mit erfolgreichen YouTubern aus der Schweiz zusammen, die Beiträge gestalten. Das sei ein "Trial and Error, dem wir ausgesetzt sind", aber "wir müssen schauen, was funktioniert und was nicht". "Unsere Art, darauf zu reagieren, geht über die Produktion von Qualitätsinhalten", die man bei Arte auch "über Facebook, YouTube oder Instagram an den Mann" bringe, erklärt Knetig.

"Keep it simple"

"Das, was uns auszeichnet, ist ein kühl distanziertes Verhältnis zur Wirklichkeit und ein nahes Verhältnis zu Fakten. Ob es Facebook in 20 Jahren noch gibt, wissen wir nicht", sagt Heidegger. Er sieht öffentlich-rechtliche Medien in Sozialen Netzwerken und im Netz künftig dann auf einem richtigen Weg, "wenn diese nicht alles wahrnehmen müssen, was sie wahrnehmen können". Es gehöre auch zum öffentlich-rechtlichen Bewusstsein, "manche Sachen nicht zu machen, die man machen hätte können". Ähnlich sieht das Knetig: "'Keep it simple' ist schon relativ wichtig. In den letzten 20 Jahren haben wir sehr viel rausgehauen. Künftig wird es wichtig sein, die Sachen im Netz relativ einfach zu halten." Brodnig appelliert, dass öffentlich-rechtliche Medien sich mehr trauen und mehr dürfen sollten. Sie spricht in diesem Zusammenhang die Pläne des ORF für einen YouTube-Channel an (HORIZONT berichtete) und die vor wenigen Jahren geführte Debatte, ob der ORF in Sozialen Netzwerken aktiv sein darf. Positiv sieht sie, dass das Satireportal "Die Tagespresse" eine eigene Sendung im ORF bekommen soll. Zudem spricht sich Brodnig für eine Onlinenische aus, "wo Online neue Formate ausprobiert" werden sollen.

Das ORF-DialogForum wird am Sonntag, dem 18. Juni, um 23 Uhr auf ORF III gesendet.
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