19 Verbände pro,Kommunikations-Investition'
 

19 Verbände pro,Kommunikations-Investition'

19 (!) Branchenverbände formieren sich für besseres Verständnis des Wertes von Kommunikation und ein neues Miteinander in der Kommunikationsbranche - Plattform Kommunikations-Investition macht "kick-off".

Nicht bezahlte oder unprofessionelle Wettbewerbspräsentationen, Niedrighonorare, Pauschalierungswut, keine Abgeltung von Urheberrechten, verfehlte öffentliche Auftragsvergaben - Österreichs Kommunikationsdienstleister stehen nicht erst seit der Wirtschaftskrise mit dem Rücken zur Wand. Das diagnostizieren die Initiatoren des Projekts "Plattform Kommunikations-Investition", Michael Himmer (Obmann Fachgruppe Wien), Karin Lehmann (Ausschussmitlied FG Wien) und Eduard Böhler (WienNord).

Auf der anderen Seite stehen verunsicherte Auftraggeber, die sich nach dem Zerfall bisheriger Honorarsysteme und der Entwicklung vieler neuer Kommunikationsdisziplinen einer komplexen Dienstleistungslandschaft gegenüber sehen, in der sie sich zunehmend schwer zurechtfinden. 

Dieser Vertrauensverlust auf beiden Seiten war Ausgangspunkt für die Bildung einer Initiative, die erstmals die gesamte Kommunikationsbranche auf Dienstleister- und Auftraggeberseite umfasst, berichten Himmer, Lehmann und Böhler bei der Vorstellung der Initiative bei einem Fachgespräch am 26. Jänner: Für einen Anfang 2011 gestarteten, breiten gemeinsamen Diskussions- und Arbeitsprozess unter der Führung der Fachgruppe Werbung Wien konnten 18 (plus der initiierenden Fachgruppe Wien: 19) Partnerverbände gewonnen werden. Um Strategien für die Initiierung eines Umdenkprozesses zu finden, wurden nicht nur Branchenexperten eingebunden, sondern auch Studenten des Masterstudiengangs Kommunikationsmanagement der FH Wien, deren im Rahmen eines Praxisprojektes erarbeiteten Herangehensweisen einen wertvollen Beitrag leisteten. 

Die Diagnose: "Mangelnde Wertschätzung als Grundproblem Dabei wurde Übereinstimmung darüber erzielt, dass der Großteil der Branchenprobleme aus einem mangelnden Bewusstsein des Beitrages von Kommunikation für den Unternehmenserfolg resultiert. Diese mangelnde Wertschätzung geht auf Auftraggeberseite selten von Kommunikationsentscheidern aus, sondern meist von Einkaufs- oder Finanzentscheidern, die Kommunikation lediglich als laufende finanzielle Belastung sehen, die es zu minimieren gilt. Dabei wird völlig übersehen, dass Kommunikation zur wirtschaftlichen Schlüsseldisziplin des 21. Jahrhunderts geworden ist." 

Von der "Ausgabe" zur "Investition" 
Daher das Projekt "Kommunikations-Investition": Alle Partnerverbände werden künftig den neuen, bewusst gewählten Gattungsbegriff für ihre Leistungen verwenden, der die Werthaltigkeit bereits impliziert: Die Kommunikationsinvestion. 

Damit soll bereits im Wording klargemacht werden, dass Kommunikation keine unnötige Ausgabe, sondern eine wertvolle Investition darstellt, die sich rechnet - und dementsprechend professionell gehandhabt werden muss. Eine im Laufe des Jahres 2012 startende Informationskampagne soll konkrete Probleme der Branche offen ansprechen. 

Die Toolbox und weitere Professionalisierungsaktivitäten 
Kernstück der gewünschten Verbesserung von Vergabeprozessen, Verträgen und laufender Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern und Dienstleistern ist eine Toolbox, deren erste Module bereits in Fertigstellung sind, wie etwa die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Agenturverträge durch den Fachverband Werbung und das Thema Pitches durch Martin Weinand und Mike Lynn. 

Die Broschüre "Grundmodell Kommunikations-Controlling" des PRVA ist fertig und steht bereits online zur Verfügung – damit soll, berichtet Karin Lehmann, vor allem das Controlling und der Einkauf auf Auftraggeebrseit gezielt angesprochen werden. 

Die Fachgruppe Werbung erstellt in Kooperation mit dem Verband der Marktforscher Österreichs eine Broschüre betreffend Marktforschung - sie ist in Produktion. 

Die creativ wirtschaft austria WKÖ hat eine Broschüre "Das Kapital der Kreativen" fertiggestellt, ebenso die Broschüre "Das Handwerk der Kreativen". Sie bietet auch ein online Creativdepot an, um geistiges Eigentum zu schützen. 

Alle Verbände sind des Weiteren darüber übereingekommen, berichten Himmer, Lehmann und Böhler, sich in einem Masterplan laufend inhaltlich und terminlich zu koordinieren, um so einen wachsenden Mehrwert für die gesamte Branche zu erzeugen. Nachsatz Michael Himmer zum "work in progress": "Selbst bei den diversen Initiativen, die unselige Werbesteuer abzuschaffen, ist es nihct gelungen, eine derart breite Basis aus Verbänden und Interessenvertretungen der Kommunikationswirtschaft herzustellen – wir wollen damit einen nachhaltigen Dialog mit unseren Auftraggerbern eröffnen".

Die 19 Branchenverbände in alphabetischer Reihenfolge:

CCA Creativ Club Austria
creativ wirtschaft austria
DMVÖ Direct Marketing Verband Österreich
EMBA Event Marketing Board Austria
Fachgruppe Werbung Wien
Fachverband Werbung
Filmwirtschaft FAMA/WKÖ
IAA International Advertising Association Austrian Chapter
IAB Internet Advertising Bureau
IGMA Interessengemeinschaft Mediaagenturen
MMA Mobile Marketing Association Austria
ÖMG Österr. Marketinggesellschaft
MCÖ Marketingclub Österreich
ÖWR Österreichischer Werberat
PRVA Public Relations Verband Austria
ÖPAV Public Affairs Verband 
Strategie Austria
VAMP Verband Ambient Media und Promotion
VMÖ Verband der Marktforscher Österreich

Siehe bitte die Berichterstattung in HORIZONT 04-2011, erschienen am 27.01.2012.
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