12 Start-ups, die Medien neu denken
 

12 Start-ups, die Medien neu denken

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Nicht nur in den USA, auch in Europa wird über die Zukunft des Journalismus nachgedacht. Frische Ideen sollen Content und Finanzierung in neue Gefilde führen - ein Überblick über die Internet-Szene und ihre Gründer

Viel wird über neue US-Onlinemedien wie BuzzFeed, Upworthy oder vox.com und deren enorme Wachstumszahlen geredet. Vergessen wird dabei oft, dass auch in Europa junge Gründer den Journalismus und die damit verbundenen Geschäftsmodelle neu für sich erfinden wollen. HORIZONT zeigt zwölf Beispiele aus unseren Breitengraden, die sich ebenfalls Aufmerksamkeit ­verdient haben.

1. ampp3d: Das Datenjournalismus-Projekt des britischen Tabloids Mirror soll Fakten schaffen: Statistiken und anderes Zahlenmaterial werden zu einfach konsumierbaren Visualisierungen und Infografiken verarbeitet, die vor ­allem im Mobile-Bereich via Social ­Media an ein breites Publikum herangetragen werden sollen.

2. Blendle: Das holländische Start-up wird bereits als „iTunes für Journalismus“ gehandelt. Die junge Firma hat es geschafft, den Großteil der niederländischen Tageszeitungen und Magazine hinter eine gemeinsame Paywall zu holen. Der Clou: Nutzer zahlen kein Abo, sondern zehn Cent für einzelne Artikel.

3. Crowdspondent: Die deutschen Jungjournalistinnen Steffi Fetz und Lisa Altmeier sammeln via Crowdfunding auf startnext.de genug Geld (4.000 Euro), um sich die nächste Reportagereise zu finanzieren. 2013 waren sie bereits in Brasilien, 2014 soll es drei Monate durch Deutschland gehen. User können mitbestimmen, welche Storys die beiden vor Ort recherchieren.

4. curved.de: Das Tech-Portal wird von der E-Plus Gruppe finanziert und von der Hamburger Agentur Sinner­Schrader betrieben. Die Storys über das Hauptthema „Mobile Lifestyle“ sollen sich mittelfristig via Onlinewerbung und Affiliate-Links finanzieren.

5. De Correspondent: Das digitale ­Magazin (Web, Smartphones, Tablets) liefert pro Tag fünf anspruchsvolle ­Hintergrundgeschichten und soll sich ausschließlich via Abonnements finanzieren. Innerhalb eines Jahres konnte Gründer Rob Wijnberg (32) per Crowdfunding mehr als 30.000 Unterstützer gewinnen, die pro Jahr 60 Euro für das Magazin zahlen.

6. heftig.co: Mit reißerischen Clickbait-Überschriften hat die auf emo­tionale YouTube-Videos spezialisierte Website bis dato fast 600.000 Facebook-Fans und im April 2014, eigenen Angaben zufolge, 27,6 Millionen Visits gewinnen können. Die Seite soll sich via Ads finanzieren und wird von einer in Belize registrierten Firma betrieben.

7. joiz: Der Schweizer Jugendsender bietet seit Kurzem auch in Deutschland interaktives Free-TV (auch als Livestream im Web) an, finanziert wird über Werbespots.

8. Krautreporter: Eigentlich als Crowdfunding-Plattform für Journalismus gestartet, wollen die Betreiber nun 15.000 Leser finden, die fünf Euro im Monat (insgesamt 900.000 Euro pro Jahr) für ein digitales Magazin bezahlen.

9. LaterPay: Die Micropayment-Lösung, die demnächst mit zehn Partnern in Deutschland und Österreich starten soll, erlaubt es, online gelesene Artikel im Nachhinein ab einem Betrag von fünf Euro zu bezahlen. Der Nutzer kann so Texte, Bilder oder Videos auf verschiedenen Webseiten kaufen und gesammelt über ein Konto bezahlen. Gemäß den Betreibern sollen ersten Tests zufolge im Schnitt 7,1 Prozent der Besucher die kostenpflichtigen Inhalte auch tatsächlich berappen.

10. orat.io: Das österreichische Start-up von Bernhard Hauser und David Pichsenmeister bietet ein neuartiges Kommentarsystem für Onlineartikel an, bei dem die Meinungen der User in „Pro“ und „Contra“ unterteilt werden. Die beiden Gründer sind derzeit im Axel-Springer-Accelerator in Berlin, um die Idee voranzutreiben. Finanziert könnte der Dienst über Zusatzservices für die Webseiten-Betreiber (wie Analytics) werden, die orat.io einbinden.

11. paroli: Das 2012 gestartete Web­magazin will als Labor für Jungjournalisten fungieren und dem Nutzer neue journalistische Gestaltungsformen bieten. Das größte und erfolgreichste Projekt bis dato ist die interaktive Webdokumentation „Kopf oder Zahl“ über junge Europäer und ihre Lebenskonzepte, die Video- und Datenjournalismus verknüpft. Paroli ist noch nicht an ein Geschäftsmodell geknüpft und als Verein aufgesetzt.

12. watson.ch: Das neue News-Portal aus der Schweiz arbeitet mit großen Bildern, boulevardesken Überschriften und Social-Media-Funktionen. Der Großteil der Belegschaft stammt aus der Onlinemannschaft von 20 Minuten, Gründer ist Hansi Voigt, ehemaliger Chefredakteur selbiger Gratiszeitung. Finanziert werden soll das Portal vor allem über native Werbung, die sich unauffällig unter den restlichen Content mischt.
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